Flugplatz und Heinkel-Werke Oranienburg

Die ehemalige Start- und Landebahn wurde mit der Bundesstraße B96 überbaut. Das Flugplatzgelände dient als Industriegebiet und Solarpark.
Heute sind nur noch wenige Spuren der einstigen Heinkel-Werke Oranienburg vorhanden.

Der Flugplatz Oranienburg befand sich auf einem Gebiet nördlich von Berlin, das im Osten von Oranienburg und im Westen von Leegebruch begrenzt wird. Er wurde von 1936 bis 1939 erbaut und bis 1945 von den Heinkel-Werken Oranienburg als Werksflughafen und von der Luftwaffe der Wehrmacht genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die noch intakten Anlagen der Heinkel-Werke durch die sowjetische Besatzungsmacht fast vollständig demontiert. Die Start- und Landebahn des Werksflugplatzes wurde jedoch instandgesetzt und bis 1994 von den sowjetischen Luftstreitkräften als Militärflugplatz genutzt.

Die Heinkel-Werke Oranienburg (HWO, 1935–1948) waren in der Zeit des Nationalsozialismus ein bedeutender Rüstungsbetrieb. In dem im Wesentlichen von 1936 bis 1938 gebauten Werk wurden Kampfflugzeuge wie die Heinkel He 111, die Heinkel He 177 und die Junkers Ju 88 für die Luftwaffe gefertigt. Zum Werk gehörten auch die beiden neu errichteten Siedlungen Weiße Stadt in Oranienburg und Leegebruch. Zum 1. April 1943 änderte sich die Bezeichnung in Ernst Heinkel AG Werk Oranienburg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das eigentliche Werk bis auf den Werkflugplatz, eine Halle und kleinere Nebengebäude komplett abgetragen. Dort und teilweise in der Wohnsiedlung Weiße Stadt in Oranienburg errichtete die Rote Armee einen Militärflugplatz nebst Kaserne. Seit dem Abzug der sowjetischen Truppen wurde das Gelände Schritt für Schritt in eine zivile Nutzung überführt.

Übriggeblieben ist nur die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Einflughalle und einige Schallschutzwände.

Reichssportflughafen Rangsdorf – Bücker Flugzeugbau GmbH

Wer zufällig nach Rangsdorf kommt, ahnt erst mal nichts von seiner Geschichte und von dem Leben, das sich hier einst abgespielt hat. Vor 80 Jahren fuhren viele Berliner zum Arbeiten nach Rangsdorf, heute ist es umgekehrt. Die 10.000-Einwohner-Gemeinde, zehn Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze, ist ein ruhiger Ort, sieht man mal von dem nahe gelegenen südlichen Autobahnring ab. Hohe Bäume säumen die Straßen, es gibt einen wunderschönen See mit Vogelschutzgebiet und Strandbad. Das ist es dann auch schon mit den Sehenswürdigkeiten. Fast. Denn da gibt es noch ein 108 Hektar großes Areal, überwiegend Wiese mit ein paar verfallenen Gebäuden. Es ist umzäunt, das Tor verschlossen. Besuchen lässt es sich nur mit einer Sondergenehmigung – oder durch eines der Löcher im Zaun, aber das ist selbstverständlich nicht zulässig. Es ist aber auch nicht gerade einladend und ohnehin seit 1945 Sperrgebiet. Davor aber war das Areal neun Jahre lang einer der wichtigsten Flugplätze der Region.

Im März 1935 hatte eine Delegation die Wiesen und Felder zwischen der Bahnlinie und dem See begutachtet und für einen Flugplatz als geeignet erachtet. Kurz danach fiel im Reichsluftfahrtministerium die Entscheidung zum Bau und sofort begannen die Arbeiten. Schon im Herbst begann dann die Produktion von Flugzeugen in den Bücker-Werken, der Flugplatz selbst war im Juli 1936 fertig. Die ersten Flugzeuge konnten hier schon vor der offiziellen Eröffnung am 30. Juli landen – nach nur 14 Monaten Bauzeit.

Am 30. Juli 1936, am Vorabend der Olympischen Sommerspiele, wurde der Reichssportflughafen, so sein offizieller Name, mit dem „Internationalen Kunstflugwettbewerb um den Preis der Nationen“ eröffnet. Die Lage direkt am See ließ es zu, dass hier sowohl Land- als auch Wasserflugzeuge landen konnten. Später wurde der Flugplatz sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Hier war Sitz der Bücker Flugzeugbau GmbH, wo erst Sportflugzeuge, später vor allem Schulflugzeuge für die Luftwaffe gebaut und eingeflogen wurden. Fast 1000 Mitarbeiter arbeiteten in den Werken.

Und hier gab es eine Reichssportfliegerschule, in der auch Beate Köstlin Schülerin war. Am 7. August 1937 absolvierte die 17-Jährige den ersten Flug ihres Lebens und lernte nicht nur zusammen mit 59 Männern Wetter- und Motorkunde, sondern auch ihren Fluglehrer, Hans-Jürgen Uhse, kennen. Kurz nach Kriegsbeginn heirateten die beiden. Sie wurde Einfliegerin von Bücker und machte nach dem Krieg bekanntlich als Unternehmerin in einer ganz anderen Branche Karriere, er zog als Jagdflieger in den Krieg und kam 1944 bei einer Kollision mit einem anderen Flugzeug ums Leben.

Zum Flughafen gehörte auch noch der Aero-Club, entworfen von Ernst Sagebiel, dem Architekten, der auch Tempelhof gebaut hatte. Im Aero-Club traf sich am Wochenende die Berliner Prominenz aus Politik und Gesellschaft: Hermann Göring, Ernst Udet, Elly Beinhorn, Heinz Rühmann.

Ab Oktober 1939 war Rangsdorf sogar für ein halbes Jahr Verkehrsflughafen, weil befürchtet wurde, Tempelhof könne nach Kriegsausbruch bombardiert werden. Hier starteten und landeten nun die Verkehrsflugzeuge der Lufthansa, aber auch russische und schwedische Fluggesellschaften. Passagiere checkten bereits in Berlin, im Luftreisebüro in der Friedrichstraße, ein, dann wurden die Fluggäste mit einem Bus nach Rangsdorf gefahren. Am Vormittag wurde abgeflogen, am Nachmittag kamen die Maschinen wieder aus Wien, Rom, Sofia, Istanbul, Danzig oder Kopenhagen zurück. Doch die Luftangriffe auf Tempelhof blieben aus, und so richtig geeignet war Rangsdorf als Verkehrsflughafen wohl doch nicht. Hier gab es ja nicht mal eine befestigte Start- und Landebahn, sondern nur ein rundes Rasenfeld.

Ab 1940 diente Rangsdorf ausschließlich militärischen Zwecken und war nur noch Fliegerhorst. Am 20. Juli 1944 gegen 7 Uhr stieg Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinem Adjutanten in ein zweimotoriges Kampfflugzeug der Marke Heinkel HE 111 und flog nach Ostpreußen. Sein Ziel war die Wolfsschanze. In seiner Aktentasche hatte er zwei Sprengladungen. Die erste detonierte um 12.42 Uhr. Drei Stunden später landete Stauffenberg wieder in Rangsdorf und verkündete am Telefon: „Meine Herren, Hitler ist tot.“ Er war es nicht. Stauffenberg wurde noch am selben Tag festgenommen und kurz nach Mitternacht im Bendler-Block erschossen.

