Werkluftschutz unter Wasser

Die Pumpen laufen Tag und Nacht …

Auf der Suche nach etwas viel grösserem, fanden wir zufällig an einem längst zurückgebauten, privaten Bahnanschluss diesen kleinen Werkluftschutzstollen. Ein Grossteil dieser ringförmig angelegten Anlage ist mit zwei mannshohen Mauern abgetrennt und mit starker Folie wasserdicht ausgelegt worden. Dann flutete man den abgetrennten Teil und dieses so entstandene Kühlbecken wird von der recht grossen, heute noch produzierenden Firma zum Kühlen ihrer Maschinen benutzt. Der trockenen Fusses begehbare Teil des Bunkers besitzt einen Eingang und drei Notausgänge.

Der Theaterbunker

Die Anlage besteht aus zwei in sich abgeschlossenen, verhältnismässig kleinen Röhrenbunkern (dreireihiges Ziegelgewölbe, kein Beton), die nicht miteinander verbunden sind. Leider war bis zum jetzigen Zeitpunkt nur einer der Teilbereiche betretbar.

Als bei den Bauarbeiten im Theaterumfeld die Überreste eines alten Bunkers zutage kamen, war dies zumindest für Kenner der Zeitgeschichte keine Überraschung. Der Stadtarchivar musste aber doch einige Nachforschungen anstellen, um näheres über die knapp 80 Jahre alten Mauern herauszufinden. Eines ist demnach klar: Der Bunker dürfte aus den Anfangszeiten des Zweiten Weltkriegs stammen. Der Originalzugang zum Bunker ist im Zuge des Theaterneubaus zwischen 1960 und 1963 zerstört worden. Der Einstieg ist jetzt nur noch unter erschwerten Bedingungen über Steigeisen durch den schmalen Schacht eines der Notausgänge möglich.

 

Update:

Durch eine glückliche Fügung wurde jetzt bei weiteren Baumassnahmen auch die zweite Röhre kurzzeitig geöffnet …

 

 

 

Der Zauberberg

 

1910 wurde die Klinik für Tuberkulosekranke mit 100 Betten eröffnet. Baukosten: 510 000 Mark. Drei Jahre später wurden immer mehr Kinder aufgenommen, so dass sich die Klinik zur Kinderheilstätte entwickelte. 1927 eröffnete man das Haus II für Jugendliche mit besonders ansteckender Tuberkulose, 1930 den Kinderpavillon und das Infektionshaus 1936. Ebenso entstanden Krankenhallen und Schulgebäude. Eine Art Zauberberg wie in dem berühmten Roman von Thomas Mann, in dem er die Welt in einem Sanatorium in Davos erzählt. 1945 wurde die Klinik bei einem Bombenangriff schwer getroffen. In den Folgejahren entstand beim Wiederaufbau auch ein zusätzliches Schwesternwohnheim und ein exzellent eingerichtetes Labor. Als die Anzahl der Tuberkuloseerkrankungen in den Nachkriegsjahren abnahm, baute man den Komplex zu einem pneumologischen Fachkrankenhaus aus. 1977/78 errichtete man ein Seniorenheim für schwere und schwerste Pflege. 2006 war Schluss. Nach Insolvenzen, Gerichtsverfahren und Investitionsstau musste die Klinik den Pflegebetrieb endgültig einstellen. Es kam, wie es kommen musste: Das 21-Hektar Areal blieb sich selbst überlassen und verrottete …

Krebsholl

 

1833 als Tuchfabrik errichtet, wurde das Industriegebäude 1898 in eine Papierfabrik für Fahrkartenkarton und Tapetenpapier umgewandelt. Zu der Betriebsausstattung gehörten zwei Rundsiebmaschinen, eine Längssiebmaschine und eine 650 PS starke Tandemdampfmaschine der Firma MAN zum Antrieb der Papiermaschinen. Die Elektrifizierung der Fabrik erfolgte 1912. Es wurde eigener Strom durch ein Dampfturbinenaggregat erzeugt, das wohl zu den ersten in Deutschland zählen dürfte. Das Hauptaugenmerk der Firma ab 1927 war die Produktion von Papiersäcken für Zement, der zuvor üblicherweise in 100 kg Fässern transportiert wurde. In Zusammenarbeit mit Maschinenbauern wurden Prüf- und Fertigungsmaschinen für die Säcke entwickelt, die im Zweiten Weltkrieg massenhaft für rüstungstechnische Baumaßnahmen benötigt wurden. Auch in der Nachkriegszeit war der Bedarf an Zementsäcken enorm, so dass die britischen Besatzer 1948 die Erlaubnis für die Wiederaufnahme der Produktion erteilten. 1952 wurde die Dampfturbine durch eine neue der Firma AEG ersetzt. Die Produktion wurde Ende 1970 eingestellt, seitdem verfallen die Gebäudetrakte.

