Flugplatz und Heinkel-Werke Oranienburg

Die ehemalige Start- und Landebahn wurde mit der Bundesstraße B96 überbaut. Das Flugplatzgelände dient als Industriegebiet und Solarpark.
Heute sind nur noch wenige Spuren der einstigen Heinkel-Werke Oranienburg vorhanden.

Der Flugplatz Oranienburg befand sich auf einem Gebiet nördlich von Berlin, das im Osten von Oranienburg und im Westen von Leegebruch begrenzt wird. Er wurde von 1936 bis 1939 erbaut und bis 1945 von den Heinkel-Werken Oranienburg als Werksflughafen und von der Luftwaffe der Wehrmacht genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die noch intakten Anlagen der Heinkel-Werke durch die sowjetische Besatzungsmacht fast vollständig demontiert. Die Start- und Landebahn des Werksflugplatzes wurde jedoch instandgesetzt und bis 1994 von den sowjetischen Luftstreitkräften als Militärflugplatz genutzt.

Die Heinkel-Werke Oranienburg (HWO, 1935–1948) waren in der Zeit des Nationalsozialismus ein bedeutender Rüstungsbetrieb. In dem im Wesentlichen von 1936 bis 1938 gebauten Werk wurden Kampfflugzeuge wie die Heinkel He 111, die Heinkel He 177 und die Junkers Ju 88 für die Luftwaffe gefertigt. Zum Werk gehörten auch die beiden neu errichteten Siedlungen Weiße Stadt in Oranienburg und Leegebruch. Zum 1. April 1943 änderte sich die Bezeichnung in Ernst Heinkel AG Werk Oranienburg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das eigentliche Werk bis auf den Werkflugplatz, eine Halle und kleinere Nebengebäude komplett abgetragen. Dort und teilweise in der Wohnsiedlung Weiße Stadt in Oranienburg errichtete die Rote Armee einen Militärflugplatz nebst Kaserne. Seit dem Abzug der sowjetischen Truppen wurde das Gelände Schritt für Schritt in eine zivile Nutzung überführt.

Übriggeblieben ist nur die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Einflughalle und einige Schallschutzwände.

Reichssportflughafen Rangsdorf – Bücker Flugzeugbau GmbH

Wer zufällig nach Rangsdorf kommt, ahnt erst mal nichts von seiner Geschichte und von dem Leben, das sich hier einst abgespielt hat. Vor 80 Jahren fuhren viele Berliner zum Arbeiten nach Rangsdorf, heute ist es umgekehrt. Die 10.000-Einwohner-Gemeinde, zehn Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze, ist ein ruhiger Ort, sieht man mal von dem nahe gelegenen südlichen Autobahnring ab. Hohe Bäume säumen die Straßen, es gibt einen wunderschönen See mit Vogelschutzgebiet und Strandbad. Das ist es dann auch schon mit den Sehenswürdigkeiten. Fast. Denn da gibt es noch ein 108 Hektar großes Areal, überwiegend Wiese mit ein paar verfallenen Gebäuden. Es ist umzäunt, das Tor verschlossen. Besuchen lässt es sich nur mit einer Sondergenehmigung – oder durch eines der Löcher im Zaun, aber das ist selbstverständlich nicht zulässig. Es ist aber auch nicht gerade einladend und ohnehin seit 1945 Sperrgebiet. Davor aber war das Areal neun Jahre lang einer der wichtigsten Flugplätze der Region.

Im März 1935 hatte eine Delegation die Wiesen und Felder zwischen der Bahnlinie und dem See begutachtet und für einen Flugplatz als geeignet erachtet. Kurz danach fiel im Reichsluftfahrtministerium die Entscheidung zum Bau und sofort begannen die Arbeiten. Schon im Herbst begann dann die Produktion von Flugzeugen in den Bücker-Werken, der Flugplatz selbst war im Juli 1936 fertig. Die ersten Flugzeuge konnten hier schon vor der offiziellen Eröffnung am 30. Juli landen – nach nur 14 Monaten Bauzeit.

Am 30. Juli 1936, am Vorabend der Olympischen Sommerspiele, wurde der Reichssportflughafen, so sein offizieller Name, mit dem „Internationalen Kunstflugwettbewerb um den Preis der Nationen“ eröffnet. Die Lage direkt am See ließ es zu, dass hier sowohl Land- als auch Wasserflugzeuge landen konnten. Später wurde der Flugplatz sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Hier war Sitz der Bücker Flugzeugbau GmbH, wo erst Sportflugzeuge, später vor allem Schulflugzeuge für die Luftwaffe gebaut und eingeflogen wurden. Fast 1000 Mitarbeiter arbeiteten in den Werken.

Und hier gab es eine Reichssportfliegerschule, in der auch Beate Köstlin Schülerin war. Am 7. August 1937 absolvierte die 17-Jährige den ersten Flug ihres Lebens und lernte nicht nur zusammen mit 59 Männern Wetter- und Motorkunde, sondern auch ihren Fluglehrer, Hans-Jürgen Uhse, kennen. Kurz nach Kriegsbeginn heirateten die beiden. Sie wurde Einfliegerin von Bücker und machte nach dem Krieg bekanntlich als Unternehmerin in einer ganz anderen Branche Karriere, er zog als Jagdflieger in den Krieg und kam 1944 bei einer Kollision mit einem anderen Flugzeug ums Leben.

Zum Flughafen gehörte auch noch der Aero-Club, entworfen von Ernst Sagebiel, dem Architekten, der auch Tempelhof gebaut hatte. Im Aero-Club traf sich am Wochenende die Berliner Prominenz aus Politik und Gesellschaft: Hermann Göring, Ernst Udet, Elly Beinhorn, Heinz Rühmann.

Ab Oktober 1939 war Rangsdorf sogar für ein halbes Jahr Verkehrsflughafen, weil befürchtet wurde, Tempelhof könne nach Kriegsausbruch bombardiert werden. Hier starteten und landeten nun die Verkehrsflugzeuge der Lufthansa, aber auch russische und schwedische Fluggesellschaften. Passagiere checkten bereits in Berlin, im Luftreisebüro in der Friedrichstraße, ein, dann wurden die Fluggäste mit einem Bus nach Rangsdorf gefahren. Am Vormittag wurde abgeflogen, am Nachmittag kamen die Maschinen wieder aus Wien, Rom, Sofia, Istanbul, Danzig oder Kopenhagen zurück. Doch die Luftangriffe auf Tempelhof blieben aus, und so richtig geeignet war Rangsdorf als Verkehrsflughafen wohl doch nicht. Hier gab es ja nicht mal eine befestigte Start- und Landebahn, sondern nur ein rundes Rasenfeld.

Ab 1940 diente Rangsdorf ausschließlich militärischen Zwecken und war nur noch Fliegerhorst. Am 20. Juli 1944 gegen 7 Uhr stieg Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinem Adjutanten in ein zweimotoriges Kampfflugzeug der Marke Heinkel HE 111 und flog nach Ostpreußen. Sein Ziel war die Wolfsschanze. In seiner Aktentasche hatte er zwei Sprengladungen. Die erste detonierte um 12.42 Uhr. Drei Stunden später landete Stauffenberg wieder in Rangsdorf und verkündete am Telefon: „Meine Herren, Hitler ist tot.“ Er war es nicht. Stauffenberg wurde noch am selben Tag festgenommen und kurz nach Mitternacht im Bendler-Block erschossen.

An den Widerstandskämpfer erinnert in Rangsdorf heute nur eine kleine Gedenktafel am Ufer des Sees. Und es gibt die Stauffenbergallee, eine Sackgasse. Überhaupt gibt es wenig Zeugnisse der vergangenen Ereignisse rund um diesen Flughafen. Die Sportfliegerschule und die Flugzeughallen am nördlichen Rand existieren nicht mehr, und auch die Ruinen hinter dem Tor am Ende der Straße verraten nicht gleich, dass sie einmal die Werks- und Einfliegerhallen der Bücker-Werke waren. Der Weg dahin führt links an alten, inzwischen restaurierten Werkswohnungen von Bücker vorbei, rechts erst an Plattenbauten, dann an ein paar neugebauten Einfamilienhäusern. Nur wer eine Genehmigung hat, dem öffnet der Wachschutz das Tor.

Nach der Jahrtausendwende wollte ein polnischer Investor die Bücker-Werke wiederbeleben und in eine der noch funktionstüchtigen Hallen des alten Werks die Endmontage der Bü 131 Jungmann verlegen. Es sollte eher eine Manufaktur als ein großes Werk werden. Bücker-Maschinen sind heute Oldtimer, die nachgebauten Flugzeuge sind nur etwas für betuchte Liebhaber. Doch das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Rangsdorfer. Der Investor blieb in Polen und baute die Bü 131 im schlesischen Jasienica. Nach seinem Tod bei einem Flugunfall wurde die Produktion 2006 wieder eingestellt.