An den Widerstandskämpfer erinnert in Rangsdorf heute nur eine kleine Gedenktafel am Ufer des Sees. Und es gibt die Stauffenbergallee, eine Sackgasse. Überhaupt gibt es wenig Zeugnisse der vergangenen Ereignisse rund um diesen Flughafen. Die Sportfliegerschule und die Flugzeughallen am nördlichen Rand existieren nicht mehr, und auch die Ruinen hinter dem Tor am Ende der Straße verraten nicht gleich, dass sie einmal die Werks- und Einfliegerhallen der Bücker-Werke waren. Der Weg dahin führt links an alten, inzwischen restaurierten Werkswohnungen von Bücker vorbei, rechts erst an Plattenbauten, dann an ein paar neugebauten Einfamilienhäusern. Nur wer eine Genehmigung hat, dem öffnet der Wachschutz das Tor.

Nach der Jahrtausendwende wollte ein polnischer Investor die Bücker-Werke wiederbeleben und in eine der noch funktionstüchtigen Hallen des alten Werks die Endmontage der Bü 131 Jungmann verlegen. Es sollte eher eine Manufaktur als ein großes Werk werden. Bücker-Maschinen sind heute Oldtimer, die nachgebauten Flugzeuge sind nur etwas für betuchte Liebhaber. Doch das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Rangsdorfer. Der Investor blieb in Polen und baute die Bü 131 im schlesischen Jasienica. Nach seinem Tod bei einem Flugunfall wurde die Produktion 2006 wieder eingestellt.

Die Tierfutterfabrik

Die sogenannte Behrnsche Mühle ist seit 1992 leerstehend. Das ehemalige Kraftfuttermischwerk, eine markante städtebauliche Architektur, beschäftigte bis zu seiner Schließung 120 Arbeitskräfte. Bis zuletzt wurde das Werk mit modernen technischen Anlagen ausgestattet, von denen in den Ruinen jedoch nichts mehr vorhanden ist. Die Gebäude wurden von Metalldieben komplett entkernt.
Das Werk mit eigener Anlegestelle und Bahnanschlusz, wurde einst über den Schiffsverkehr und per Bahn mit Getreide versorgt und war somit auch für den Vertrieb verkehrstechnisch optimal angebunden

Karlshorsts vergessener Flughafen

Wilhelm von Siemens, der Sohn des bedeutenden Werner von Siemens, war einst neben derer von Treskow Besitzer des weitläufigen Areals. Weil Luftschiffe seinerzeit vor allem für den militärischen Einsatz gefragt waren, wandte sich der preußische Generaloberst Helmuth von Moltke (1848-1916) 1907 an Siemens mit der Bitte, sich bei der Produktion von Motorluftschiffen zu engagieren. Siemens ließ daraufhin vom Architekten Karl Janisch, dem Erbauer von Siemensstadt, eine drehbare Luftschiffhalle bauen – die erste ihrer Art weltweit. 1909 begann der Bau jener Halle, die 135 Meter lang, 25 Meter hoch und 25 Meter breit war. Je nach dem, wie der Wind stand, konnte die Halle so positioniert werden, dass ein- und ausfahrende Luftschiffe nicht durch Windböen beschädigt wurden. Denn genau das war das Problem der einst von Ferdinand Graf von Zeppelin konstruierten Luftschiffe. Ihr Korpus bestand aus Aluminium, das sich bei jeder kleinsten Kollision verbog. Bei den von den Siemens-Schuckert-Werken gebauten Luftschiffen jedoch setzte man auf eine Gummi-Konstruktion. 1911 ging das erste Exemplar auf eine Fahrt über den Dächern von Karlshorst. Die längste Strecke, die es zurücklegte, betrug 270 Kilometer ins thüringische Gotha. Flugzeit: 6 Stunden und 53 Minuten. Nach einem Umbau galt das Luftschiff als das schnellste seiner Art weltweit. Weil aber die Bedienung der Luftschiffe auf lange Sicht für die Angehörigen des Militärs zu kompliziert war, stellte man das Projekt 1912 ein – das Gelände aber wurde vom Militär weiter genutzt.

Das Ende des Luftschiffhafens war gleichzeitig der Anfang des Flughafens Karlshorst. Bereits seit 1916 landeten auf dem 154 Hektar großen Areal Doppeldecker. Auf Bestreben der Gemeinde Friedrichsfelde, zu der Karlshorst einst gehörte, kaufte man das Gelände und verpachtete es an die Militärverwaltung. Ab Herbst 1917 montierte man dort Flugzeuge und bildete Soldaten für die Luftbildfotografie aus. Mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Projekt eingestellt. Der Weiterbetrieb erfolgte durch die Sicherheitspolizei. Zudem wurde eine Fliegerstaffel für den Grenzschutz Ost in Karlshorst aufgestellt. Mit neun Flugzeugen versahen die einstigen Militärpiloten nun im Dienst der Polizei ihre Arbeit – bis auf der Grundlage des Versailler Vertrages der Flugbetrieb gänzlich eingestellt wurde. Nach nur vier Jahren Flugbetrieb dienten die Hallen sodann gewerblichen Mietern. Bis 2002 befand sich dort die Forschungsanstalt für Schiffahrt, Wasser- und Grundbau, die in der heutigen Bundesanstalt für Wasserbau aufgegangen ist.

Reste des alten Flughafens, der einst zur Gemarkung Biesdorf zählte, muss man nicht lange suchen: An der Köpenicker Allee ragen noch die Kuppeln der Flugzeughallen in den Himmel. Doch die denkmalgeschützten Gebäude sind in einem erbärmlichen Zustand. Mauern, Zäune und Stacheldraht versperren Neugierigen den Weg auf das Areal. Viel mehr als die Kuppelhallen ist nicht übrig von jenem Flughafen, der in der Zeit des Ersten Weltkrieges zunächst als Produktionsstandort für Luftschiffe und später vom Militär als Ausbildungsbasis für Luftbildfotografen genutzt wurde. Auf großen Teilen des einstigen Flughafens stehen seit Jahrzehnten Kleingartenanlagen.

Die Bärenquell-Brauerei

Dieser Ort war lange Zeit ein bedeutender Standort Berliner Brauereigeschichte. Wie viele andere Ortsteile in der Stadt, hatte auch Schöneweide seine eigene Brauerei.
Seit dem 19. Jahrhundert wurde hier Bier produziert. Zuerst Borussia Berlin,  danach Schultheiß und zu DDR Zeiten Produkte der VEB Berliner Brauereien. Zu dieser Zeit wurden die Anlagen weder optimiert noch modernisiert. Nach der Wende ging es weiter bergab.
1991 erwarb schließlich die hessische Henninger Bräu AG die Marke und führte die Produktion am Standort Niederschöneweide zunächst weiter fort. 1993 stellte die Henninger Bräu AG einen Bauantrag, für den einige historische Gebäude hätten weichen müssen, der vom Bezirksamt Treptow mit dem Verweis auf den Denkmalschutz abgelehnt wurde. Zum 1. April 1994 wurde schließlich die Bierproduktion ganz eingestellt. Lediglich der Vertrieb von Henninger blieb einige Jahre weiter am Standort.
Seitdem geht es mit den schönen, historischen Fabrikgebäuden der Brauerei in den Verfall. Da hilft auch kein Denkmalschutz. Vandalismusschäden,  Brandstiftungen und anderes Negatives schlägt auf das Gelände ein. Keiner investiert in das Objekt und hält es als Denkmal am Leben.
Wie lange
der Bau noch stehen wird, ist schwer zu sagen.  Ich würde mir einen Erhalt mit neuer Nutzung wünschen.
Teile wurden schon abgerissen …
Offensichtlich handelt es sich nun um ein Investitionsobjekt ohne Zukunft.

