Das Monsterwrack am Elbufer

Einst ernährte es einen ganzen Ort, dann fiel es in einen tiefen Dornröschenschlaf: Seit 1994 stehen die Maschinen still.

Wie ein gewaltiger Dampfer, so scheint es, liegt das ehemalige Kraftwerk an der Elbe vor Anker. Mit seiner strengen, zweckorientierten Formensprache und der harmonischen Staffelung seiner Gebäudeteile gilt es als Klassiker des Industriebaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ursprünglich sollte das Kraftwerk, das von 1937 bis 1942 gebaut worden war, das 130 Kilometer entfernt gelegene Berlin mit Strom versorgen. Aber der Zweite Weltkrieg machte diese Pläne zunichte. Nach Kriegsende wurden zwei Jahre lang fast alle Geräte des Werkes als Reparationsleistungen demontiert und in die Sowjetunion verfrachtet. Doch die Tage des Werks waren noch nicht gezählt: 1953 begann man, sechs Jahre lang das ausgeräumte Kohlekraftwerk wieder aufzubauen und sogar um einen zweiten Bau zu erweitern.

Es schien, als würde die Anlage allen Widrigkeiten trotzen. Selbst, als im Juli 1960 ein Militärflugzeug der Nationalen Volksarmee vom Typ Iljuschin Il-14 im Nebel mit einem der vier Schornsteine kollidierte: Das Flugzeug stürzte ab, seine sechs Insassen sowie ein Arbeiter starben. Der Schornstein aber blieb stehen.

Bis 1994 blieb das Kraftwerk Arbeitgeber und Energiespender für die Menschen im mitteldeutschen Braunkohlerevier. Dann kam die Stilllegung, gefolgt von einer erneuten Demontage der technischen Anlagen.