Die Tierfutterfabrik

Die sogenannte Behrnsche Mühle ist seit 1992 leerstehend. Das ehemalige Kraftfuttermischwerk, eine markante städtebauliche Architektur, beschäftigte bis zu seiner Schließung 120 Arbeitskräfte. Bis zuletzt wurde das Werk mit modernen technischen Anlagen ausgestattet, von denen in den Ruinen jedoch nichts mehr vorhanden ist. Die Gebäude wurden von Metalldieben komplett entkernt.
Das Werk mit eigener Anlegestelle und Bahnanschlusz, wurde einst über den Schiffsverkehr und per Bahn mit Getreide versorgt und war somit auch für den Vertrieb verkehrstechnisch optimal angebunden

Karlshorsts vergessener Flughafen

Wilhelm von Siemens, der Sohn des bedeutenden Werner von Siemens, war einst neben derer von Treskow Besitzer des weitläufigen Areals. Weil Luftschiffe seinerzeit vor allem für den militärischen Einsatz gefragt waren, wandte sich der preußische Generaloberst Helmuth von Moltke (1848-1916) 1907 an Siemens mit der Bitte, sich bei der Produktion von Motorluftschiffen zu engagieren. Siemens ließ daraufhin vom Architekten Karl Janisch, dem Erbauer von Siemensstadt, eine drehbare Luftschiffhalle bauen – die erste ihrer Art weltweit. 1909 begann der Bau jener Halle, die 135 Meter lang, 25 Meter hoch und 25 Meter breit war. Je nach dem, wie der Wind stand, konnte die Halle so positioniert werden, dass ein- und ausfahrende Luftschiffe nicht durch Windböen beschädigt wurden. Denn genau das war das Problem der einst von Ferdinand Graf von Zeppelin konstruierten Luftschiffe. Ihr Korpus bestand aus Aluminium, das sich bei jeder kleinsten Kollision verbog. Bei den von den Siemens-Schuckert-Werken gebauten Luftschiffen jedoch setzte man auf eine Gummi-Konstruktion. 1911 ging das erste Exemplar auf eine Fahrt über den Dächern von Karlshorst. Die längste Strecke, die es zurücklegte, betrug 270 Kilometer ins thüringische Gotha. Flugzeit: 6 Stunden und 53 Minuten. Nach einem Umbau galt das Luftschiff als das schnellste seiner Art weltweit. Weil aber die Bedienung der Luftschiffe auf lange Sicht für die Angehörigen des Militärs zu kompliziert war, stellte man das Projekt 1912 ein – das Gelände aber wurde vom Militär weiter genutzt.

Das Ende des Luftschiffhafens war gleichzeitig der Anfang des Flughafens Karlshorst. Bereits seit 1916 landeten auf dem 154 Hektar großen Areal Doppeldecker. Auf Bestreben der Gemeinde Friedrichsfelde, zu der Karlshorst einst gehörte, kaufte man das Gelände und verpachtete es an die Militärverwaltung. Ab Herbst 1917 montierte man dort Flugzeuge und bildete Soldaten für die Luftbildfotografie aus. Mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Projekt eingestellt. Der Weiterbetrieb erfolgte durch die Sicherheitspolizei. Zudem wurde eine Fliegerstaffel für den Grenzschutz Ost in Karlshorst aufgestellt. Mit neun Flugzeugen versahen die einstigen Militärpiloten nun im Dienst der Polizei ihre Arbeit – bis auf der Grundlage des Versailler Vertrages der Flugbetrieb gänzlich eingestellt wurde. Nach nur vier Jahren Flugbetrieb dienten die Hallen sodann gewerblichen Mietern. Bis 2002 befand sich dort die Forschungsanstalt für Schiffahrt, Wasser- und Grundbau, die in der heutigen Bundesanstalt für Wasserbau aufgegangen ist.

Reste des alten Flughafens, der einst zur Gemarkung Biesdorf zählte, muss man nicht lange suchen: An der Köpenicker Allee ragen noch die Kuppeln der Flugzeughallen in den Himmel. Doch die denkmalgeschützten Gebäude sind in einem erbärmlichen Zustand. Mauern, Zäune und Stacheldraht versperren Neugierigen den Weg auf das Areal. Viel mehr als die Kuppelhallen ist nicht übrig von jenem Flughafen, der in der Zeit des Ersten Weltkrieges zunächst als Produktionsstandort für Luftschiffe und später vom Militär als Ausbildungsbasis für Luftbildfotografen genutzt wurde. Auf großen Teilen des einstigen Flughafens stehen seit Jahrzehnten Kleingartenanlagen.

Fort Hahneberg

Einem meiner Lieblingsfilme diente diese Anlage für einige Szenen als Kulisse.
Das
Fort Hahneberg, am äußersten Westrand Berlins gelegen, ist das letztgebaute Festungsbauwerk in Deutschland. Es wurde im Jahr 1888 nach sechsjähriger Bauzeit fertiggestellt.
Zum Schutz des Rüstungszentrums Spandau, als Teil der Festung Spandau, waren vier Forts geplant, von denen aber nur eines realisiert wurde. Die Entwicklung der Artillerie, vor allem die Einführung der Brisanzgranate, hatte diese Art von Befestigungen inzwischen nutzlos gemacht.
Nach seiner Indienststellung wurde das Fort bis 1945 unter anderem als Kaserne, Lazarett und Zentralarchiv für Wehrmedizin vorwiegend militärisch genutzt. Nach dem Kriegsende dienten Teile des aus rund 28 Millionen verschiedenen Ziegelsteinen errichteten Bauwerks als Baumaterial für den Wiederaufbau Berlins. Bis zum Mauerfall im Jahr 1989 befand sich das Fort im Bereich der Sperranlagen der Grenzübergangsstelle Heerstraße und ist erst seit 1990 wieder zugänglich.
Das Fort ist ein wichtiges Fledermausquartier. 2009 wurden die Gebäude und die Umgebung des Forts als Naturschutzgebiet und als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen, da hier neben anderen Fledermausarten Große Mausohren ihr Winterquartier und ihren Sommeraufenthalt haben.
1991 hat das Landesdenkmalamt
das Fort Hahneberg in die Denkmalliste aufgenommen. Es ist als herausragendes Objekt geschützt und somit gleichzeitig prädestiniertes Überwinterungsquartier für rund 1500 Tiere aus 11 Arten streng geschützter Fledermäuse.
 

Die Bärenquell-Brauerei

Dieser Ort war lange Zeit ein bedeutender Standort Berliner Brauereigeschichte. Wie viele andere Ortsteile in der Stadt, hatte auch Schöneweide seine eigene Brauerei.
Seit dem 19. Jahrhundert wurde hier Bier produziert. Zuerst Borussia Berlin,  danach Schultheiß und zu DDR Zeiten Produkte der VEB Berliner Brauereien. Zu dieser Zeit wurden die Anlagen weder optimiert noch modernisiert. Nach der Wende ging es weiter bergab.
1991 erwarb schließlich die hessische Henninger Bräu AG die Marke und führte die Produktion am Standort Niederschöneweide zunächst weiter fort. 1993 stellte die Henninger Bräu AG einen Bauantrag, für den einige historische Gebäude hätten weichen müssen, der vom Bezirksamt Treptow mit dem Verweis auf den Denkmalschutz abgelehnt wurde. Zum 1. April 1994 wurde schließlich die Bierproduktion ganz eingestellt. Lediglich der Vertrieb von Henninger blieb einige Jahre weiter am Standort.
Seitdem geht es mit den schönen, historischen Fabrikgebäuden der Brauerei in den Verfall. Da hilft auch kein Denkmalschutz. Vandalismusschäden,  Brandstiftungen und anderes Negatives schlägt auf das Gelände ein. Keiner investiert in das Objekt und hält es als Denkmal am Leben.
Wie lange
der Bau noch stehen wird, ist schwer zu sagen.  Ich würde mir einen Erhalt mit neuer Nutzung wünschen.
Teile wurden schon abgerissen …
Offensichtlich handelt es sich nun um ein Investitionsobjekt ohne Zukunft.

Flugplatz Sperenberg

Das Gelände des späteren Flugplatzes gehörte ursprünglich zur Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, wo bereits von 1870 an militärische Mittel auf ihre Nutzbarkeit untersucht und geprüft wurden. Bis zum Zweiten Weltkrieg war hier eine Ausbildungsstelle der Eisenbahnpioniere. Davon zeugen zahlreiche Brücken- und Schienenreste sowie ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Eisenbahnpioniere auf dem Gelände.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die umfangreiche Nutzung des Geländes weitgehend eingestellt. In den 1950er Jahren war die Sowjetarmee auf der Suche nach einem Flugplatz zur ausschließlich militärischen Nutzung. Es gab eine Untersuchung möglicher Standorte in Drewitz, Rangsdorf und Sperenberg. Nach intensivem Streit mit der DDR um die Finanzierung wurde schließlich ab 1958 auf dem Areal von der DDR ein Flugplatz errichtet, nachdem die Einigung auf Teilung der Kosten erzielt war. Es galt den bereits bestehenden, größeren Flughafen Berlin-Schönefeld vom militärischen Luftverkehr zu entlasten und ausschließlich zivil zu nutzen.

Sperenberg wurde von der 16. Luftarmee der GSSD/WGT bis zu deren Abzug 1994 genutzt. Auf dem Gelände des Flugplatzes verbrachte der zu dem Zeitpunkt per Haftbefehl gesuchte, ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, 1991 seine letzte Nacht auf deutschem Boden, bevor er nach Russland ausgeflogen wurde.

Der Flugplatz sowie das umliegende Gelände, ein insgesamt rund 24 km² großes Areal, werden derzeit nicht genutzt. Sämtliche Gebäude und Installationen sind dem Verfall preisgegeben.

Das einstige Kabelwerk Köpenick

Neben den neuen Fabriken in Adlershof und Schöneweide wird im Jahre 1916 mit dem Bau des Kabelwerk Köpenick begonnen. 1926 folgte dann die Umbenennung der gesamten Firma in "C.J. Vogel Draht- und Kabelwerk AG".1939 übernimmt Siemens die Firma als "Fa. Elektrische Licht- und Kraftanlagen".
Schaut man von der benachbarten Salvador-Allende-Brücke herüber, sieht man nur noch eine grüne Wand. Bäume, Büsche, ein scheinbar undurchdringliches Dickicht am Ufer der Müggelspree. Durch die Wipfel blitzt ein angeschlagenes Gebäude auf. Kaputtes Dach, offene Fensterhöhlen –  und Wachdienst rund um die Uhr vor Ort. Seit 26 Jahren modert die Zweigstelle des VEB KWO (Kabelwerk Oberspree), in der einst 1600 Menschen arbeiteten, vor sich hin. Graffitisprayer haben
die entkernten Hallen, in denen einst Starkstrom- und Telekommunikationskabel hergestellt wurden, als illegale Galerie für sich entdeckt.