Re-Visit

Der Werkluftschutzstollen

 

Während des Zweiten Weltkriegs kam es zwischen 1942 und 1945 zu Bombenabwürfen über der Stadt, welche eigentlich dem nahegelegenen Düsseldorf galten. Deshalb liess die kleine Firma in Erkrath in den Südhang hinter dem Werksgebäude für ihre Belegschaft einen Luftschutzstollen in den vorhandenen Dachschiefer schlagen. Heute ist dieser kleine Stollen kaum noch aufzufinden. Wir begaben uns dennoch auf die Suche und wurden auch fündig.

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Das geplante Kavernenkraftwerk

 

Zum Bau einer bombensicheren Energieversorgung in Form eines Kavernenkraftwerkes wurde dieser Stollen in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, in den Zeiten des "Kalten Krieges", in den Hardtberg getrieben. Das Projekt jedoch wurde abgebrochen und der angefahrene Stollen wurde verschlossen. Seit 2015 wird die Anlage vom Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. offiziell betreut. Da sich in dem Berg ein Großhöhlensystem befindet und auch beim Stollenvortrieb Kleinhöhlenteile angeschnitten wurden, erhoffen wir uns bei der zukünftigen Forschungsarbeit einiges an Neuentdeckungen. Potential wäre vorhanden …

 


 

Tag des Geotops 2015

Der schon traditionell am Wuppertaler Hardtberg stattfindende Tag des Geotops hielt diesmal für die Besucher eine Besonderheit bereit: Zum ersten Mal konnte der Hardtstollen mit seiner großen Kaverne zugänglich gemacht werden. So war es kaum verwunderlich, dass die Anmeldungen die Anzahl der freien Plätze schnell überstieg. Kurzfristig wurden die Gruppen vergrößert und die Anzahl der Führungen von 7 auf 9 erhöht, so dass über 200 Besucher durch den Stollen geführt werden konnten. Mehr dazu: klick hier

Noch mehr Bilder vom Tag des Geotops 2015, klick hier

Bilder vom TdG 2016

https://akkhev.wordpress.com/2016/09/23/tag-des-geotops-2016-in-der-hardtkaverne/

Fotos vom TdG 2018

Der Neumarktbunker

Noch heute ist die alte Bedingung gültig, dass dieser Platz nicht überbaut werden darf.

1640 wurde eine Wiese zur Nutzung als Friedhof von der Gemeinde aufgekauft und mit einer Mauer umgeben. Damals lag diese Wiese noch ausserhalb der Elberfelder Innenstadt. Elberfeld war damals noch ein Dorf … doch schon 1808 (Elberfeld war flächenmässig gewachsen) musste der Friedhof wegen einer "allgemeinen landesherrlichen Verordnung" von 1803, wonach Begräbnisstätten außerhalb der Städte verlegt werden mussten, aus der "Innenstadt" weichen. Als neue Begräbnisstätte wurde eine schon seit 1785 im Besitz der Gemeinde befindliche Fläche an der heutigen Else-Lasker-Schüler-Strasse (ein "Feld am neuen Teich") ausgewählt. Dieser neue Friedhof wurde jedoch nur gut fünfzig Jahre genutzt und findet heute als Parkanlage Verwendung, in der sich auch Wuppertals letzter Winkelturm befindet.

Vom alten Friedhof, der 1808 aufgegeben werden musste, wurden die Grabsteine und Grabmäler abgeräumt und die freigewordene Fläche verkaufte man der Stadt mit der oben bereits erwähnten Bedingung, zur Errichtung eines "neuen Marktplatzes".