Das einstige Kabelwerk Köpenick

Neben den neuen Fabriken in Adlershof und Schöneweide wird im Jahre 1916 mit dem Bau des Kabelwerk Köpenick begonnen. 1926 folgte dann die Umbenennung der gesamten Firma in "C.J. Vogel Draht- und Kabelwerk AG".1939 übernimmt Siemens die Firma als "Fa. Elektrische Licht- und Kraftanlagen".
Schaut man von der benachbarten Salvador-Allende-Brücke herüber, sieht man nur noch eine grüne Wand. Bäume, Büsche, ein scheinbar undurchdringliches Dickicht am Ufer der Müggelspree. Durch die Wipfel blitzt ein angeschlagenes Gebäude auf. Kaputtes Dach, offene Fensterhöhlen –  und Wachdienst rund um die Uhr vor Ort. Seit 26 Jahren modert die Zweigstelle des VEB KWO (Kabelwerk Oberspree), in der einst 1600 Menschen arbeiteten, vor sich hin. Graffitisprayer haben
die entkernten Hallen, in denen einst Starkstrom- und Telekommunikationskabel hergestellt wurden, als illegale Galerie für sich entdeckt.

Das verwaschene Juwel

Besuch in einer untergegangenen Arbeitswelt.
Verloren in gigantischen Hallen: Wo einst bis zu 700 Mitarbeiter schufteten, herrschen heute Leere und Verfall in dem recht grossen Backsteinkomplex, der nicht allein wegen seines wohl einzigartigen Bahnanschlusses zur Legende wurde. Da es um die zuvor auf „freiem Feld“ gelegene Fabrik langsam eng wurde, fand man die Lösung in die Höhe zu bauen und konnte etwa 1900 das noch heute vorhandene Fabrikgebäude errichten. Der Bau war 85m lang, fünf Stockwerke hoch und besaß dort im fünften Stockwerk einen Eisenbahnanschluss. Heute sind davon nur noch Reste der Gleisbefestigungen zu sehen und die Gebäude beeindrucken vor allem durch die schieren Ausmaße der weitgehend leeren Hallen. Dass nach dem Ende der Produktion der morbide Charme der Fabrikgebäude eine ganz andere Nutzung zugelassen hat, zeigt an der Fassade der verblasste Schriftzug „A. Willis Export“. Er erinnert an Szenen
eines Films, die hier 2008 in den da schon mittlerweile seit sieben Jahren leerstehenden Gebäudeteilen gedreht wurden.

1869 wurde im Schwarzbachtal Deutschlands erste elektrisch betriebene und damit zur damaligen Zeit wohl größte Seifenfabrik Deutschlands gegründet. 1900 wurden die drei größten Siedekessel Deutschlands betrieben, sie hatten ein Fassungsvermögen von 300.000 Kilogramm. Für die Wohngegend war das zunächst kein Segen. Die tierischen Fette (Tran, Talg, Knochenfett), die bei der Produktion verarbeitet wurden, waren in der Umgebung deutlich wahrzunehmen. Auch wenn im Laufe der Jahrzehnte Ersatzstoffe bei der Produktion zum Einsatz kamen, so dass die Ausdünstungen der Firma angenehmer rochen, blieb die Umgebung über lange Jahre kein beliebtes Wohngebiet. Noch in den Jahren 1977 bis 1980 gab es, wie man Protokollen der Bezirksvertretung entnehmen kann, stetigen Ärger durch Geruchsemissionen.

Ehemaliges Zementwerk

Bereits im Jahre 1900 gründete C. O. Wegener an diesem Standort das Rüdersdorfer Portland Zementwerk. Der Zement wurde in einem hochmodernen, aber extrem gefährlichen Drehrohrofen gebrannt. 1939 erwarb die Preussag das Gelände. Unter Verwendung der noch bestehenden Drehrohröfen stellte man ab 1944 kriegswichtiges, synthetisches Bauxit her.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk von den sowjetischen Besatzern komplett demontiert. Ab 1950 begann man allerdings, die leerstehenden Hallen erneut zu nutzen. Die Anlage mitsamt ihren Drehrohröfen erhielt den Namen „VEB Glühphosphatwerk Rüdersdorf“ und diente nun der Herstellung von Futterphosphat. Dieses Düngemittel besaß die höchste Güteklasse und wurde unter dem Namen „Rükana“ als Devisenbringer vermarktet. Um dieses Geschäft wirklich lukrativ ausüben zu können, wurden 1972 zwei neue, 100m lange Drehrohröfen in Betrieb genommen. Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde auch das langsame Ende der nun dem „VEB Chemiewerk Coswig“ untergeordneten Fabrik eingeleitet. Sinkende Absatzzahlen und zwielichtige Investoren ließen die Belegschaftszahlen stetig von einst 250 auf zum Schluss nur noch 30 Mitarbeiter sinken. 1999 schlossen sich die Tore des Werks endgültig.
In der mehr als 100m langen und ca. 25m hohen Haupthalle thronen noch immer schwere Tanks auf ihren Fundamenten. Von hoch oben schallt das Geklapper der Dachfenster in die Welt hinaus. Die riesigen Wände der Halle wirken massiv. An einigen Stellen bricht rostiger Stahl aus tonnenschweren Betonklötzen. Im Hintergrund der Halle, fast schon barock wirkend, reihen sich die Türme einer uralten Schachtturmbatterie aneinander.

Selbst Hollywood konnte sich dieser einzigartigen Kulisse nicht entziehen. Wir betreten nun die Originaldrehorte von „Inglourious Basterds“, „Monuments Men“ und „Enemy at the Gates“. Auch Rammstein und andere Bands nutzten die einzigartige Endzeitstimmung dieses steinernen Kolosses für ihre Musikvideos.

Von den einst über vierzig Gebäudeteilen sind nicht mehr viele vorhanden … aber dieser übriggebliebene Komplex zog mich in seinen Bann und das Innere der Hallen umhüllte mich mit seiner verwunschenen Atmosphäre.

Die Kleiderkammern des „Föhrers“

Langsam fahre ich an einer schmutzig-grauen Mauer entlang. Dahinter: eine Brache mit Büschen und Bäumen. Einen knappen Kilometer lang ist die Mauer, das riesige Gelände dahinter gehört zum ehemaligen Heeresbekleidungshauptamt der Wehrmacht – das Gebäude ist von der Straße aus durch das Gestrüpp kaum zu sehen.

Einem Trampelpfad folgend geht es hinein ins Dickicht. Mittendrin steht ein gewaltiger Klinkerbau. Kasernenartig, dreigeschossig plus Satteldach aus Beton. Die Steine in den Wänden sind teilweise herausgefallen, die meisten Fenster eingeschlagen, Türen stehen offen.

Eine steile Treppe führt nach oben. In jedem Stockwerk gibt es Flure mit unzähligen Räumen. Während des Krieges arbeiteten hier rund 1.300 Mitarbeiter, um die Uniformen der Wehrmacht herzustellen und zu lagern.

Bis Anfang der 90er Jahre diente der Komplex als Versorgungsdepot der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und steht nun seitdem leer: Bäume wachsen aus dem Dach, drinnen ist der Boden übersät von Glasscherben, Graffiti an den Wänden, irgendwo ein altdeutscher Schriftzug: "Rauchen verboten". Unter dem Dach haben sowjetische Soldaten wohl einst Basketball gespielt. Man erkennt es an der alten Feldmarkierung auf dem nackten Betonboden.