Das verwaschene Juwel

Besuch in einer untergegangenen Arbeitswelt.
Verloren in gigantischen Hallen: Wo einst bis zu 700 Mitarbeiter schufteten, herrschen heute Leere und Verfall in dem recht grossen Backsteinkomplex, der nicht allein wegen seines wohl einzigartigen Bahnanschlusses zur Legende wurde. Da es um die zuvor auf „freiem Feld“ gelegene Fabrik langsam eng wurde, fand man die Lösung in die Höhe zu bauen und konnte etwa 1900 das noch heute vorhandene Fabrikgebäude errichten. Der Bau war 85m lang, fünf Stockwerke hoch und besaß dort im fünften Stockwerk einen Eisenbahnanschluss. Heute sind davon nur noch Reste der Gleisbefestigungen zu sehen und die Gebäude beeindrucken vor allem durch die schieren Ausmaße der weitgehend leeren Hallen. Dass nach dem Ende der Produktion der morbide Charme der Fabrikgebäude eine ganz andere Nutzung zugelassen hat, zeigt an der Fassade der verblasste Schriftzug „A. Willis Export“. Er erinnert an Szenen
eines Films, die hier 2008 in den da schon mittlerweile seit sieben Jahren leerstehenden Gebäudeteilen gedreht wurden.

1869 wurde im Schwarzbachtal Deutschlands erste elektrisch betriebene und damit zur damaligen Zeit wohl größte Seifenfabrik Deutschlands gegründet. 1900 wurden die drei größten Siedekessel Deutschlands betrieben, sie hatten ein Fassungsvermögen von 300.000 Kilogramm. Für die Wohngegend war das zunächst kein Segen. Die tierischen Fette (Tran, Talg, Knochenfett), die bei der Produktion verarbeitet wurden, waren in der Umgebung deutlich wahrzunehmen. Auch wenn im Laufe der Jahrzehnte Ersatzstoffe bei der Produktion zum Einsatz kamen, so dass die Ausdünstungen der Firma angenehmer rochen, blieb die Umgebung über lange Jahre kein beliebtes Wohngebiet. Noch in den Jahren 1977 bis 1980 gab es, wie man Protokollen der Bezirksvertretung entnehmen kann, stetigen Ärger durch Geruchsemissionen.

Ehemaliges Zementwerk

Bereits im Jahre 1900 gründete C. O. Wegener an diesem Standort das Rüdersdorfer Portland Zementwerk. Der Zement wurde in einem hochmodernen, aber extrem gefährlichen Drehrohrofen gebrannt. 1939 erwarb die Preussag das Gelände. Unter Verwendung der noch bestehenden Drehrohröfen stellte man ab 1944 kriegswichtiges, synthetisches Bauxit her.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk von den sowjetischen Besatzern komplett demontiert. Ab 1950 begann man allerdings, die leerstehenden Hallen erneut zu nutzen. Die Anlage mitsamt ihren Drehrohröfen erhielt den Namen „VEB Glühphosphatwerk Rüdersdorf“ und diente nun der Herstellung von Futterphosphat. Dieses Düngemittel besaß die höchste Güteklasse und wurde unter dem Namen „Rükana“ als Devisenbringer vermarktet. Um dieses Geschäft wirklich lukrativ ausüben zu können, wurden 1972 zwei neue, 100m lange Drehrohröfen in Betrieb genommen. Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde auch das langsame Ende der nun dem „VEB Chemiewerk Coswig“ untergeordneten Fabrik eingeleitet. Sinkende Absatzzahlen und zwielichtige Investoren ließen die Belegschaftszahlen stetig von einst 250 auf zum Schluss nur noch 30 Mitarbeiter sinken. 1999 schlossen sich die Tore des Werks endgültig.
In der mehr als 100m langen und ca. 25m hohen Haupthalle thronen noch immer schwere Tanks auf ihren Fundamenten. Von hoch oben schallt das Geklapper der Dachfenster in die Welt hinaus. Die riesigen Wände der Halle wirken massiv. An einigen Stellen bricht rostiger Stahl aus tonnenschweren Betonklötzen. Im Hintergrund der Halle, fast schon barock wirkend, reihen sich die Türme einer uralten Schachtturmbatterie aneinander.

Selbst Hollywood konnte sich dieser einzigartigen Kulisse nicht entziehen. Wir betreten nun die Originaldrehorte von „Inglourious Basterds“, „Monuments Men“ und „Enemy at the Gates“. Auch Rammstein und andere Bands nutzten die einzigartige Endzeitstimmung dieses steinernen Kolosses für ihre Musikvideos.

Von den einst über vierzig Gebäudeteilen sind nicht mehr viele vorhanden … aber dieser übriggebliebene Komplex zog mich in seinen Bann und das Innere der Hallen umhüllte mich mit seiner verwunschenen Atmosphäre.

Gesellschaftshaus Grünau und Ballsaal Riviera

Zusammen mit der schnell wachsenden Bevölkerung Berlins nach der Gründung des Deutschen Reichs entwickelten sich die Bedürfnisse für eine abwechslungsreiche Gestaltung der Freizeit. Im Umland der deutschen Hauptstadt entstanden neue Wohnviertel, Einrichtungen für den Wassersport, eine Regattastrecke im Jahr 1880 und „Vergnügungsetablissements“. Im Rahmen dieser Entwicklung gründeten sich an der Dahme Klubs für Ruderer, Paddler und Segelbootfahrer. Diese ließen die zugehörigen Bootshäuser errichten. Für das leibliche Wohl der Besucher und Sportler eröffneten zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Ausflugslokale, darunter das Gesellschaftshaus Grünau und die Riviera.
Unmittelbar am Ufer gab es Stege für Ruder- und Segelboote, an denen die Besucher anlegen konnten. Es ist gut vorstellbar, dass die Gaststätten während der Olympischen Sommerspiele in Berlin, als die Wassersportwettkämpfe in Grünau stattfanden, einen Boom erlebten. In diversen Reisehandbüchern (unter anderem dem Baedeker) wurde das Gesellschaftshaus in Grünau den Berlin-Besuchern empfohlen („14 km vom Berliner Stadtzentrum, Restaurant, Garten, Dampferanlegestelle“).

Die Riviera Grünau ist ein historisches Gebäudeensemble für große Tanz- und Freizeitvergnügen mit einem ehemals imposanten Ballsaal direkt an der Straße. Es entwickelte sich aus einem einfachen Ausschank um 1888. Kernstück der Riviera war das Restaurant Bellevue. Das Gesellschaftshaus und die Riviera stehen seit 1977 in der Landesdenkmalliste, seit 1991 sind sie jedoch geschlossen und verfallen langsam.

Das Gesellschaftshaus besteht aus zwei parallel zueinander angeordneten Ziegelbauten mit rechteckigem Grundriss, die Elemente des Jugendstils und des Klassizismus zeigen. Sie waren mit Klinkern und simuliertem Fachwerk verblendet. Der Gebäudeteil an der Straße ist dreistöckig und beherbergte im Hochparterre eine Gaststätte. Deren Decke und Wände hatte der Architekt in einem Mischstil aus Neubarock und Jugendstil gestaltet. Das Wohn- und Gaststättengebäude ist siebenachsig angelegt und mit einem Satteldach abgeschlossen. Dahinter, zum Ufer hin befindet sich das Saalgebäude, dessen Herz ein neun Meter hoher Ballsaal ist. Er war mit Kronleuchtern, Rundbogenfenstern, Logen und ebenfalls reichen Stuckarbeiten geschmückt. Im Untergeschoss des Hauses befanden sich die Wirtschaftsräume.

Die Riviera, nördlich an das Gesellschaftshaus anschließend, hatte von der Straße aus, neben dem Gebäude einen Eingang mit einem geschwungenen, schmiedeeisernen Tor zum Gartenbereich und zum Haus. Das Saalgebäude, aus Ziegelsteinen aufgemauert und verputzt, ist eingeschossig und verfügt im straßenseitigen Bauabschnitt über ein Flachdach, dahinter schließt sich ein gering geneigtes Pultdach an. Von den anfangs auf allen vier Seiten vorhandenen Bogenfenstern, wurden 1920, die an den seitlichen Bauteilen befindlichen, zugemauert. Im Inneren des Raumes wurden an den so entstandenen Rundnischen Phantasie-Bauwerke nach italienischen Vorbildern aufgemalt, ein vieretagiger Kronleuchter hing in der Mitte des Raumes.
Der Gast gelangte in den imposanten Ballsaal, mit Palmen geschmückt, und mit neun Meter hohen Wänden. Große vierbahnige Rundbogenfenster ließen von Ost und West Tageslicht eintreten. An den Giebelseiten bildeten Rundnischen mit zwischengearbeiteten Halbsäulen das architektonische Pendant. Die Säulendarstellungen gingen in Vouten über und waren mit Stuckaturen verziert. Um die mit Parkett ausgelegte Tanzfläche herum gab es auf allen vier Seiten auf einer umlaufenden Halbempore Sitzbereiche mit freiem Blick in den Raum. Eine Sandsteinbalustrade trug unter dem Handlauf von Bildhauern ausgearbeitete Schmuckelemente. An einer Längsseite befand sich eine Nische für das Orchester. Der Ballsaal ähnelte sehr dem Ballsaal des Gesellschaftshauses. Beide Gebäude ließ der Eigentümer um das Jahr 1900 durch angebaute Veranden zusammenfassen, deren Ecken mit Ziertürmchen betont wurden. Darüber hinaus wurden ein Gartenbereich mit Kastanien gestaltet und drei Kegelbahnen errichtet.