Im Gegensatz zu den Nachbarstädten Remscheid und Solingen, war Wuppertal im letzten Krieg auf Grund des LS-Sofortprogrammes ein 'Luftschutzort erster Ordnung'. Dementsprechend wurden hier überdurchschnittlich viele Bunker und Luftschutzstollen errichtet, die Zahl von gut 350 ist überliefert. Der Bunker vor dem ehemaligen Elberfelder Rathaus fällt auch in die Zeit dieser regen Bautätigkeit. Die Gänge ziehen sich unter dem Neumarkt entlang, es gibt Holzbänke und Abgänge zu mehr als 40 Räumen. 450 Personen konnten unter dem Neumarkt Schutz finden.

Heute ist diese aufgegebene Anlage leider zu nichts mehr nütze. Nie habe ich eine verkommenere und verdrecktere, stinkende Anlage gesehen, als diese. Schade um dieses ehemals schöne Teil.

Kleiner Brauereistollen

 

Im Laufe der Geschichte gab es in Wuppertal so an die zweihundert Brauereien, die den bekömmlichen Gerstensaft in grossen und auch in kleinen Mengen produzierten. Diese Brauereien sind nun alle Geschichte. Doch hin und wieder findet sich noch ein Relikt aus alter Zeit. Hier haben wir den Kühlstollen einer kleinen Privatbrauerei aus Elberfeld, der im Krieg zum Luftschutz umgebaut wurde.

U-Verlagerung Trusche

 

Eine der damals wohl größten und bekanntesten Brauereien im Bergischen Raum, gegründet 1845 und 1853 sehr grosszügig auf einem Areal nah der City an einem Felshang neu erbaut.

Zu dieser Brauerei gehörten vier in den Berg getriebene Felsenkeller und grosse, mehrmals erweiterte Kelleranlagen zur Gärung. Als 1884 die mechanische Kühlung eingeführt wurde, verloren die Kühlstollen ihre Bedeutung und mit dem 1917 vollendeten Umzug des gesamten Betriebes gerieten sie für einige Jahrzehnte fast in Vergessenheit … bis sie im Zweiten Weltkrieg als wichtige unterirdische Produktionsstätten wiederentdeckt wurden.

Heute schlummern diese ehemaligen Felsenkeller ihren Dornröschenschlaf. Stollen Eins ist vermauert worden und Stollen Zwei wurde mit einer Betonplombe versehen. Somit sind diese beiden Stollen nicht mehr zugänglich.

Wir haben das grosse Glück, Stollen Drei, der auch dem Zivilen Luftschutz diente und Stollen Vier heute fotografisch dokumentieren zu dürfen.

Der alte Bahnhof

 

Irgendwo im Bergischen. Ein 1886 eröffneter und mittlerweile längst vergessener Bahnhof an einer seit 1979 stillgelegten Strecke. Die Gleise liegen noch, da sie unter Denkmalschutz stehen. Hier fährt kein Zug mehr ab, hier kommt kein Zug mehr an. 1971 kollidierten auf dieser Trasse zwei Züge. Bei dem bis dahin folgenschwersten Eisenbahnunfall der westdeutschen Nachkriegsgeschichte starben 46 Menschen, davon 41 Kinder.

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Ghost Town

 

Aufgereiht wie an einer Perlenschnur liegen in den sogenannten Wupperorten teils verwitterte Zeugnisse der einst bedeutenden Textilindustrie, historisch gewachsen mit unterschiedlichen Baustilen aus verschiedenen Epochen.
Ursprünglich hatte an der Wupper die Eisenindustrie mit ihren Hammerwerken ihre Heimat, bis sich die Textilindustrie ansiedelte. Zwischen 1815 und 1830 kaufte der Industrielle Adolf Bauendahl das Gelände auf, um hier eine Tuchfabrik zu betreiben. Lange hielt sich Bauendahls Tuchfabrik nicht, denn 1855 bereits wurde der Betrieb stillgelegt. Elf Jahre später erwarb die Firma Johann Wülfing & Sohn das Gelände, um die Fabrik zu einer Streichgarnspinnerei umzubauen. Um die Jahreswende 1883/84 scheiden Rudolf und Robert Hardt aus der Firma Johann Wülfing u. Sohn aus und übernehmen das bisherige Werk zusammen mit Theodor Pocorny unter dem neuen Firmennamen "Hardt, Pocorny & Co". Als erste Fabrik in Deutschland überhaupt, erhielt die Firma Hardt, Pocorny & Co im Jahr 1890 Glühlampenbeleuchtung, die die bis dahin gebräuchliche Gasbeleuchtung ablöste. Die 1921 gebaute Wehranlage an der Wupper mit zwei gewaltigen Turbinen zur Stromversorgung produziert auch heute noch Strom für das Netz der RWE.
Ebenfalls in weiten Bereichen noch erhalten, die ehemalige Textil- und Tuchfabrik Peter Schürmann & Schröder, direkt am Fluss gelegen, mit überdachtem Eingansbereich.
Seit der Schließung von "Hardt & Pocorny" im Jahr 1974 ist es in dem Wupperort sehr ruhig geworden …
 