Die Wehrmacht unterhielt von 1938 bis Kriegsende in Bernau ein Heeresbekleidungshauptamt und ein Nebenamt. Hier wurden Uniformen Stiefel und weitere Ausstattungsgegenstände für alle Waffengattungen hergestellt und gelagert.

Nach dem Krieg nutzte die damalige sowjetische Armee (später GSSD) den Komplex als Nachschub- und Versorgungsdepot. Neben der Lagerung von Uniformen und Zubehör wurden eine Näherei und eine chemische Reinigung betrieben.

Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1991 vom Gebiet der ehemaligen DDR verfällt das als Sperrgebiet ausgezeichnete und bewachte Gelände.

AvB

… und während um uns herum alles in sich zusammenbrach, zog lautlos, ohne musikalische Begleitung, eine ausschweifend tanzende Staubsaugerpolonaise durch das bizarre Inferno.

Zu Gast in den ehemaligen und mittlerweile stark einsturzgefährdeten Produktionshallen eines Draht- und Drahtseilherstellers.

Bergwerk Friedrich Heinrich / Schacht 3 (Norddeutschland)

Mit dem Abteufen von Schacht 3 wurde 1927 das Feld Norddeutschland erschlossen. 1931 wurde das Feld Norddeutschland von der Aktiengesellschaft Friedrich-Heinrich übernommen – Schacht Norddeutschland hatte in diesem Jahr eine Teufe von 381m, desweiteren erfolgte ein Durchschlag zum Feld Friedrich-Heinrich. Von 1938 bis 1940 erfolgten weitere Teufarbeiten bis auf 474m – es dauerte jedoch bis 1960, bis Schacht Norddeutschland bis zur 3. Sohle in Betrieb genommen wurde. Bis 1985 erfolgten immer wieder Teufarbeiten, bis letztendlich 1988 der Anschluss an die 1000m Sohle erfolgte. Schacht Norddeutschland war bis 2007 als Seilfahrts- und Wetterschacht des Bergwerks Friedrich-Heinrich in Betrieb – 2007 wurde der Schacht abgeworfen und verfüllt.

 

(Text von Ingo, Fotografien von mir – Kaffee und Brötchen von der Tanke …)

Schacht 1 & 2 der Zeche Rossenray

Die Planungen und einige wenige Vorbereitungen im Hinblick auf die Zeche Rossenray erstreckten sich von Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1943 – erst dann wurden die Teufarbeiten zu Schacht Rossenray 1/2 aufgenommen. Das Ende des 2. Weltkriegs unterbrach die Arbeiten erneut – die Gewerkschaft Rossenray wurde liquidiert.

1957 wurden die Teufarbeiten zur Zeche Rossenray 1/2 erneut aufgenommen – 1963 wurde die Endteufe beider Schächte erreicht. 1969 erfolgte die Zusammenlegung der Direktionen Pattberg und Rossenray – 1971 folgte die Werksdirektion Rheinpreussen 5/9 in den Verbund und es enstand das Verbundbergwerk Rheinland. Die Übernahme der Förderung von Rossenray durch Friedrich Heinrich 1990 kann als Grundstein zum 1993 entstandenen Verbundbergwerk Friedrich Heinrich/ Rheinland angesehen werden. 2003 wurde der Bergwerksverbund in Bergwerk West umbenannt – das Bergwerk West umfasste in den letzten Betriebsjahren  nur noch die Friedrich Heinrich Schächte 1, 2 und 4 sowie die Rossenray Schächte 1 und 2.

Das Verbundbergwerk West wurde im Dezember 2012 stillgelegt.

 

(Text von Ingo, Fotografien von mir – Burger und Kaffee von BK)

Bergwerk West – Friedrich Heinrich

Der Name der Zeche basiert auf die 1862 an den Freiherr von Diergardt verliehenen Grubenfelder Friedrich und Heinrich – die Vornamen des Freiherrn von Diergardt. Im Jahr 1907 wurden die Teufarbeiten zur Zeche Friedrich Heinrich aufgenommen – Schacht 2 erreichte 1910 das Karbon, Schacht 1 1911. Im Jahr 1912 ging die Zeche Friedrich Heinrich in Betrieb – Schacht 1 fand Verwendung als Förderschacht, während Schacht 2 als Wetterschacht diente. Ebenfalls 1912 wurde auf dem Gelände des Bergwerks eine Kokerei erbaut.

1927 wurde mit den Teufarbeiten von Schacht 3 das Feld Norddeutschland erschlossen, welches 1931 von Friedrich Heinrich übernommen wurde. 1943 begannen im Feld Humboldt die Vorbereitungen zum Abteufen der Schächte 4 und 5, welche jedoch durch Kriegswirren bis auf Weiteres ausgesetzt werden mussten. Nach dem Wiederaufbau der durch Kriegseinwirkungen zerstörten Tagesanlagen konnten die Förderung sowie die Koksproduktion wieder aufgenommen werden. Das alte Fördergerüst über Schacht 1 wurde 1956 durch eine moderne Turmförderanlage mit Skipgefässen  ersetzt, zudem wurde mit den Teufarbeiten für Schacht 4 begonnen. Die vor dem Krieg an dieser Stelle geplante eigenständige Doppelanlage 4/5 war somit hinfällig.

1970 wurde die Zeche Friedrich Heinrich in die 1968 gegründete Ruhrkohle AG eingegliedert – das Bergwerk gehörte somit zur Bergbau AG Niederrhein. 1978 erfolgte in Folge einer Kapazitätsanpassung zur Koksproduktion der RAG die Stillegung der Kokerei. Ab 1990 gab es einen Förderverbund zwischen Friedrich Heinrich und den Zechen Rheinland und Rossenray. Der endgültige Zusammenschluss mit dem Verbundbergwerk Rheinland zum Verbundbergwerk Friedrich Heinrich/ Rheinland folgte 1993. Die Förderung der Baufelder kam auf Friedrich Heinrich zu Tage – in Folge dessen wurden die Förderanlagen des Bergwerks Rheinland bis auf Rheinpreussen 8 und 9 stillgelegt. Ab 2002 erhielten die verbliebenen Förderstandorte im Verbund mit Hauptförderstandort Friedrich Heinrich den Namen Bergwerk West.

Die Stillegung des Verbundbergwerks West erfolgte im Dezember 2012.

 

(Text von Ingo, Fotografien von mir – Kaffee und Brötchen von der Tanke)

Zeche Ewald

Die Anfänge des Bergwerksunternehmens gehen zurück auf die am 14. November 1871 in Herten gegründete Gewerkschaft Ewald, die nach dem Essener Gewerken Ewald Hilger benannt wurde. Als weiterer Namensgeber für die am 12. März 1872 in Recklinghausen gegründete Gewerkschaft König Ludwig fungierte der Bayernkönig Ludwig II. Die Gewerken drückten hiermit ihren Dank aus, daß Ludwig II. Wilhelm I. zur Übernahme der Kaiserkrone bewogen hatte.