Im Jahr 1943 befand sich das Ausflugsetablissement im Eigentum des Gastwirts H. Liebing, der im Berliner Stadtzentrum wohnte. Unmittelbar gegenüber des Etablissements , auf der anderen Straßenseite hatten sich die Deutsche Arbeitsfront, Ortsgruppe Grünau, sowie ein Amt für Volkswohlfahrt und die NSDAP-Ortsgruppe Grünau, in einem ehemaligen Kolonistengehöft eingenistet. Diese Immobilie war ebenfalls im Besitz von H. Liebing. Aus einer Veröffentlichung des Jahres 2013 geht hervor, dass in der NS-Zeit die Organisation Kraft durch Freude Träger der Ausflugslokale Gesellschaftshaus und Riviera gewesen sein soll. Das Bauwerksensemble überdauerte die beiden Weltkriege relativ unbeschadet.
Nach dem Krieg übertrug die Sowjetische Stadtkommandantur mit dem Befehl 124 die Verwaltung aller Sport- und Gastronomieeinrichtungen von Grünau dem Bezirksamt Köpenick. Die Namen von Riviera und Gesellschaftshaus blieben erhalten, auch in der DDR-Zeit. Nach den langen Jahren der Nutzung war eine gründliche Renovierung erforderlich, die ab 1957 erfolgte. Dabei schlugen die Bauarbeiter den vorherigen, grün-gelben Putz der Riviera ab, teilweise auch die Klinker des Gesellschaftshauses. Beide Gebäude erhielten einheitlichen, grauen Rauputz. Die vorher auf dem Dach der Riviera vorhandenen Balustraden wurden abgebaut, die Bogennischen im Inneren verloren ihre italienischen Landschaften. In den 1980er Jahren musste der Tanzsaal der Riviera gesperrt werden, die verbliebenen Räume wurden als Diskothek und als Nachtbar genutzt.
Nach der politischen Wende ging
die Immobilie in den Besitz des Bundes und damit an die Treuhandanstalt bzw. deren Nachfolgeeinrichtung, den Liegenschaftsfonds. Die Bewirtschaftung wurde aufgegeben, die Häuser geschlossen. Eine kurzzeitige Belebung des Grundstücks erfolgte, als im August 2000 ein Biergarten eröffnete, der jedoch bereits im Oktober wieder schließen musste.

Objekt Koralle

„Wir glauben an die Zukunft der Deutschen. Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt.“

Zeilen aus dem  Schwur der Verschwörer. Zeilen, verfasst  von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem bekanntesten der gescheiterten Hitler-Attentäter. Der Schwur war gedacht für die „Zeit danach“, einer Zeit nach dem „Führer“, die nicht zustande kam. Heute ist das Dokument nahezu vergessen. So wie die Stätte, an der es verfasst wurde – das „Lager Koralle“.

Dieses befand sich nur eine halbe Stunde nördlich von Berlin. Zwischen 1943 und 1945 hatte das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) hier sein Hauptquartier. Noch heute stehen die Ruinen. Von ihrer Existenz, versteckt im Wald, wissen nur wenige.

Das Objekt war zuerst als Marine-Nachrichtenschule gedacht und erhielt den Namen „Koralle“ erst später. Die Bauarbeiten begannen 1939 in dem stark bewaldeten Gebiet.

Aufgrund der immer größer werdenden Gefahr durch Fliegerbomben wurde beschlossen, die Führungszentrale des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM) aus Berlin in ein sichereres Gebiet zu verlegen. Am 30. Januar 1943 bezog es seinen Sitz im Lager Koralle. Wenig später wurde vor Ort auch die Hauptfunkstelle des Befehlshabers der U-Boote (BdU) eingerichtet. Damit liefen nun alle Nachrichtenverbindungen für den U-Boot-Krieg im bombensicheren Nachrichtenbunker der Station ein.

Nach dem Vormarsch der Roten Armee und Einkesselung Berlins erging am 19. April 1945 der Befehl zur Verlegung in das Ausweichquartier Objekt Forelle bei Plön und acht Tage später nach Flensburg-Mürwik.

Seit Jahrzehnten zieht sich das Moos über meterdicke Betonwände. Mutmaßlich sowjetische Soldaten  haben in kyrillischen Buchstaben Botschaften für die Nachwelt hinterlassen. Sie sprengten nach dem Sieg über Nazi-Deutschland die militärische Anlage  (andere Quellen sprechen von Zerstörung bereits durch die deutsche Wehrmacht). Es gab einen Flakbunker, einen Hochbunker und einen unterirdischen Bunker. In dem unterirdischen Bunker operierte die Zentrale des OKM. Hinzu kamen ein Offizierskasino, Baracken, mehrere Löschwasserteiche und andere kleinere Objekte. Die Gebäude waren zum Teil unterirdisch miteinander verbunden. Das Lager Koralle war mit zahlreichen Anlagen zur Telekommunikation ausgestattet.

„Koralle“-Kern  war der unterirdische, zwei Etagen tiefe Bunker.  Allein seine Bodenplatte war zwei Meter dick, die Seitenwände dreieinhalb Meter.  Hier war die Leitstelle der Marine untergebracht. Von hier aus steuerten die Nazis um Großadmiral Karl Dönitz (letzes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches) in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges Kampfschiffe sowie U-Boote, schickten noch hunderte Soldaten in den sinnlosen Tod.

Etwa 1500 Wehrmachtsangehörige und Zivilisten sollen laut Zeitzeugen 1944 im Objekt beschäftigt gewesen sein. Nach dem Krieg nutzte  die DDR-Bereitschaftspolizei die Ruine zum Training für den Häuserkampf. Und heute? Die Geheimniskrämerei ist groß. Denn es gibt trotz intensiver (erfolgloser) Suche noch immer Gerüchte, dass in der gut einen Quadratkilometer großen Anlage Schätze vergraben sind. Metertief gegrabene Löcher im Waldboden sind stumme Zeugen der hartnäckigen Jagd. 

Die Kleiderkammern des „Föhrers“

Langsam fahre ich an einer schmutzig-grauen Mauer entlang. Dahinter: eine Brache mit Büschen und Bäumen. Einen knappen Kilometer lang ist die Mauer, das riesige Gelände dahinter gehört zum ehemaligen Heeresbekleidungshauptamt der Wehrmacht – das Gebäude ist von der Straße aus durch das Gestrüpp kaum zu sehen.

Einem Trampelpfad folgend geht es hinein ins Dickicht. Mittendrin steht ein gewaltiger Klinkerbau. Kasernenartig, dreigeschossig plus Satteldach aus Beton. Die Steine in den Wänden sind teilweise herausgefallen, die meisten Fenster eingeschlagen, Türen stehen offen.

Eine steile Treppe führt nach oben. In jedem Stockwerk gibt es Flure mit unzähligen Räumen. Während des Krieges arbeiteten hier rund 1.300 Mitarbeiter, um die Uniformen der Wehrmacht herzustellen und zu lagern.

Bis Anfang der 90er Jahre diente der Komplex als Versorgungsdepot der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und steht nun seitdem leer: Bäume wachsen aus dem Dach, drinnen ist der Boden übersät von Glasscherben, Graffiti an den Wänden, irgendwo ein altdeutscher Schriftzug: "Rauchen verboten". Unter dem Dach haben sowjetische Soldaten wohl einst Basketball gespielt. Man erkennt es an der alten Feldmarkierung auf dem nackten Betonboden.

Die Wehrmacht unterhielt von 1938 bis Kriegsende in Bernau ein Heeresbekleidungshauptamt und ein Nebenamt. Hier wurden Uniformen Stiefel und weitere Ausstattungsgegenstände für alle Waffengattungen hergestellt und gelagert.

Nach dem Krieg nutzte die damalige sowjetische Armee (später GSSD) den Komplex als Nachschub- und Versorgungsdepot. Neben der Lagerung von Uniformen und Zubehör wurden eine Näherei und eine chemische Reinigung betrieben.

Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1991 vom Gebiet der ehemaligen DDR verfällt das als Sperrgebiet ausgezeichnete und bewachte Gelände.

Heeresversuchsstelle

Hier wurde die Kriegsführung zur Perfektion gebracht.
Wir begeben uns an eine Stätte, an der über Jahrzehnte und Regime hinweg Forscher, Industrielle, Politiker und Militärs zusammenfanden, um das Töten zu perfektionieren.

Kummersdorf war über Jahrzehnte eines der wichtigsten Experimentierfelder für Waffentechnik, die wohl vielfältigste Militärforschungsstätte der Welt. Auf diesem Boden wurden zwei verheerende Weltkriege vorbereitet. Auf diesem Boden begann die Raketenforschung, die zur Raumfahrt führte und zum Wettrüsten. Hier startete das deutsche Atomprogramm und entstand die weltweit erste Anlage für genormte Geländefahrzeugtests. Von hier aus koordinierten sowjetische Streitkräfte ihre Versorgungsflüge an die Frontlinie des Kalten Krieges. Die DDR präsentierte auf diesem Gelände ihre Rüstungsgüter für den internationalen Waffenhandel. Und Ex-Staatschef Honecker verbrachte hier 1991 seine letzte Nacht, bevor er nach Moskau floh.

All dies geschah im Verborgenen. In der öffentlichen Wahrnehmung und in der aktuellen Forschung kommt das bis heute schwer zugängliche, fast vergessene Gelände kaum vor.

Unzählige Bauwerke tarnen sich in diesem Wald – gewaltige Klumpen aus Stahl und Beton, eingerahmt und überwuchert von der Natur. Relikte, die wirken wie Ruinen einer untergegangenen Kultur. Es sind Beschussziele, Bunker, Lüftungsschächte, auch Bauten, deren Funktion bis heute nicht ganz klar ist

Ins Visier preußischer Militärstrategen war das Terrain schon kurz nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 geraten. Die Artillerie-Prüfungskommission suchte ein neues Versuchsgelände als Ersatz für Berlin-Tegel – wegen der wachsenden Zerstörungskraft und Reichweite der Geschütze, aber auch zum Zwecke der Geheimhaltung.
Fortan erprobte man im Staatsforst bei Kummersdorf Waffen und Munition, Brücken- und Festungsbauten, Feldeisenbahnen und bombende Luftschiffe. Bis auch der neue Schießplatz seine Kapazitätsgrenzen erreichte: Ein Geschütz des Rüstungskonzerns Krupp ließ eine 1000 Kilogramm schwere Granate 15 Kilometer weit fliegen. Noch bevor diese Kanone, die "Dicke Bertha", ausgetestet war, begann der Erste Weltkrieg. Die Erprobung erfolgte gegen Belgien.

