Objekt Koralle

„Wir glauben an die Zukunft der Deutschen. Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt.“

Zeilen aus dem  Schwur der Verschwörer. Zeilen, verfasst  von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem bekanntesten der gescheiterten Hitler-Attentäter. Der Schwur war gedacht für die „Zeit danach“, einer Zeit nach dem „Führer“, die nicht zustande kam. Heute ist das Dokument nahezu vergessen. So wie die Stätte, an der es verfasst wurde – das „Lager Koralle“.

Dieses befand sich nur eine halbe Stunde nördlich von Berlin. Zwischen 1943 und 1945 hatte das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) hier sein Hauptquartier. Noch heute stehen die Ruinen. Von ihrer Existenz, versteckt im Wald, wissen nur wenige.

Das Objekt war zuerst als Marine-Nachrichtenschule gedacht und erhielt den Namen „Koralle“ erst später. Die Bauarbeiten begannen 1939 in dem stark bewaldeten Gebiet.

Aufgrund der immer größer werdenden Gefahr durch Fliegerbomben wurde beschlossen, die Führungszentrale des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM) aus Berlin in ein sichereres Gebiet zu verlegen. Am 30. Januar 1943 bezog es seinen Sitz im Lager Koralle. Wenig später wurde vor Ort auch die Hauptfunkstelle des Befehlshabers der U-Boote (BdU) eingerichtet. Damit liefen nun alle Nachrichtenverbindungen für den U-Boot-Krieg im bombensicheren Nachrichtenbunker der Station ein.

Nach dem Vormarsch der Roten Armee und Einkesselung Berlins erging am 19. April 1945 der Befehl zur Verlegung in das Ausweichquartier Objekt Forelle bei Plön und acht Tage später nach Flensburg-Mürwik.

Seit Jahrzehnten zieht sich das Moos über meterdicke Betonwände. Mutmaßlich sowjetische Soldaten  haben in kyrillischen Buchstaben Botschaften für die Nachwelt hinterlassen. Sie sprengten nach dem Sieg über Nazi-Deutschland die militärische Anlage  (andere Quellen sprechen von Zerstörung bereits durch die deutsche Wehrmacht). Es gab einen Flakbunker, einen Hochbunker und einen unterirdischen Bunker. In dem unterirdischen Bunker operierte die Zentrale des OKM. Hinzu kamen ein Offizierskasino, Baracken, mehrere Löschwasserteiche und andere kleinere Objekte. Die Gebäude waren zum Teil unterirdisch miteinander verbunden. Das Lager Koralle war mit zahlreichen Anlagen zur Telekommunikation ausgestattet.

„Koralle“-Kern  war der unterirdische, zwei Etagen tiefe Bunker.  Allein seine Bodenplatte war zwei Meter dick, die Seitenwände dreieinhalb Meter.  Hier war die Leitstelle der Marine untergebracht. Von hier aus steuerten die Nazis um Großadmiral Karl Dönitz (letzes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches) in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges Kampfschiffe sowie U-Boote, schickten noch hunderte Soldaten in den sinnlosen Tod.

Etwa 1500 Wehrmachtsangehörige und Zivilisten sollen laut Zeitzeugen 1944 im Objekt beschäftigt gewesen sein. Nach dem Krieg nutzte  die DDR-Bereitschaftspolizei die Ruine zum Training für den Häuserkampf. Und heute? Die Geheimniskrämerei ist groß. Denn es gibt trotz intensiver (erfolgloser) Suche noch immer Gerüchte, dass in der gut einen Quadratkilometer großen Anlage Schätze vergraben sind. Metertief gegrabene Löcher im Waldboden sind stumme Zeugen der hartnäckigen Jagd. 

Unter dem ehemaligen Gymnasium

Unter dem 1910 errichteten Gebäude wurden für die damaligen Schüler  Luftschutzräume eingerichtet, die fast das ganze Untergeschoss der Schule einnahmen. Von der ehemaligen Ausstattung ist heute fast nichts mehr vorhanden – nur noch ein paar Luftschutztüren, Notausgänge und die Wandbeschriftungen lassen uns wissen, dass diese Kellerräume mal dem Luftschutz gedient haben. Vom Not-Abort bis zur Heizung war alles Nötige vorhanden. Mittlerweile steht eine Nachnutzung des Gebäudes fest und die Umbauarbeiten sollen bald beginnen. Dann werden wohl auch hier die letzten Zeugen der Vergangenheit verschwinden und nichts erinnert mehr daran, dass hier einst Kinder und Lehrer bei Fliegeralarm Schutz gesucht haben.

Werkluftschutz

 

Ein kleiner, aber sehr interessanter, teils oberirdischer, aber größtenteils unterirdischer Bunker, den wir hier zufällig auf einem ehemaligen Firmengelände fanden. Die Firma, die hier im Krieg produzierte und auch noch nach dem Krieg Waren lagerte, existiert auch heute noch – am anderen Ende der Stadt. Da dieser Bunker auf Privatgelände liegt, ist er völlig unbekannt geblieben.

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Das Hume-Rohr

 

Auf der Seite des Herstellers ist zu lesen:

Die verpflichtende Tradition

Schon 1913 hatte der englische Ingenieur Hume ein Schleuderverfahren für Rohre entwickelt, das für die Betontechnologie neue Maßstäbe setzte. Kornaufbau und Gefüge entsprachen schon heutigem Standard.
Das Verfahren bewährte sich auf Anhieb, es wurden weltweit Lizenzen vergeben.
Als "erst" 1924 das Deutsche Reichspatent für "Hume-Röhren" erteilt wurde, waren in Nord- und Mittelamerika, Afrika und Australien schon über eine Million Meter Hume-Rohrleitungen in Betrieb.
Gegründet von den Charlottenburger Wasserbetrieben für die Versorgung des Berliner Großraums und wegen der guten Kiesvorkommen in Dobrilugk (heute Doberlug-Kirchhain) angesiedelt, trat das Hume-Rohr infolge seiner hohen Qualität bald seinen Siegeszug über ganz Deutschland an.

Wir fanden diese Splitterschutzzelle auf einem Bahnhofsgelände, direkt neben den Schienen der S-Bahn. Leider wird diese Zelle dort nicht mehr lange stehen. Das brachliegende Gelände wird zur Zeit komplett umgebaut.

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