1871 – Konsolidation der Grubenfelder Professor, Augusta, Emilie, Gottfried und Jobst zum Bergwerk Ewald und Gründung der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald zu Herten in Westfalen durch die Essener Gewerken Wilhelm Hagedorn, Ewald Hilger, Hugo Honigmann, Dr. jur. Karl Heyden und Wilhelm Schürenberg

1872 – Umbenennung der Zeche Ver. Henriettenglück in König Ludwig und Gründung der Gewerkschaft König Ludwig; erster Grubenvorstand: Friedrich Funke, Friedrich Grillo, Wilhelm Hagedorn, Wilhelm Heyland, Ewald Hilger, Josef Tillmann

1898 – Erwerb der markscheidenden 13 Felder der Zeche Prinz Friedrich Karl I-XIII der Gewerkschaft Henrichenburg

1899 – Ankauf der vier Geviertfelder des Steinkohlenbergwerks Graf Waldersee und des Geviertfeldes Vereinigung I

1900 – Vereinigung dieser mit dem Geviertfeld Ewald-Fortsetzung

1902 – Übergang der Kuxenmehrheit der Gewerkschaft der Zeche Haus Aden auf die Gewerkschaft Ewald

1903 – Auflassung des Steinkohlenbergwerks Ewald-Fortsetzung auf die Gewerkschaft Ewald

1905 – Konsolidierung des Bergwerks Henrichenburg mit der Gewerkschaft König Ludwig

1914 – Ankauf der Reederei und Kohlengroßhandlung Winschermann & Co. in Mülheim (Ruhr) bzw. Duisburg-Ruhrort

1925 – Erwerb der Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Blankenburg und Ver. Hammerthal, Stilllegung der beiden Zechen

1930 – Ankauf von 280 Kuxen der Gewerkschaft König Ludwig, gemeinsame Leitung beider Gewerkschaften

1932 – Erhöhung der Beteiligung auf 504 Kuxe

1935 – Verschmelzung der bisherigen Gewerkschaften Ewald und König Ludwig und Gründung der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig

Eine entscheidende Wendung nahm die Geschichte des Unternehmens, als die Bergbau-AG Ewald-König Ludwig am 1. April 1940 dem Verkaufsverein Steinkohlengewerkschaft der Reichswerke Hermann Göring/Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb beitrat. Daraus resultierte die Zugehörigkeit der Gesellschaft zum Reichswerke-Konzern.

Da die Nachfolgegesellschaft der Reichswerke, die Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe, Berlin und Salzgitter, rund 90 % des Aktienkapitals der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig besaß, genehmigte die Hauptversammlung des Bergbauunternehmens 1956 den Abschluss eines Organschaftsvertrages mit der Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe.

Drei Jahre später, am 14. November 1959, wurde der Name der Gesellschaft in Ewald-Kohle AG geändert. Ihre Bergbaubetriebe gliederten sich nunmehr in die Bergwerksdirektion Ewald mit der Zentralschachtanlage Zeche Ewald 1/7 in Herten und der Zeche Ewald 3/4 in Gelsenkirchen-Buer-Resse, in die Bergwerksdirektion Ewald-Fortsetzung mit der Zentralschachtanlage Zeche Ewald-Fortsetzung 1/5 in Oer-Erkenschwick, in die Bergwerksdirektion König Ludwig mit der Zentralschachtanlage Zeche König Ludwig 7/8 in Recklinghausen-Suderwich sowie den Schachtanlagen König Ludwig 1/2 und Grullbad-Schacht in Recklinghausen-Süd.

Die fast 100-jährige Geschichte des Unternehmens endete nach der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) am 27. November 1968 mit der Übernahme in die Bergbau AG Essen (17. November 1969) und nach deren Auflösung in die Bergbau AG Herne-Recklinghausen (1. Januar 1972).

In den Jahren 1972 bis zur Schliessung 2000 erfolgten noch mehrere Zusammenlegungen der Zeche Ewald mit den Zechen Schlägel und Eisen sowie Zeche Hugo.

 

Zu den Fotos

Zeche Schlägel & Eisen

Die 126-jährige Tradition des Bergwerks Schlägel und Eisen endete mit der Stillegung im Jahr 2000 – ein Grossteil der Tagesanlagen der ehemals 8 Schächte umfassenden Anlage ist eingeebnet. Ein Gebäudeensemble um Schacht 3 ist erhalten, einige Bauwerke am Standort 5/6, sowie der Gebäudebestand an Schacht 8 werden saniert und einer Nachnutzung zugeführt. Alles in Allem ein trauriger Rest der Zeche Schlägel & Eisen – auf Hochglanz saniert ein lustiger Spielplatz, der nicht ansatzweise die niedergegangene Bergbautradition im Ruhrgebiet wiederspiegelt.

 

Text von Ingo, Fotografien von mir – Brötchen und Kaffee von der Tanke

Schacht 3 Zeche Ewald Fortsetzung – Bergwerk Blumenthal-Haard

Das Bergwerk, anfangs Graf Waldersee, später Ewald Fortsetzung genannt, ging 1902 in Förderung. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Zeche weiter ausgebaut. Auf dem Gründungsareal nahe des Ortszentrums entstand die Anlage Ewald Fortsetzung.

1902 wurde mit dem Abteufen von Schacht 3 begonnen, der 1904 mit einem Deutschen Strebengerüst in Betrieb ging.

In den 1930er Jahren führten Absatzschwierigkeiten infolge der Weltwirtschaftskrise dazu, dass Ewald Fortsetzung von 1931 bis 1938 stillgelegt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fördermenge auf das bis dahin höchste Jahresergebnis gesteigert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Förderung von Steinkohle bei knapp 4.500 Beschäftigten um eine Million Tonnen.

1969 wurde die Zeche Ewald Fortsetzung mitsamt Kokerei in die neugegründete Ruhrkohle AG eingegliedert. Die höchste Förderleistung der Zeche wurde 1974 mit knapp 1,47 Millionen Tonnen erreicht. 1975 erfolgte ein Durchschlag zur Zeche General Blumenthal.

Am 1. Oktober 1992 wurde die Zeche Ewald Fortsetzung mit der Zeche General Blumenthal zum Bergwerk Blumenthal/Haard zusammengelegt. Die Schächte 1/2/3 sowie 4/5 wurden als Bergwerk Haard weitergeführt.

1997 wurde Schacht 2, 1999 die Schächte 1, 3, 4 und 5 verfüllt. Im Anschluss daran erfolgten die Abrissarbeiten.

Übriggeblieben sind die Verwaltungs- und Sozialgebäude, wodurch das Erscheinungsbild der Straßenfront in etwa erhalten blieb. Von den eigentlichen Betriebsanlagen blieb der Schacht 3 mit einem Deutschen Strebengerüst und der Schachthalle erhalten. Er soll noch restauriert werden und ist nicht frei zugänglich. Das restliche Gelände ist abgeräumt und liegt brach. Daran wird sich mittelfristig wohl nicht viel ändern.

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Re-Visit bei Sonnenschein

Zeche Westerholt – Bergwerk Lippe

1907 wurde in Gelsenkirchen mit dem Abteufen der Schachtanlage Westerholt 1/2 begonnen – 1910 wurden deutsche Strebengerüste über den Schächten errichtet und die Zeche Westerholt nahm den Betrieb auf. 1912 erfolgte die Inbetriebnahme einer Kokerei.

1927 ging die Zeche Westerholt in den Besitz der Hibernia AG über, 1929 wurde die Kokerei erweitert. 1930 wurde in der Nachbarschaft der Zeche Westerholt das Baufeld Polsum erschlossen und sollte mit einem Doppelschacht eigenständig in Betrieb gehen – 1941 wurden die Teufarbeiten zum ersten Förderschacht Polsum 1 aufgenommen. Durch die Kriegsereignisse kamen die Arbeiten an Polsum 1 1943 zum erliegen – nach dem Krieg wurde das Baufeld Polsum der Zeche Westerholt angeschlossen, der Schacht Polsum 1 ging als Nebenschacht von Westerholt 1949 in Betrieb.