Das Kriegsende 1918 hätte auch das Ende des "Schießplatzes Kummersdorf" sein sollen: Der Friedensvertrag von Versailles verbot den Deutschen die Entwicklung neuer Waffen. Doch stattdessen wurde auf dem Gelände die Geheimhaltung verschärft. Auf dem Reißbrett entstanden Waffen, Fahrzeuge und Ausrüstungen – und ab Mitte der Zwanzigerjahren wurde in Kummersdorf wieder geschossen. Das Heereswaffenamt wachte jetzt über Artillerie, Nachrichtentechnik und Panzer, die zur Tarnung "Großtraktoren" hießen.

Bis heute sind rund 4000 Bauwerke auf diesem Gelände entdeckt und kartografiert – aus der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und der sowjetischen Besatzung. Außer mit Waffen war auch mit Baumaterialien und -konstruktionen experimentiert worden. Zu den bemerkenswertesten Hinterlassenschaften zählen die Triebwerksprüfstände aus der Anfangszeit der Raketenforschung – Fragmente, wie es sie nirgendwo sonst gibt.

Was die russischen Truppen gebrauchen konnten, demontierten sie nach Kriegsende als Reparationen für ihre Heimat. Mehr noch interessierte sich die Besatzungsmacht für Personal und Unterlagen: Ab 1942 war der Sowjetführung bekannt, dass Physiker und Chemiker der Heeresversuchsstelle auch an einem Uranprojekt gearbeitet hatten.

Mit dem Krieg indes endete die Geheimniskrämerei in Kummersdorf nicht: Abermals wurde das Areal zur Sperrzone; in die Garnisonen zogen nun sowjetische Truppen. Nahe Wünsdorf, einst Sitz des Oberkommandos der Wehrmacht und dann der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, ließen sich die Besatzer von der DDR quer über die Schießbahnen einen Flugplatz bauen. 1994 erst zogen die letzten russischen Truppen ab.

Irgendwann zerfallen die Ruinen ganz oder werden von der Natur verschluckt.

Teil I

Teil II

Teil III

Teil IV

AvB

… und während um uns herum alles in sich zusammenbrach, zog lautlos, ohne musikalische Begleitung, eine ausschweifend tanzende Staubsaugerpolonaise durch das bizarre Inferno.

Zu Gast in den ehemaligen und mittlerweile stark einsturzgefährdeten Produktionshallen eines Draht- und Drahtseilherstellers.

Ho Chi Minh

Mit der Forderung zur Formierung von Grenzausbildungsregimentern (GAR) im GKM werden im April 1962 die ersten Wehrpflichtigen im GAR-39 der 1. Grenzbrigade eingezogen. Der Standort umfasst Holzbaracken aus dem Jahre 1952 am Standort einer ehem. VP-Reserveabteilung in Berlin-Rahnsdorf. Die neue Einheit erhält im Sommer 1962 die "Wettbewerbsfahne der FDJ" für "Hervorragende Leistungen bei der militärischen Sicherung des Grenzaustausches". In zentralen Ausbildungsstädten für die Stadt Berlin soll die Ausbildungskompanie mit ihren spezifischen Waffengattungszuordnungen für den Dienst an der Grenze vorbereiten. 1963 beginnt die Planung (Grundsteinlegung Sommer 1967) des neuen Ausbildungsstandorts in Großtafelfertigbauweise in Berlin-Rahnsdorf. Das Standorterscheinungsbild wird den zeitgleichen Neubauprojekten f.d. Regimentsstandorte im GKM ähneln. Im Dezember 1969 erfolgt die Standortübergabe. Die beiden GAR-39 und -40 bilden die Soldaten im Grundwehrdienst für den Grenzdienst und an der Kampftechnik für das GKM aus. Anlässlich des 80. Geburtstages des vietnamesischen Revolutionärs und Präsidenten Ho Chi Minh erhält die Kaserne diesen Ehrennamen. Seit 1. Februar 1989 wird die Ausbildungszeit von sechs auf drei Monate wegen der Geburtenschwachen Jahrgänge verkürzt, um den Auffüllungsstand in den GR zu erhöhen. Zeitgleich erfolgt von nun an die Einberufung vierteljährlich. Die Kasernenanlage hat eine Aufnahmekapazität von 1.500 AGT. Bis zum Ende der GT in Berlin bleibt der Standort des GAR-39 in Benutzung. Der heute ungenutzte Standort ist zum Teil baulich noch gut erkennbar erhalten.

 

    1.-5. Grenzausbildungskompanie, 1165 Berlin-Wilhelmshagen
    Nachrichtenkompanie, 1165 Berlin-Wilhelmshagen
    Medizinischer Stützpunkt, 1165 Berlin-Wilhelmshagen
    Kfz-Transportkompanie, 1165 Berlin-Wilhelmshagen
    Pionierkompanie, 1165 Berlin-Wilhelmshagen
    Bootskompanie, 1165 Berlin-Wilhelmshagen
    Kanonenbatterie
    Granatwerferbatterie

Bergwerk Friedrich Heinrich / Schacht 3 (Norddeutschland)

Mit dem Abteufen von Schacht 3 wurde 1927 das Feld Norddeutschland erschlossen. 1931 wurde das Feld Norddeutschland von der Aktiengesellschaft Friedrich-Heinrich übernommen – Schacht Norddeutschland hatte in diesem Jahr eine Teufe von 381m, desweiteren erfolgte ein Durchschlag zum Feld Friedrich-Heinrich. Von 1938 bis 1940 erfolgten weitere Teufarbeiten bis auf 474m – es dauerte jedoch bis 1960, bis Schacht Norddeutschland bis zur 3. Sohle in Betrieb genommen wurde. Bis 1985 erfolgten immer wieder Teufarbeiten, bis letztendlich 1988 der Anschluss an die 1000m Sohle erfolgte. Schacht Norddeutschland war bis 2007 als Seilfahrts- und Wetterschacht des Bergwerks Friedrich-Heinrich in Betrieb – 2007 wurde der Schacht abgeworfen und verfüllt.

 

(Text von Ingo, Fotografien von mir – Kaffee und Brötchen von der Tanke …)

Schacht 1 & 2 der Zeche Rossenray

Die Planungen und einige wenige Vorbereitungen im Hinblick auf die Zeche Rossenray erstreckten sich von Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1943 – erst dann wurden die Teufarbeiten zu Schacht Rossenray 1/2 aufgenommen. Das Ende des 2. Weltkriegs unterbrach die Arbeiten erneut – die Gewerkschaft Rossenray wurde liquidiert.

1957 wurden die Teufarbeiten zur Zeche Rossenray 1/2 erneut aufgenommen – 1963 wurde die Endteufe beider Schächte erreicht. 1969 erfolgte die Zusammenlegung der Direktionen Pattberg und Rossenray – 1971 folgte die Werksdirektion Rheinpreussen 5/9 in den Verbund und es enstand das Verbundbergwerk Rheinland. Die Übernahme der Förderung von Rossenray durch Friedrich Heinrich 1990 kann als Grundstein zum 1993 entstandenen Verbundbergwerk Friedrich Heinrich/ Rheinland angesehen werden. 2003 wurde der Bergwerksverbund in Bergwerk West umbenannt – das Bergwerk West umfasste in den letzten Betriebsjahren  nur noch die Friedrich Heinrich Schächte 1, 2 und 4 sowie die Rossenray Schächte 1 und 2.

Das Verbundbergwerk West wurde im Dezember 2012 stillgelegt.

 

(Text von Ingo, Fotografien von mir – Burger und Kaffee von BK)

Bergwerk West – Friedrich Heinrich

Der Name der Zeche basiert auf die 1862 an den Freiherr von Diergardt verliehenen Grubenfelder Friedrich und Heinrich – die Vornamen des Freiherrn von Diergardt. Im Jahr 1907 wurden die Teufarbeiten zur Zeche Friedrich Heinrich aufgenommen – Schacht 2 erreichte 1910 das Karbon, Schacht 1 1911. Im Jahr 1912 ging die Zeche Friedrich Heinrich in Betrieb – Schacht 1 fand Verwendung als Förderschacht, während Schacht 2 als Wetterschacht diente. Ebenfalls 1912 wurde auf dem Gelände des Bergwerks eine Kokerei erbaut.

1927 wurde mit den Teufarbeiten von Schacht 3 das Feld Norddeutschland erschlossen, welches 1931 von Friedrich Heinrich übernommen wurde. 1943 begannen im Feld Humboldt die Vorbereitungen zum Abteufen der Schächte 4 und 5, welche jedoch durch Kriegswirren bis auf Weiteres ausgesetzt werden mussten. Nach dem Wiederaufbau der durch Kriegseinwirkungen zerstörten Tagesanlagen konnten die Förderung sowie die Koksproduktion wieder aufgenommen werden. Das alte Fördergerüst über Schacht 1 wurde 1956 durch eine moderne Turmförderanlage mit Skipgefässen  ersetzt, zudem wurde mit den Teufarbeiten für Schacht 4 begonnen. Die vor dem Krieg an dieser Stelle geplante eigenständige Doppelanlage 4/5 war somit hinfällig.

1970 wurde die Zeche Friedrich Heinrich in die 1968 gegründete Ruhrkohle AG eingegliedert – das Bergwerk gehörte somit zur Bergbau AG Niederrhein. 1978 erfolgte in Folge einer Kapazitätsanpassung zur Koksproduktion der RAG die Stillegung der Kokerei. Ab 1990 gab es einen Förderverbund zwischen Friedrich Heinrich und den Zechen Rheinland und Rossenray. Der endgültige Zusammenschluss mit dem Verbundbergwerk Rheinland zum Verbundbergwerk Friedrich Heinrich/ Rheinland folgte 1993. Die Förderung der Baufelder kam auf Friedrich Heinrich zu Tage – in Folge dessen wurden die Förderanlagen des Bergwerks Rheinland bis auf Rheinpreussen 8 und 9 stillgelegt. Ab 2002 erhielten die verbliebenen Förderstandorte im Verbund mit Hauptförderstandort Friedrich Heinrich den Namen Bergwerk West.