Die Tuchfabrik

 

 1996 schloß die letzte Tuchfabrik im Tal der Wupper
 
Ein in Deutschland einzigartiges Industriedenkmal gibt es in Radevormwald-Dahlerau an der Wupper.
Es ist die ehemalige, dort über 180 Jahre lang produzierende Tuchfabrik "Johann Wülfing & Sohn", mit der aus einer Arbeitersiedlung entstandenen Ortschaft "Dahlerau". Das Unternehmen war eine der größten Textilfabriken Deutschlands und zugleich eine Welt für sich, mit Arbeiterwohnungen, Läden, Post und eigenem Bahnhof.
 
Es war die Wasserkraft der Wupper, die die schon 1774 in Lennep gegründete Firma Johann Wülfing & Sohn 1816 in die "Dahleraue" lockte. Damals gab es hier wenig mehr als ein stillliegendes Hammerwerk, das die Frma ankaufte. Mitte des 19. Jahrhunderts aber arbeiteten bereits 450 Menschen in Dahlerau, die Zahl stieg später auf rund 1.000 an. In den 20er-Jahren waren es 120 Webstühle, an denen das weltweit bekannte, hochwertige "Wülfingtuch" aus Kammgarnen, gemischt mit ebenso hochwertigen synthetischen Fasern produziert wurde. Auch in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Erfolgsgeschichte weiter. Bis zu 3,6 Millionen Meter Tuch verließen die Fabrik pro Jahr. Doch die Krise der deutschen Textilindustrie machte zuletzt auch vor dem schmiedeeisernen Werkstor am Wuppergraben nicht Halt. 1996 musste der Betrieb wegen zu hoher Produktionskosten schließen, der größte Teil des Maschinenbestands wurde nach China verkauft. Zurück blieb ein in Deutschland einzigartiges Gebäudeensemble.
 
Die Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn ist Geschichte. Nach der Überlieferung 1774 in Lennep gegründet, schloss sie 1996 für immer ihre Tore – als eines der letzten deutschen Opfer im Konkurrenzkampf der internationalen Textilindustrie. Geblieben sind die Gebäude der Fabrik. Sie zeugen von der früheren Größe und Bedeutung des Unternehmens. Seit 1997 pflegen die Mitglieder des Johann Wülfing & Sohn Museum e.V. die Erinnerungen an ihre „versunkene Welt“ und machen sie für Interessierte zugänglich.
Innerhalb des Ensembles der ehemaligen Tuchfabrik befindet sich ein Gebäude aus dem Jahre 1838, das bis zum Konkurs des Unternehmens das älteste in Betrieb befindliche Fabrikgebäude Deutschlands war. In unmittelbarer Nähe zur Fabrik baute das Unternehmen viele Werkswohnungen, so dass an dieser Stelle ein kleines Stadtviertel entstand. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Fabriksiedlung nicht nur einen Arzt, einen Kindergarten, ein Konsumgeschäft und eine Post, sondern darüber hinaus auch eine Schlachterei und eine zentrale Badeanstalt mit Duschen und Wannen.
 
Wegen der erheblichen Brandgefahr in den Produktionsstätten wurde in den Wülfingschen Betrieben schon sehr früh die elektrische Beleuchtung eingeführt. Der dazu notwendige elektrische Strom wurde mit Hilfe der im Unternehmen vorhanden Wasserturbinen und Dampfmaschinen sowie an die Transmissionen angeschlossenen Generatoren erzeugt. Der Überschuss an Drehstrom von bis zu 140 kW bei 5.000 Volt wurde in das im Aufbau befindliche Stromnetz abgegeben, das in der Zeit bis 1911 ebenfalls dem Unternehmen gehörte. Der Generator von 1903 diente bis 1946 zur Deckung des Eigenbedarfes und wurde dann stillgelegt. Er befindet sich immer noch am Originalstandort und produziert bei Vorführungen von einem Elektromotor angetrieben den elektrischen Strom für einige Glühlampen. Eine modernisierte Francis-Turbine von 1922 ist ebenfalls noch vorhanden, die innerhalb eines Laufwasserkraftwerkes etwa 250 kW leistet.