1952 wurde westlich der Zeche Westerholt die Kokerei Hassel errichtet, 1953 erfolgte nach Inbetriebnahme von Hassel der Abbruch der alten Kokerei Westerholt. 1956 wurde auf dem Gelände der alten Kokerei mit den Arbeiten am Zentralförderschacht 3 begonnen – ausgerüstet mit Gestellförderung ging das Schwestermodell des Schachtes General Blumenthal 11 1961 in Betrieb.

1969 folgte die Übernahme der Zeche Westerholt in die Ruhrkohle-AG. 1968 wurdeSchacht Altendorf im Baufeld Polsum niedergebracht – 1970 wurde der Schacht Altendorf in Betrieb genommen. 1980-81 wurde das Baufeld Polsum durch den Schacht Polsum 2 weiter erschlossen. 1987 bis 1991 wurde Schacht 1 als zentraler Seilfahrts- und Materialschacht tiefer geteuft und mit einem neuen Förderturm überbaut.

1998 nach der Übernahme durch die Deutsche Steinkohle AG erfolgte die Zusammenlegung der Bergwerke Westerholt und Fürst Leopold zum Bergwerk Lippe.

Mit dem Bergwerk Lippe schloss 2008 das letzte fördernde Steinkohle-Bergwerk in Gelsenkirchen.

Text von IngoFotografien von mir – Catering von McD

Re-Visit

Krebsholl

 

1833 als Tuchfabrik errichtet, wurde das Industriegebäude 1898 in eine Papierfabrik für Fahrkartenkarton und Tapetenpapier umgewandelt. Zu der Betriebsausstattung gehörten zwei Rundsiebmaschinen, eine Längssiebmaschine und eine 650 PS starke Tandemdampfmaschine der Firma MAN zum Antrieb der Papiermaschinen. Die Elektrifizierung der Fabrik erfolgte 1912. Es wurde eigener Strom durch ein Dampfturbinenaggregat erzeugt, das wohl zu den ersten in Deutschland zählen dürfte. Das Hauptaugenmerk der Firma ab 1927 war die Produktion von Papiersäcken für Zement, der zuvor üblicherweise in 100 kg Fässern transportiert wurde. In Zusammenarbeit mit Maschinenbauern wurden Prüf- und Fertigungsmaschinen für die Säcke entwickelt, die im Zweiten Weltkrieg massenhaft für rüstungstechnische Baumaßnahmen benötigt wurden. Auch in der Nachkriegszeit war der Bedarf an Zementsäcken enorm, so dass die britischen Besatzer 1948 die Erlaubnis für die Wiederaufnahme der Produktion erteilten. 1952 wurde die Dampfturbine durch eine neue der Firma AEG ersetzt. Die Produktion wurde Ende 1970 eingestellt, seitdem verfallen die Gebäudetrakte.

Re-Visit

Reste der ehemaligen Glashütte

Viel steht hier nicht mehr auf dem riesigen Areal der 1864 gegründeten Glashütte. Im Jahre 2005 wurde die Produktion auf dem Gelände des ehemals weltgrössten Flaschenproduzenten eingestellt und 2009 begannen die Abrissarbeiten der Produktionshallen. Übriggeblieben sind drei Industriebauten, die unter Denkmalschutz stehen: der markante Glasturm, Wahrzeichen der alten Glashütte mit dem blauen, gekrönten G, ein Kesselhaus und die ehemalige Elektrozentrale.

Unter dem Westpark

 

Das ehemalige Stahl- und Hüttenwerk Rheinhausen
 

Nach der Stilllegung der Produktion wurden fast alle Gebäude abgerissen, zurück blieb eine dicht mit Spontanvegetation überzogene Industriebrache. Oberirdisch deuten heute nur noch das Colosseum, die Jahrhunderthalle, zwei Kühltürme und der Wasserturm darauf hin, dass im heutigen Westpark einmal das Stahl- und Hüttenwerk Rheinhausen stand. Hier wurden 160 Jahre lang Stahlprodukte von der Kirchenglocke über Kanonen bis hin zum ICE-Radreifen hergestellt. 1968 wurden die Hochöfen stillgelegt und 1985 ebenso das Stahlwerk.

Der entscheidende Schritt in die Rüstungsproduktion erfolgte schon 1863 durch die Genehmigung der Generalversammlung, das Hammerwerk 2 und die Kanonenwerkstatt zu bauen. 1866 begann die Produktion mit 100 Gußstahlgeschützen für die Königliche Bayrische Regierung.

Eine erwähnenswerte Besonderheit war die Schlackenbeseitigung im Gußstahlwerk. Diese wurde unterirdisch angelegt und konnte mit Zügen befahren werden. Man kann noch die Gleise teilweise erkennen, auf welchen die Wagen zum Abtransport der Schlacken unter den Siemens Martin Öfen fuhren. Die Entsorgung noch heißer Schlacken ist besonders wichtig, damit der Produktionsablauf nicht gestört wird. Durch die Verlagerung in den Untergrund ersparte man sich den zusätzlichen Platzbedarf vergleichbarer Werke. Die komplett unterirdische Schlackenabfuhr wurde um 1934 im Rahmen der großen Umbaumaßnahmen geschaffen. Gleichzeitig wurden in diesem Bereich bombensichere Luftschutzräume hergerichtet. Normale Hochbunker sucht man hier vergeblich. Fast der gesamte bauliche Luftschutz wurde in oder unter die Erde gelegt. Ein einziger Bunker (Luftschutz-Befehlsstelle mit Warnzentrale) war zumindest teilweise oberirdisch und hatte ein Erdgeschoß. Alle anderen LS-Anlagen bestanden aus stark verstärkten LSR in den Kellern, aus Deckungsgräben, aus Stollenanlagen und Tiefbunkern.

Ein weit verzweigtes System von Gängen und Tunneln, die während der Bombenangriffe auf Bochum auch als Bunker genutzt wurden, führte zur eigentlichen, so genannten Schlackenbahn. Unterirdisch gelegen, grenzt an die ehemalige Schlackenbahn auch der ein oder andere Bunkerraum. Heute deutet oberirdisch nichts mehr auf die noch erhaltenen Anlagen hin.

Durch die Stillegung und den Abriss vieler Bauwerke wurden manche verbliebenen unterirdischen Bereiche (meist Kelleranlagen) erst einmal dem Auge entzogen und vergessen …

Zu den Fotos

Zwieback und Kekse

 

Wer an Zwieback denkt, denkt an „Brandt“ und das lächelnde Kind auf der orangefarbenen Packung.

Eines der bedeutendsten Unternehmen der deutschen Dauerbackwarenindustrie ist die Firma Brandt Zwieback-Biskuits-GmbH. Sie wurde 1912 von Carl Brandt als Zwieback- und Keksbäckerei gegründet und erhielt zunächst den Namen "Märkische Zwieback- und Keksfabrik". Ziel des Gründers war es, den Zwieback bei rationeller fabrikmäßiger Herstellung, günstigem Preis und bestmöglicher Qualität zu einem Volksnahrungsmittel zu entwickeln. Diese Betriebsphilosophie zeigte schnell Erfolge. Aus der Anfangsbelegschaft von 6 Personen entstand innerhalb weniger Jahrzehnte ein Unternehmen mit zeitweise über 2000 Beschäftigten. Neben Zwieback und Keksen kam schnell noch ein drittes Standbein, Waffeln, hinzu. 1933 wurden große Fabrikgebäude aus Backstein errichtet, die heute noch ortsbildprägend sind. 90 Jahre nach der Gründung wurde die gesamte Produktion aus dem Stammwerk nach Ohrdruf (Thüringen) verlegt.