Die Stillegung des Verbundbergwerks West erfolgte im Dezember 2012.

 

(Text von Ingo, Fotografien von mir – Kaffee und Brötchen von der Tanke)

Fort IX – Westhoven

Das Fort wurde im Zeitraum 1877 bis 1881 erbaut.
Es gehört zu den 4 rechtsrheinischen Forts.
Bereits sieben Jahre nach der Fertigstellung mußte das Fort teilmodernisiert und verstärkt werden (Brisanzgranatenkrise).
Die Decke der Kehl-und Spitzenkaserne erhielt eine Verstärkung in dem man ein Sandpolster von 1m Dicke und eine Stampfbetonschicht von 1,20m aufbrachte.
Die Kehlstreiche und die Spitzgrabenwehr wurde beseitigt.
Es wurde in die Kontrescarpe eine Grabenstreiche installiert.
Später wurde der Wall von der bisherigen Artillerieaufstellung in eine Infanteriestellung umgewandelt.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde Köln durch Britische Truppen besetzt.
Gemäß Versailer Vertrag begann 1920 (linksrheinisch) die Schleifung der Festung Köln.
Die Forts spielten keine Rolle mehr und verwaisten.
In der Nachfolgezeit spielten die Forts keine Militärstrategische Rolle mehr.
Die Nazis nutzten das Fort IX als "Freiwilliges Arbeits- und militärisches Früherziehungslager" für jugendliche Abiturienten der NSDAP.
Aus dieser Zeit zeugt noch die Inschrift Lager … (Hitler wurde entfernt)
In der Nachbarschaft zum Fort baute die Wehrmacht eine Kaserne, anschließend wurde die Restfestung ins Kasernengelände intergriert und war somit für Zivilisten gesperrt.
Während des Krieges (1943) wurden Zwangsarbeiter in das Fort einquartiert.
Diese mußten die zerbombten Bahnanlagen, welche in unmittelbarer Nachbarschaft vorhanden waren, instandsetzen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Fort durch Belgische Streitkräfte als Pferdestall und Schießstand genutzt (bis 1998).
Anschließend betrieb dort ein privater Nutzer einen Reitstall.
Heute befindet sich das Fort in einem Dornröschenschlaf und verfällt zusehens.
Eine zivile Nutzung könnte den weiteren Verfall stoppen, der Prinz in Form eines Investors läßt aber noch auf sich warten.

Zahlen-Daten-Fakten
Bezeichnung:     Fort IX
Bewaffnung:     4 x 8cm Kanonen zur Frontgrabensicherung
6 x 9cm Kanonen
4 x 15cm Kanonen
Für die Anschlußbatterien waren 4 x 12cm und 4 x kurze 15cm Kanonen vorgesehen
Besatzung:     Als Artilleriefort ca. 900 Mann. Die Besatzungsstärke wurde nach Umwandlung in ein Infanteriefort erheblich reduziert.
Größe:     285 x 165m (jeweils von den äußersten Mauerteilen gemessen)
Mauerstärken:     ca. 1 – 3m
Deckenstärken:     Standardmaß: 1m Ziegelmauerwerk – 1m Sandpolster – 1,20m Beton – 0,50m Erde
Aufzug:     max. 9,5m
Graben:     9m breit/ca. 6,50m tief
Entfestigt:     13.03.-25.10.1922
Besonderheiten:     
offene Mauer am Anschluß der Kehlgrabenwehr

Das Fort befindet sich heute im Besitz des Bundes (Bundesvermögensamt).
Im Mai/Juni 2005 wurde das Fort an eine Filmgesellschaft vermietet.
In den Kasematten wurden Kulissen in Form von Luftschutzkellern (WK2) und Kellerräumen eingebaut.

(koelner-festungsbauten.de)

Zeche Ewald

Die Anfänge des Bergwerksunternehmens gehen zurück auf die am 14. November 1871 in Herten gegründete Gewerkschaft Ewald, die nach dem Essener Gewerken Ewald Hilger benannt wurde. Als weiterer Namensgeber für die am 12. März 1872 in Recklinghausen gegründete Gewerkschaft König Ludwig fungierte der Bayernkönig Ludwig II. Die Gewerken drückten hiermit ihren Dank aus, daß Ludwig II. Wilhelm I. zur Übernahme der Kaiserkrone bewogen hatte.

1871 – Konsolidation der Grubenfelder Professor, Augusta, Emilie, Gottfried und Jobst zum Bergwerk Ewald und Gründung der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald zu Herten in Westfalen durch die Essener Gewerken Wilhelm Hagedorn, Ewald Hilger, Hugo Honigmann, Dr. jur. Karl Heyden und Wilhelm Schürenberg

1872 – Umbenennung der Zeche Ver. Henriettenglück in König Ludwig und Gründung der Gewerkschaft König Ludwig; erster Grubenvorstand: Friedrich Funke, Friedrich Grillo, Wilhelm Hagedorn, Wilhelm Heyland, Ewald Hilger, Josef Tillmann

1898 – Erwerb der markscheidenden 13 Felder der Zeche Prinz Friedrich Karl I-XIII der Gewerkschaft Henrichenburg

1899 – Ankauf der vier Geviertfelder des Steinkohlenbergwerks Graf Waldersee und des Geviertfeldes Vereinigung I

1900 – Vereinigung dieser mit dem Geviertfeld Ewald-Fortsetzung

1902 – Übergang der Kuxenmehrheit der Gewerkschaft der Zeche Haus Aden auf die Gewerkschaft Ewald

1903 – Auflassung des Steinkohlenbergwerks Ewald-Fortsetzung auf die Gewerkschaft Ewald

1905 – Konsolidierung des Bergwerks Henrichenburg mit der Gewerkschaft König Ludwig

1914 – Ankauf der Reederei und Kohlengroßhandlung Winschermann & Co. in Mülheim (Ruhr) bzw. Duisburg-Ruhrort

1925 – Erwerb der Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Blankenburg und Ver. Hammerthal, Stilllegung der beiden Zechen

1930 – Ankauf von 280 Kuxen der Gewerkschaft König Ludwig, gemeinsame Leitung beider Gewerkschaften

1932 – Erhöhung der Beteiligung auf 504 Kuxe

1935 – Verschmelzung der bisherigen Gewerkschaften Ewald und König Ludwig und Gründung der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig

Eine entscheidende Wendung nahm die Geschichte des Unternehmens, als die Bergbau-AG Ewald-König Ludwig am 1. April 1940 dem Verkaufsverein Steinkohlengewerkschaft der Reichswerke Hermann Göring/Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb beitrat. Daraus resultierte die Zugehörigkeit der Gesellschaft zum Reichswerke-Konzern.

Da die Nachfolgegesellschaft der Reichswerke, die Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe, Berlin und Salzgitter, rund 90 % des Aktienkapitals der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig besaß, genehmigte die Hauptversammlung des Bergbauunternehmens 1956 den Abschluss eines Organschaftsvertrages mit der Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe.

Drei Jahre später, am 14. November 1959, wurde der Name der Gesellschaft in Ewald-Kohle AG geändert. Ihre Bergbaubetriebe gliederten sich nunmehr in die Bergwerksdirektion Ewald mit der Zentralschachtanlage Zeche Ewald 1/7 in Herten und der Zeche Ewald 3/4 in Gelsenkirchen-Buer-Resse, in die Bergwerksdirektion Ewald-Fortsetzung mit der Zentralschachtanlage Zeche Ewald-Fortsetzung 1/5 in Oer-Erkenschwick, in die Bergwerksdirektion König Ludwig mit der Zentralschachtanlage Zeche König Ludwig 7/8 in Recklinghausen-Suderwich sowie den Schachtanlagen König Ludwig 1/2 und Grullbad-Schacht in Recklinghausen-Süd.

Die fast 100-jährige Geschichte des Unternehmens endete nach der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) am 27. November 1968 mit der Übernahme in die Bergbau AG Essen (17. November 1969) und nach deren Auflösung in die Bergbau AG Herne-Recklinghausen (1. Januar 1972).

In den Jahren 1972 bis zur Schliessung 2000 erfolgten noch mehrere Zusammenlegungen der Zeche Ewald mit den Zechen Schlägel und Eisen sowie Zeche Hugo.

 

Zu den Fotos

Zeche Schlägel & Eisen

Die 126-jährige Tradition des Bergwerks Schlägel und Eisen endete mit der Stillegung im Jahr 2000 – ein Grossteil der Tagesanlagen der ehemals 8 Schächte umfassenden Anlage ist eingeebnet. Ein Gebäudeensemble um Schacht 3 ist erhalten, einige Bauwerke am Standort 5/6, sowie der Gebäudebestand an Schacht 8 werden saniert und einer Nachnutzung zugeführt. Alles in Allem ein trauriger Rest der Zeche Schlägel & Eisen – auf Hochglanz saniert ein lustiger Spielplatz, der nicht ansatzweise die niedergegangene Bergbautradition im Ruhrgebiet wiederspiegelt.

 

Text von Ingo, Fotografien von mir – Brötchen und Kaffee von der Tanke

Schacht 3 Zeche Ewald Fortsetzung – Bergwerk Blumenthal-Haard

Das Bergwerk, anfangs Graf Waldersee, später Ewald Fortsetzung genannt, ging 1902 in Förderung. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Zeche weiter ausgebaut. Auf dem Gründungsareal nahe des Ortszentrums entstand die Anlage Ewald Fortsetzung.

1902 wurde mit dem Abteufen von Schacht 3 begonnen, der 1904 mit einem Deutschen Strebengerüst in Betrieb ging.

In den 1930er Jahren führten Absatzschwierigkeiten infolge der Weltwirtschaftskrise dazu, dass Ewald Fortsetzung von 1931 bis 1938 stillgelegt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fördermenge auf das bis dahin höchste Jahresergebnis gesteigert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Förderung von Steinkohle bei knapp 4.500 Beschäftigten um eine Million Tonnen.

