Das ehemalige Säuglings- und Kinderkrankenhaus

Es war einmal ein imposantes Bauwerk: Heute gleicht das ehemalige Säuglings- und Kinderkrankenhaus eher einer Ruine. Und das, obwohl es unter Denkmalschutz steht.

Fensterscheiben sind zerborsten, der Putz bröckelt, die Dächer sind undicht, die Natur holt sich das Areal langsam zurück. Und niemand weiß, wie die Zukunft des einst stolzen Klinikbaus aussieht. Inzwischen ist das Gelände zwar besser als in den vergangenen zehn Jahren gesichert, aber das Gemäuer verfällt weiter.

Dabei war dieses Krankenhaus einst eine der fortschrittlichsten medizinischen Einrichtungen im Land. Weil es Anfang des 20. Jahrhunderts eine hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit gab, fürchteten Städte und Gemeinden einen rapiden Rückgang bei den Kleinkinderzahlen. Die Gemeindeväter entschieden, das erste kommunal geführte Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens zu bauen.

In diesem konnten anfangs bis zu 40 Säuglinge und Kleinkinder behandelt werden. Neben einer chirurgischen Abteilung gab es Abteilungen, in denen HNO- sowie Hautkrankheiten behandelt wurden. Die Klinik hatte sogar einen eigenen Kuhstall mit 36 Kühen und angeschlossener Molkerei zur Versorgung der Kinder mit Milch. Eingeweiht wurde das Krankenhaus 1911.

Für Schwestern in Ausbildung ließ die Gemeinde einen Hörsaal errichten. In diesem fanden auch öffentliche Vorträge zur Säuglingspflege statt. Die Anzahl der Betten wurde schrittweise auf 100 erhöht. Über Jahrzehnte war das Krankenhaus eine Institution. Doch dann kam das Jahr 1997. Der Senat entschied, aus Kostengründen und bei rückläufiger Bevölkerungszahl, das Krankenhaus zu schließen.

Und damit begann der Abstieg des Areals, den viele mit Kopfschütteln und Unverständnis seit Jahrzehnten mit ansehen. Die erhoffte Rettung des Denkmals blieb aus und inzwischen verfällt das Krankenhausareal weiter.