Durch den steuersubventionierten Umzug wurden fast 500 Mitarbeiter arbeitslos. Im Jahr 2002, dem 90-jährigen Firmenjubiläum, weihte Brandt sein neues Zwieback-Werk in Ohrdruf, Thüringen, ein. Der letzte Zwieback im alten Werk lief am 5. Dezember 2003 vom Band. Von den 500 Mitarbeitern zogen nur vier mit nach Ohrdruf. 180 neue Mitarbeiter wurden dort eingestellt. Durch den Neuaufbau der Produktion hatte Brandt ein Jahr lang Probleme mit der Qualität, die nur aufgrund des Bekanntheitsgrads des Produktes nicht zum Niedergang der Firma führten.

Fotogalerie I

Fotogalerie II

Fotogalerie III

Ghost Town

 

Aufgereiht wie an einer Perlenschnur liegen in den sogenannten Wupperorten teils verwitterte Zeugnisse der einst bedeutenden Textilindustrie, historisch gewachsen mit unterschiedlichen Baustilen aus verschiedenen Epochen.
Ursprünglich hatte an der Wupper die Eisenindustrie mit ihren Hammerwerken ihre Heimat, bis sich die Textilindustrie ansiedelte. Zwischen 1815 und 1830 kaufte der Industrielle Adolf Bauendahl das Gelände auf, um hier eine Tuchfabrik zu betreiben. Lange hielt sich Bauendahls Tuchfabrik nicht, denn 1855 bereits wurde der Betrieb stillgelegt. Elf Jahre später erwarb die Firma Johann Wülfing & Sohn das Gelände, um die Fabrik zu einer Streichgarnspinnerei umzubauen. Um die Jahreswende 1883/84 scheiden Rudolf und Robert Hardt aus der Firma Johann Wülfing u. Sohn aus und übernehmen das bisherige Werk zusammen mit Theodor Pocorny unter dem neuen Firmennamen "Hardt, Pocorny & Co". Als erste Fabrik in Deutschland überhaupt, erhielt die Firma Hardt, Pocorny & Co im Jahr 1890 Glühlampenbeleuchtung, die die bis dahin gebräuchliche Gasbeleuchtung ablöste. Die 1921 gebaute Wehranlage an der Wupper mit zwei gewaltigen Turbinen zur Stromversorgung produziert auch heute noch Strom für das Netz der RWE.
Ebenfalls in weiten Bereichen noch erhalten, die ehemalige Textil- und Tuchfabrik Peter Schürmann & Schröder, direkt am Fluss gelegen, mit überdachtem Eingansbereich.
Seit der Schließung von "Hardt & Pocorny" im Jahr 1974 ist es in dem Wupperort sehr ruhig geworden …
 

Die Tuchfabrik

 

 1996 schloß die letzte Tuchfabrik im Tal der Wupper
 
Ein in Deutschland einzigartiges Industriedenkmal gibt es in Radevormwald-Dahlerau an der Wupper.
Es ist die ehemalige, dort über 180 Jahre lang produzierende Tuchfabrik "Johann Wülfing & Sohn", mit der aus einer Arbeitersiedlung entstandenen Ortschaft "Dahlerau". Das Unternehmen war eine der größten Textilfabriken Deutschlands und zugleich eine Welt für sich, mit Arbeiterwohnungen, Läden, Post und eigenem Bahnhof.
 
Es war die Wasserkraft der Wupper, die die schon 1774 in Lennep gegründete Firma Johann Wülfing & Sohn 1816 in die "Dahleraue" lockte. Damals gab es hier wenig mehr als ein stillliegendes Hammerwerk, das die Frma ankaufte. Mitte des 19. Jahrhunderts aber arbeiteten bereits 450 Menschen in Dahlerau, die Zahl stieg später auf rund 1.000 an. In den 20er-Jahren waren es 120 Webstühle, an denen das weltweit bekannte, hochwertige "Wülfingtuch" aus Kammgarnen, gemischt mit ebenso hochwertigen synthetischen Fasern produziert wurde. Auch in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Erfolgsgeschichte weiter. Bis zu 3,6 Millionen Meter Tuch verließen die Fabrik pro Jahr. Doch die Krise der deutschen Textilindustrie machte zuletzt auch vor dem schmiedeeisernen Werkstor am Wuppergraben nicht Halt. 1996 musste der Betrieb wegen zu hoher Produktionskosten schließen, der größte Teil des Maschinenbestands wurde nach China verkauft. Zurück blieb ein in Deutschland einzigartiges Gebäudeensemble.
 
Die Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn ist Geschichte. Nach der Überlieferung 1774 in Lennep gegründet, schloss sie 1996 für immer ihre Tore – als eines der letzten deutschen Opfer im Konkurrenzkampf der internationalen Textilindustrie. Geblieben sind die Gebäude der Fabrik. Sie zeugen von der früheren Größe und Bedeutung des Unternehmens. Seit 1997 pflegen die Mitglieder des Johann Wülfing & Sohn Museum e.V. die Erinnerungen an ihre „versunkene Welt“ und machen sie für Interessierte zugänglich.
Innerhalb des Ensembles der ehemaligen Tuchfabrik befindet sich ein Gebäude aus dem Jahre 1838, das bis zum Konkurs des Unternehmens das älteste in Betrieb befindliche Fabrikgebäude Deutschlands war. In unmittelbarer Nähe zur Fabrik baute das Unternehmen viele Werkswohnungen, so dass an dieser Stelle ein kleines Stadtviertel entstand. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Fabriksiedlung nicht nur einen Arzt, einen Kindergarten, ein Konsumgeschäft und eine Post, sondern darüber hinaus auch eine Schlachterei und eine zentrale Badeanstalt mit Duschen und Wannen.
 
Wegen der erheblichen Brandgefahr in den Produktionsstätten wurde in den Wülfingschen Betrieben schon sehr früh die elektrische Beleuchtung eingeführt. Der dazu notwendige elektrische Strom wurde mit Hilfe der im Unternehmen vorhanden Wasserturbinen und Dampfmaschinen sowie an die Transmissionen angeschlossenen Generatoren erzeugt. Der Überschuss an Drehstrom von bis zu 140 kW bei 5.000 Volt wurde in das im Aufbau befindliche Stromnetz abgegeben, das in der Zeit bis 1911 ebenfalls dem Unternehmen gehörte. Der Generator von 1903 diente bis 1946 zur Deckung des Eigenbedarfes und wurde dann stillgelegt. Er befindet sich immer noch am Originalstandort und produziert bei Vorführungen von einem Elektromotor angetrieben den elektrischen Strom für einige Glühlampen. Eine modernisierte Francis-Turbine von 1922 ist ebenfalls noch vorhanden, die innerhalb eines Laufwasserkraftwerkes etwa 250 kW leistet.

 In Dahlerau gibt es ein Museum, aber der Ort ist kein Museum. Die Gebäude aus Bruchstein und Ziegeln, die Hallen mit den typischen sägezahnartigen Sheddächern, die Schornsteine und Werkstätten, die stählerne Brücke – all dies war nicht nur bis 1996 buchstäblich noch "in Betrieb". Längst haben sich hier von der Motorradwerkstatt bis zum technischen Dienstleister zahlreiche neue Gewerbe angesiedelt. Und natürlich sind auch die eindrucksvollen alten Häuser nach wie vor bewohnt.