1969 wurde die Zeche Ewald Fortsetzung mitsamt Kokerei in die neugegründete Ruhrkohle AG eingegliedert. Die höchste Förderleistung der Zeche wurde 1974 mit knapp 1,47 Millionen Tonnen erreicht. 1975 erfolgte ein Durchschlag zur Zeche General Blumenthal.

Am 1. Oktober 1992 wurde die Zeche Ewald Fortsetzung mit der Zeche General Blumenthal zum Bergwerk Blumenthal/Haard zusammengelegt. Die Schächte 1/2/3 sowie 4/5 wurden als Bergwerk Haard weitergeführt.

1997 wurde Schacht 2, 1999 die Schächte 1, 3, 4 und 5 verfüllt. Im Anschluss daran erfolgten die Abrissarbeiten.

Übriggeblieben sind die Verwaltungs- und Sozialgebäude, wodurch das Erscheinungsbild der Straßenfront in etwa erhalten blieb. Von den eigentlichen Betriebsanlagen blieb der Schacht 3 mit einem Deutschen Strebengerüst und der Schachthalle erhalten. Er soll noch restauriert werden und ist nicht frei zugänglich. Das restliche Gelände ist abgeräumt und liegt brach. Daran wird sich mittelfristig wohl nicht viel ändern.

Zur Fotogalerie

Re-Visit bei Sonnenschein

Zeche Westerholt – Bergwerk Lippe

1907 wurde in Gelsenkirchen mit dem Abteufen der Schachtanlage Westerholt 1/2 begonnen – 1910 wurden deutsche Strebengerüste über den Schächten errichtet und die Zeche Westerholt nahm den Betrieb auf. 1912 erfolgte die Inbetriebnahme einer Kokerei.

1927 ging die Zeche Westerholt in den Besitz der Hibernia AG über, 1929 wurde die Kokerei erweitert. 1930 wurde in der Nachbarschaft der Zeche Westerholt das Baufeld Polsum erschlossen und sollte mit einem Doppelschacht eigenständig in Betrieb gehen – 1941 wurden die Teufarbeiten zum ersten Förderschacht Polsum 1 aufgenommen. Durch die Kriegsereignisse kamen die Arbeiten an Polsum 1 1943 zum erliegen – nach dem Krieg wurde das Baufeld Polsum der Zeche Westerholt angeschlossen, der Schacht Polsum 1 ging als Nebenschacht von Westerholt 1949 in Betrieb.

1952 wurde westlich der Zeche Westerholt die Kokerei Hassel errichtet, 1953 erfolgte nach Inbetriebnahme von Hassel der Abbruch der alten Kokerei Westerholt. 1956 wurde auf dem Gelände der alten Kokerei mit den Arbeiten am Zentralförderschacht 3 begonnen – ausgerüstet mit Gestellförderung ging das Schwestermodell des Schachtes General Blumenthal 11 1961 in Betrieb.

1969 folgte die Übernahme der Zeche Westerholt in die Ruhrkohle-AG. 1968 wurdeSchacht Altendorf im Baufeld Polsum niedergebracht – 1970 wurde der Schacht Altendorf in Betrieb genommen. 1980-81 wurde das Baufeld Polsum durch den Schacht Polsum 2 weiter erschlossen. 1987 bis 1991 wurde Schacht 1 als zentraler Seilfahrts- und Materialschacht tiefer geteuft und mit einem neuen Förderturm überbaut.

1998 nach der Übernahme durch die Deutsche Steinkohle AG erfolgte die Zusammenlegung der Bergwerke Westerholt und Fürst Leopold zum Bergwerk Lippe.

Mit dem Bergwerk Lippe schloss 2008 das letzte fördernde Steinkohle-Bergwerk in Gelsenkirchen.

Text von IngoFotografien von mir – Catering von McD

Re-Visit

Der Zauberberg

 

1910 wurde die Klinik für Tuberkulosekranke mit 100 Betten eröffnet. Baukosten: 510 000 Mark. Drei Jahre später wurden immer mehr Kinder aufgenommen, so dass sich die Klinik zur Kinderheilstätte entwickelte. 1927 eröffnete man das Haus II für Jugendliche mit besonders ansteckender Tuberkulose, 1930 den Kinderpavillon und das Infektionshaus 1936. Ebenso entstanden Krankenhallen und Schulgebäude. Eine Art Zauberberg wie in dem berühmten Roman von Thomas Mann, in dem er die Welt in einem Sanatorium in Davos erzählt. 1945 wurde die Klinik bei einem Bombenangriff schwer getroffen. In den Folgejahren entstand beim Wiederaufbau auch ein zusätzliches Schwesternwohnheim und ein exzellent eingerichtetes Labor. Als die Anzahl der Tuberkuloseerkrankungen in den Nachkriegsjahren abnahm, baute man den Komplex zu einem pneumologischen Fachkrankenhaus aus. 1977/78 errichtete man ein Seniorenheim für schwere und schwerste Pflege. 2006 war Schluss. Nach Insolvenzen, Gerichtsverfahren und Investitionsstau musste die Klinik den Pflegebetrieb endgültig einstellen. Es kam, wie es kommen musste: Das 21-Hektar Areal blieb sich selbst überlassen und verrottete …

Krebsholl

 

1833 als Tuchfabrik errichtet, wurde das Industriegebäude 1898 in eine Papierfabrik für Fahrkartenkarton und Tapetenpapier umgewandelt. Zu der Betriebsausstattung gehörten zwei Rundsiebmaschinen, eine Längssiebmaschine und eine 650 PS starke Tandemdampfmaschine der Firma MAN zum Antrieb der Papiermaschinen. Die Elektrifizierung der Fabrik erfolgte 1912. Es wurde eigener Strom durch ein Dampfturbinenaggregat erzeugt, das wohl zu den ersten in Deutschland zählen dürfte. Das Hauptaugenmerk der Firma ab 1927 war die Produktion von Papiersäcken für Zement, der zuvor üblicherweise in 100 kg Fässern transportiert wurde. In Zusammenarbeit mit Maschinenbauern wurden Prüf- und Fertigungsmaschinen für die Säcke entwickelt, die im Zweiten Weltkrieg massenhaft für rüstungstechnische Baumaßnahmen benötigt wurden. Auch in der Nachkriegszeit war der Bedarf an Zementsäcken enorm, so dass die britischen Besatzer 1948 die Erlaubnis für die Wiederaufnahme der Produktion erteilten. 1952 wurde die Dampfturbine durch eine neue der Firma AEG ersetzt. Die Produktion wurde Ende 1970 eingestellt, seitdem verfallen die Gebäudetrakte.

Re-Visit

Reste der ehemaligen Glashütte

Viel steht hier nicht mehr auf dem riesigen Areal der 1864 gegründeten Glashütte. Im Jahre 2005 wurde die Produktion auf dem Gelände des ehemals weltgrössten Flaschenproduzenten eingestellt und 2009 begannen die Abrissarbeiten der Produktionshallen. Übriggeblieben sind drei Industriebauten, die unter Denkmalschutz stehen: der markante Glasturm, Wahrzeichen der alten Glashütte mit dem blauen, gekrönten G, ein Kesselhaus und die ehemalige Elektrozentrale.

Zwieback und Kekse

 

Wer an Zwieback denkt, denkt an „Brandt“ und das lächelnde Kind auf der orangefarbenen Packung.

Eines der bedeutendsten Unternehmen der deutschen Dauerbackwarenindustrie ist die Firma Brandt Zwieback-Biskuits-GmbH. Sie wurde 1912 von Carl Brandt als Zwieback- und Keksbäckerei gegründet und erhielt zunächst den Namen "Märkische Zwieback- und Keksfabrik". Ziel des Gründers war es, den Zwieback bei rationeller fabrikmäßiger Herstellung, günstigem Preis und bestmöglicher Qualität zu einem Volksnahrungsmittel zu entwickeln. Diese Betriebsphilosophie zeigte schnell Erfolge. Aus der Anfangsbelegschaft von 6 Personen entstand innerhalb weniger Jahrzehnte ein Unternehmen mit zeitweise über 2000 Beschäftigten. Neben Zwieback und Keksen kam schnell noch ein drittes Standbein, Waffeln, hinzu. 1933 wurden große Fabrikgebäude aus Backstein errichtet, die heute noch ortsbildprägend sind. 90 Jahre nach der Gründung wurde die gesamte Produktion aus dem Stammwerk nach Ohrdruf (Thüringen) verlegt.

Durch den steuersubventionierten Umzug wurden fast 500 Mitarbeiter arbeitslos. Im Jahr 2002, dem 90-jährigen Firmenjubiläum, weihte Brandt sein neues Zwieback-Werk in Ohrdruf, Thüringen, ein. Der letzte Zwieback im alten Werk lief am 5. Dezember 2003 vom Band. Von den 500 Mitarbeitern zogen nur vier mit nach Ohrdruf. 180 neue Mitarbeiter wurden dort eingestellt. Durch den Neuaufbau der Produktion hatte Brandt ein Jahr lang Probleme mit der Qualität, die nur aufgrund des Bekanntheitsgrads des Produktes nicht zum Niedergang der Firma führten.

Fotogalerie I

Fotogalerie II

Fotogalerie III

Der alte Bahnhof

 

Irgendwo im Bergischen. Ein 1886 eröffneter und mittlerweile längst vergessener Bahnhof an einer seit 1979 stillgelegten Strecke. Die Gleise liegen noch, da sie unter Denkmalschutz stehen. Hier fährt kein Zug mehr ab, hier kommt kein Zug mehr an. 1971 kollidierten auf dieser Trasse zwei Züge. Bei dem bis dahin folgenschwersten Eisenbahnunfall der westdeutschen Nachkriegsgeschichte starben 46 Menschen, davon 41 Kinder.