 In Dahlerau gibt es ein Museum, aber der Ort ist kein Museum. Die Gebäude aus Bruchstein und Ziegeln, die Hallen mit den typischen sägezahnartigen Sheddächern, die Schornsteine und Werkstätten, die stählerne Brücke – all dies war nicht nur bis 1996 buchstäblich noch "in Betrieb". Längst haben sich hier von der Motorradwerkstatt bis zum technischen Dienstleister zahlreiche neue Gewerbe angesiedelt. Und natürlich sind auch die eindrucksvollen alten Häuser nach wie vor bewohnt.

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Das Hume-Rohr

 

Auf der Seite des Herstellers ist zu lesen:

Die verpflichtende Tradition

Schon 1913 hatte der englische Ingenieur Hume ein Schleuderverfahren für Rohre entwickelt, das für die Betontechnologie neue Maßstäbe setzte. Kornaufbau und Gefüge entsprachen schon heutigem Standard.
Das Verfahren bewährte sich auf Anhieb, es wurden weltweit Lizenzen vergeben.
Als "erst" 1924 das Deutsche Reichspatent für "Hume-Röhren" erteilt wurde, waren in Nord- und Mittelamerika, Afrika und Australien schon über eine Million Meter Hume-Rohrleitungen in Betrieb.
Gegründet von den Charlottenburger Wasserbetrieben für die Versorgung des Berliner Großraums und wegen der guten Kiesvorkommen in Dobrilugk (heute Doberlug-Kirchhain) angesiedelt, trat das Hume-Rohr infolge seiner hohen Qualität bald seinen Siegeszug über ganz Deutschland an.

Wir fanden diese Splitterschutzzelle auf einem Bahnhofsgelände, direkt neben den Schienen der S-Bahn. Leider wird diese Zelle dort nicht mehr lange stehen. Das brachliegende Gelände wird zur Zeit komplett umgebaut.

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Vom Stiefeleisen zum Systemknoter

Das 2009 aufgegebene Fabrikgelände am Solinger Stöcken bildet mit einer Größe von rund 60.000 Quadratmetern heute die größte brachliegende Gewerbefläche der Stadt.

1827 gründete der Landwirt und Kleineisenschmied Peter Daniel Rasspe in Schulkohlfurt (Cronenberg, heute Wuppertal) eine Firma, die sich mit der Fabrikation von Stiefeleisen befasste. Unter Stiefeleisen sind Einfassungseisen für die Absätze von Stiefeln und Landarbeiterschuhen zu verstehen. Auch gewöhnliche Straßenschuhe wurden mit solchen Eisen versehen. Mehrere Schmiedebetriebe der Umgebung waren mit der Herstellung solcher Eisen befasst.

Sowohl die günstige Absatzsituation in den Jahren 1840 bis 1860 als auch verbesserte technische Verfahren (Gesenkschmieden), erforderten einen stetigen Ausbau der Fabrikationsräume und eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten. Anfang der 1860er Jahre reichten die Flächen des alten Standortes nicht mehr aus und man plante einen Fabrikneubau in städtischer, verkehrsgünstigerer Lage. Schließlich konnte man aber in Stöcken bei Solingen ein in Konkurs gefallenes Gut aus der engen Verwandtschaft günstig übernehmen, obwohl dieser Standort verkehrstechnisch keine Verbesserung darstellte. Aber hier waren genügend Reserveflächen zur Betriebserweiterung vorhanden.  Die Söhne Johann Abraham und Peter Isaak führten das Unternehmen zu einem der größten Industriekomplexe in Solingen – mit dem auf der ganzen Welt berühmten Markenzeichen, die „Pfeife“, das 1868 in das Mustergericht eingetragen wurde.