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Zeche Hasard

 

Die stillgelegte Zeche Hasard (oder Cheratte 10) befindet sich in der Wallonischen Region in Belgien.
Der erste Schacht zur Gewinnung von Steinkohle wurde im Jahre 1850 gelegt, aber nach einem Unfall im Jahre 1877 wieder geschlossen. Die Wiedereröffnung erfolgte dreißig Jahre später, im Jahr 1907, und bis 1977 wurde dort Kohle gefördert; die Zeche war mit vier Schächten das wichtigste Unternehmen der Société anonyme des Charbonnages du Hasard. Durch Urban Exploration ist die Zeche auch im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert noch bekannt. Eine Sanierung des Geländes und der Abriss einiger Gebäude sind zwischen 2014 und 2015 geplant.
 
Der Schacht 'Puits No 1' wurde 1907 bis 170 m abgeteuft. Darüber wurde ein bemerkenswerter Malakow-Turm errichtet, der bis heute erhalten geblieben ist. Der ursprünglich über Schacht 2 (Teufe 313 m) stehende Stahl-Förderturm aus dem Jahre 1923 wurde nach der Stillegung der Grube abgerissen. Der mit 480 m tiefste Schacht 3 aus dem Jahre 1938 war ursprünglich zur Turmförderung konzipiert, wurde aber zu einem Fördergerüst mit seitlicher Abstützung und Flurfördermaschine (Bobine) umgebaut. Über den oberhalb der eigentlichen Anlage stehenden Schacht 'Puits Hoignée' wurde Abraum transportiert. Der Abraumförderstollen mündet direkt an Schacht 1 unterhalb des Malakow-Turmes. Die Grube wurde 1977 geschlossen. Sie steht unter Denkmalschutz und verfügt teilweise noch über maschinelle Ausstattung. Insgesamt sind 3 Schächte erhalten, von denen sich 2 unmittelbar auf der Anlage befinden.
 

Vom Stiefeleisen zum Systemknoter

Das 2009 aufgegebene Fabrikgelände am Solinger Stöcken bildet mit einer Größe von rund 60.000 Quadratmetern heute die größte brachliegende Gewerbefläche der Stadt.

1827 gründete der Landwirt und Kleineisenschmied Peter Daniel Rasspe in Schulkohlfurt (Cronenberg, heute Wuppertal) eine Firma, die sich mit der Fabrikation von Stiefeleisen befasste. Unter Stiefeleisen sind Einfassungseisen für die Absätze von Stiefeln und Landarbeiterschuhen zu verstehen. Auch gewöhnliche Straßenschuhe wurden mit solchen Eisen versehen. Mehrere Schmiedebetriebe der Umgebung waren mit der Herstellung solcher Eisen befasst.

Sowohl die günstige Absatzsituation in den Jahren 1840 bis 1860 als auch verbesserte technische Verfahren (Gesenkschmieden), erforderten einen stetigen Ausbau der Fabrikationsräume und eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten. Anfang der 1860er Jahre reichten die Flächen des alten Standortes nicht mehr aus und man plante einen Fabrikneubau in städtischer, verkehrsgünstigerer Lage. Schließlich konnte man aber in Stöcken bei Solingen ein in Konkurs gefallenes Gut aus der engen Verwandtschaft günstig übernehmen, obwohl dieser Standort verkehrstechnisch keine Verbesserung darstellte. Aber hier waren genügend Reserveflächen zur Betriebserweiterung vorhanden.  Die Söhne Johann Abraham und Peter Isaak führten das Unternehmen zu einem der größten Industriekomplexe in Solingen – mit dem auf der ganzen Welt berühmten Markenzeichen, die „Pfeife“, das 1868 in das Mustergericht eingetragen wurde.

In den 1860er und 1870er Jahren wurde die Produktpalette auf Tafel- und Schlachtmesser, Sägen sowie Häcksel- und Rübenmesser ausgedehnt. Als die Industrialisierung fortschritt und Rasspe die Fertigung modernisierte und fabrikmäßig organisierte, mussten die Produktpalette und die Absatzmärkte erneut ausgedehnt werden, um die hohen, erforderlichen Investitionen tätigen zu können. So kamen planpolierte Kupfer- und Zinkplatten zum Angebot hinzu. Der Durchbruch kam jedoch erst, als Rasspe noch zusätzlich auf die Herstellung von Zubehör- und Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen umstellte. Das Sortiment stieg in den 1920er Jahren auf über 40 000 Produkte an, die bis 1958 über ein Werksgleis zum damaligen Solinger Nordbahnhof und von dort in die ganze Welt versandt wurden.

In den 1930er Jahren profitierte Rasspe von den Bemühungen des NS-Regimes, die landwirtschaftlichen Erträge durch Maschineneinsatz zu steigern. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bot die fortgesetzte Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft bis Anfang der 1960er Jahre der Firma Rasspe ein wachsendes Auskommen. So kamen 1962 noch Knoter für Hochdruckpressen zur Produktpalette hinzu.

Die Rationalisierungen der folgenden Jahre, ermöglicht durch den Einsatz von großen, leistungsfähigen Landmaschinen, ließ es bei Rasspe kriseln. In ernsthafte Schwierigkeiten geriet das Unternehmen, als immer mehr Konkurrenten dazu übergingen, für ihre Maschinen eigene Ersatzteile anzubieten. Die Zahl der Mitarbeiter fiel zwischen 1960 und 1998 von 1.000 auf 261, denn auch der Vertrieb neuer Produkte brachte keinen dauerhaften Erfolg. 1999 musste der Betrieb schließlich Insolvenz anmelden.

Der Baubestand der Fa. Rasspe spiegelt im beschriebenen Umfang mehrere Epochen Industriearchitektur wider.
Von der Reformarchitektur der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über die für die Epoche des Industriebaus des Dritten Reiches wichtigen Anlagenteile bis zu dem eher konservativen Bau der Verwaltung der Mitt-Zwanziger und zum Funktionsbau des Lagers sprechen die Bauwerke eine jeweils zeittypische, qualitätvolle Sprache. Die Industriebauepoche von 1900 bis zur Nachkriegszeit nach 1945 ist hier repräsentiert. Der Werkshof mit seiner vereinheitlichten Architektursprache kann als besonders qualitätvolles Beispiel einer Werksinnenbebauung gelten.

Revisit

 

 

Eine der ersten Gussstahlfabriken stand im Bergischen.

Der Neuenhammer im Eschbachtal wurde bereits Ende des 16. Jahrhunderts als Hammerwerk in Betrieb genommen. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Hasenclever mit seinem niederländischen Partner Burlage hier eine der ersten Gussstahlfabriken. Später siedelte sich dann die Firma Schulte hier an, die Kugeln und Rollen herstellte.
Weiter bergauf liegt der Luhnshammer, ein Hammer mit Schmiede aus dem 17. Jahrhundert. Vor wenigen Jahren war hier noch ein Kunstschmied tätig und man konnte die denkmalgeschützte Schmiede besichtigen. Die drei Kellershämmer wurden 1692 erstmals unter dem Namen "Kellnershämmer" urkundlich erwähnt, benannt nach ihrem Begründer, dem damaligen Kellner von Burg. Er führt Buch über die Mühlen, Schleifkotten und Hämmer im Herzogtum.
Die Kellershämmer haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Lange Zeit wurden sie von der Familie Hasenclever betrieben, dann von Steffens, der hier Maschinenmesser herstellte, später übernahm die das Alexanderwerk. Im Zweiten Weltkrieg musste das Alexanderwerk auf behördliche Anordnung die Kellershämmer wieder verkaufen, Rasspe wurde der neue Inhaber.
Nachdem Rasspe "auf Befehl von Oben" das Werk mit eigenem Bahnanschluss übernahm, wurden auch
diese zwei Werkluftschutzstollen in den Berg getrieben. Sie konnten jedoch nicht mehr vor Kriegsende fertiggestellt und miteinander verbunden werden.