In den 1860er und 1870er Jahren wurde die Produktpalette auf Tafel- und Schlachtmesser, Sägen sowie Häcksel- und Rübenmesser ausgedehnt. Als die Industrialisierung fortschritt und Rasspe die Fertigung modernisierte und fabrikmäßig organisierte, mussten die Produktpalette und die Absatzmärkte erneut ausgedehnt werden, um die hohen, erforderlichen Investitionen tätigen zu können. So kamen planpolierte Kupfer- und Zinkplatten zum Angebot hinzu. Der Durchbruch kam jedoch erst, als Rasspe noch zusätzlich auf die Herstellung von Zubehör- und Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen umstellte. Das Sortiment stieg in den 1920er Jahren auf über 40 000 Produkte an, die bis 1958 über ein Werksgleis zum damaligen Solinger Nordbahnhof und von dort in die ganze Welt versandt wurden.

In den 1930er Jahren profitierte Rasspe von den Bemühungen des NS-Regimes, die landwirtschaftlichen Erträge durch Maschineneinsatz zu steigern. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bot die fortgesetzte Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft bis Anfang der 1960er Jahre der Firma Rasspe ein wachsendes Auskommen. So kamen 1962 noch Knoter für Hochdruckpressen zur Produktpalette hinzu.

Die Rationalisierungen der folgenden Jahre, ermöglicht durch den Einsatz von großen, leistungsfähigen Landmaschinen, ließ es bei Rasspe kriseln. In ernsthafte Schwierigkeiten geriet das Unternehmen, als immer mehr Konkurrenten dazu übergingen, für ihre Maschinen eigene Ersatzteile anzubieten. Die Zahl der Mitarbeiter fiel zwischen 1960 und 1998 von 1.000 auf 261, denn auch der Vertrieb neuer Produkte brachte keinen dauerhaften Erfolg. 1999 musste der Betrieb schließlich Insolvenz anmelden.

Der Baubestand der Fa. Rasspe spiegelt im beschriebenen Umfang mehrere Epochen Industriearchitektur wider.
Von der Reformarchitektur der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über die für die Epoche des Industriebaus des Dritten Reiches wichtigen Anlagenteile bis zu dem eher konservativen Bau der Verwaltung der Mitt-Zwanziger und zum Funktionsbau des Lagers sprechen die Bauwerke eine jeweils zeittypische, qualitätvolle Sprache. Die Industriebauepoche von 1900 bis zur Nachkriegszeit nach 1945 ist hier repräsentiert. Der Werkshof mit seiner vereinheitlichten Architektursprache kann als besonders qualitätvolles Beispiel einer Werksinnenbebauung gelten.

Revisit

 

 

Eine der ersten Gussstahlfabriken stand im Bergischen.

Der Neuenhammer im Eschbachtal wurde bereits Ende des 16. Jahrhunderts als Hammerwerk in Betrieb genommen. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Hasenclever mit seinem niederländischen Partner Burlage hier eine der ersten Gussstahlfabriken. Später siedelte sich dann die Firma Schulte hier an, die Kugeln und Rollen herstellte.
Weiter bergauf liegt der Luhnshammer, ein Hammer mit Schmiede aus dem 17. Jahrhundert. Vor wenigen Jahren war hier noch ein Kunstschmied tätig und man konnte die denkmalgeschützte Schmiede besichtigen. Die drei Kellershämmer wurden 1692 erstmals unter dem Namen "Kellnershämmer" urkundlich erwähnt, benannt nach ihrem Begründer, dem damaligen Kellner von Burg. Er führt Buch über die Mühlen, Schleifkotten und Hämmer im Herzogtum.
Die Kellershämmer haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Lange Zeit wurden sie von der Familie Hasenclever betrieben, dann von Steffens, der hier Maschinenmesser herstellte, später übernahm die das Alexanderwerk. Im Zweiten Weltkrieg musste das Alexanderwerk auf behördliche Anordnung die Kellershämmer wieder verkaufen, Rasspe wurde der neue Inhaber.
Nachdem Rasspe "auf Befehl von Oben" das Werk mit eigenem Bahnanschluss übernahm, wurden auch
diese zwei Werkluftschutzstollen in den Berg getrieben. Sie konnten jedoch nicht mehr vor Kriegsende fertiggestellt und miteinander verbunden werden.

Werkluftschutzstollen

 

Inmitten des Bergischen Städtedreiecks liegt dieser sehr gut erhaltene Werkluftschutzstollen eines ehemaligen Großbetriebes in der Felswand. Die Firma existiert schon seit langer Zeit nicht mehr, das Gelände liegt brach und idyllisch am Waldesrand. Kaum jemand verirrt sich in diese einsame Gegend und so bleibt dieser Stollen hoffentlich noch lange vor Vandalismus geschützt.

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