Zur Fotogalerie

Ghost Town

 

Aufgereiht wie an einer Perlenschnur liegen in den sogenannten Wupperorten teils verwitterte Zeugnisse der einst bedeutenden Textilindustrie, historisch gewachsen mit unterschiedlichen Baustilen aus verschiedenen Epochen.
Ursprünglich hatte an der Wupper die Eisenindustrie mit ihren Hammerwerken ihre Heimat, bis sich die Textilindustrie ansiedelte. Zwischen 1815 und 1830 kaufte der Industrielle Adolf Bauendahl das Gelände auf, um hier eine Tuchfabrik zu betreiben. Lange hielt sich Bauendahls Tuchfabrik nicht, denn 1855 bereits wurde der Betrieb stillgelegt. Elf Jahre später erwarb die Firma Johann Wülfing & Sohn das Gelände, um die Fabrik zu einer Streichgarnspinnerei umzubauen. Um die Jahreswende 1883/84 scheiden Rudolf und Robert Hardt aus der Firma Johann Wülfing u. Sohn aus und übernehmen das bisherige Werk zusammen mit Theodor Pocorny unter dem neuen Firmennamen "Hardt, Pocorny & Co". Als erste Fabrik in Deutschland überhaupt, erhielt die Firma Hardt, Pocorny & Co im Jahr 1890 Glühlampenbeleuchtung, die die bis dahin gebräuchliche Gasbeleuchtung ablöste. Die 1921 gebaute Wehranlage an der Wupper mit zwei gewaltigen Turbinen zur Stromversorgung produziert auch heute noch Strom für das Netz der RWE.
Ebenfalls in weiten Bereichen noch erhalten, die ehemalige Textil- und Tuchfabrik Peter Schürmann & Schröder, direkt am Fluss gelegen, mit überdachtem Eingansbereich.
Seit der Schließung von "Hardt & Pocorny" im Jahr 1974 ist es in dem Wupperort sehr ruhig geworden …
 

Der verlassene Lokschuppen

 
Es gab Zeiten, da war hier noch mächtig Betrieb und Dampf.
Heute liegen nicht einmal mehr Schienen zum alten Lokschuppen, der jetzt seinen Dornröschenschlaf hält.
Für eine Zeit war hier ein LKW-Händler ansässig, aber der ist auch wieder weg.
Das Gelände wurde derart verändert, dass vom ehemaligen Bahnbetriebswerk nichts mehr zu erkennen ist.
Früher gab es hier zwei Drehscheiben, den achtständigen Lokschuppen und eine große Bekohlungsanlage.

Betriebswerk Steinbeck

Das Bahnbetriebswerk Steinbeck wurde von der preußischen Bahnverwaltung 1915 ganz neu aufgebaut und löste somit die etwas weiter östlich liegenden Bauten aus der Zeit um 1841 ab. Hinzu kamen in den Zeiten des letzten Weltkrieges noch zwei Deckungsgräben zum Schutz der Arbeiter auf dem Gelände. Auch in Steinbeck wurde der Dampf im Laufe der Zeit immer weniger. Man stieg erst auf Öl und später ganz auf Diesel um. Der weithin sichtbare Wasserturm wurde eine Zeitlang für die Versorgung des nahegelegenen Schlachthofes genutzt und später dann abgerissen. Am 01.03.1971 wurden die beiden Betriebswerke Steinbeck und Vohwinkel zum Betriebswerk "Vohwinkel" zusammengefaßt und am 01.04.2002 komplett aufgelöst.

re-visit

last visit

Zeche Hasard

 

Die stillgelegte Zeche Hasard (oder Cheratte 10) befindet sich in der Wallonischen Region in Belgien.
Der erste Schacht zur Gewinnung von Steinkohle wurde im Jahre 1850 gelegt, aber nach einem Unfall im Jahre 1877 wieder geschlossen. Die Wiedereröffnung erfolgte dreißig Jahre später, im Jahr 1907, und bis 1977 wurde dort Kohle gefördert; die Zeche war mit vier Schächten das wichtigste Unternehmen der Société anonyme des Charbonnages du Hasard. Durch Urban Exploration ist die Zeche auch im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert noch bekannt. Eine Sanierung des Geländes und der Abriss einiger Gebäude sind zwischen 2014 und 2015 geplant.
 
Der Schacht 'Puits No 1' wurde 1907 bis 170 m abgeteuft. Darüber wurde ein bemerkenswerter Malakow-Turm errichtet, der bis heute erhalten geblieben ist. Der ursprünglich über Schacht 2 (Teufe 313 m) stehende Stahl-Förderturm aus dem Jahre 1923 wurde nach der Stillegung der Grube abgerissen. Der mit 480 m tiefste Schacht 3 aus dem Jahre 1938 war ursprünglich zur Turmförderung konzipiert, wurde aber zu einem Fördergerüst mit seitlicher Abstützung und Flurfördermaschine (Bobine) umgebaut. Über den oberhalb der eigentlichen Anlage stehenden Schacht 'Puits Hoignée' wurde Abraum transportiert. Der Abraumförderstollen mündet direkt an Schacht 1 unterhalb des Malakow-Turmes. Die Grube wurde 1977 geschlossen. Sie steht unter Denkmalschutz und verfügt teilweise noch über maschinelle Ausstattung. Insgesamt sind 3 Schächte erhalten, von denen sich 2 unmittelbar auf der Anlage befinden.
 

Vom Stiefeleisen zum Systemknoter

Das 2009 aufgegebene Fabrikgelände am Solinger Stöcken bildet mit einer Größe von rund 60.000 Quadratmetern heute die größte brachliegende Gewerbefläche der Stadt.

1827 gründete der Landwirt und Kleineisenschmied Peter Daniel Rasspe in Schulkohlfurt (Cronenberg, heute Wuppertal) eine Firma, die sich mit der Fabrikation von Stiefeleisen befasste. Unter Stiefeleisen sind Einfassungseisen für die Absätze von Stiefeln und Landarbeiterschuhen zu verstehen. Auch gewöhnliche Straßenschuhe wurden mit solchen Eisen versehen. Mehrere Schmiedebetriebe der Umgebung waren mit der Herstellung solcher Eisen befasst.

Sowohl die günstige Absatzsituation in den Jahren 1840 bis 1860 als auch verbesserte technische Verfahren (Gesenkschmieden), erforderten einen stetigen Ausbau der Fabrikationsräume und eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten. Anfang der 1860er Jahre reichten die Flächen des alten Standortes nicht mehr aus und man plante einen Fabrikneubau in städtischer, verkehrsgünstigerer Lage. Schließlich konnte man aber in Stöcken bei Solingen ein in Konkurs gefallenes Gut aus der engen Verwandtschaft günstig übernehmen, obwohl dieser Standort verkehrstechnisch keine Verbesserung darstellte. Aber hier waren genügend Reserveflächen zur Betriebserweiterung vorhanden.  Die Söhne Johann Abraham und Peter Isaak führten das Unternehmen zu einem der größten Industriekomplexe in Solingen – mit dem auf der ganzen Welt berühmten Markenzeichen, die „Pfeife“, das 1868 in das Mustergericht eingetragen wurde.

In den 1860er und 1870er Jahren wurde die Produktpalette auf Tafel- und Schlachtmesser, Sägen sowie Häcksel- und Rübenmesser ausgedehnt. Als die Industrialisierung fortschritt und Rasspe die Fertigung modernisierte und fabrikmäßig organisierte, mussten die Produktpalette und die Absatzmärkte erneut ausgedehnt werden, um die hohen, erforderlichen Investitionen tätigen zu können. So kamen planpolierte Kupfer- und Zinkplatten zum Angebot hinzu. Der Durchbruch kam jedoch erst, als Rasspe noch zusätzlich auf die Herstellung von Zubehör- und Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen umstellte. Das Sortiment stieg in den 1920er Jahren auf über 40 000 Produkte an, die bis 1958 über ein Werksgleis zum damaligen Solinger Nordbahnhof und von dort in die ganze Welt versandt wurden.

In den 1930er Jahren profitierte Rasspe von den Bemühungen des NS-Regimes, die landwirtschaftlichen Erträge durch Maschineneinsatz zu steigern. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bot die fortgesetzte Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft bis Anfang der 1960er Jahre der Firma Rasspe ein wachsendes Auskommen. So kamen 1962 noch Knoter für Hochdruckpressen zur Produktpalette hinzu.

Die Rationalisierungen der folgenden Jahre, ermöglicht durch den Einsatz von großen, leistungsfähigen Landmaschinen, ließ es bei Rasspe kriseln. In ernsthafte Schwierigkeiten geriet das Unternehmen, als immer mehr Konkurrenten dazu übergingen, für ihre Maschinen eigene Ersatzteile anzubieten. Die Zahl der Mitarbeiter fiel zwischen 1960 und 1998 von 1.000 auf 261, denn auch der Vertrieb neuer Produkte brachte keinen dauerhaften Erfolg. 1999 musste der Betrieb schließlich Insolvenz anmelden.

Der Baubestand der Fa. Rasspe spiegelt im beschriebenen Umfang mehrere Epochen Industriearchitektur wider.
Von der Reformarchitektur der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über die für die Epoche des Industriebaus des Dritten Reiches wichtigen Anlagenteile bis zu dem eher konservativen Bau der Verwaltung der Mitt-Zwanziger und zum Funktionsbau des Lagers sprechen die Bauwerke eine jeweils zeittypische, qualitätvolle Sprache. Die Industriebauepoche von 1900 bis zur Nachkriegszeit nach 1945 ist hier repräsentiert. Der Werkshof mit seiner vereinheitlichten Architektursprache kann als besonders qualitätvolles Beispiel einer Werksinnenbebauung gelten.

Revisit

 

 

Eine der ersten Gussstahlfabriken stand im Bergischen.

Der Neuenhammer im Eschbachtal wurde bereits Ende des 16. Jahrhunderts als Hammerwerk in Betrieb genommen. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Hasenclever mit seinem niederländischen Partner Burlage hier eine der ersten Gussstahlfabriken. Später siedelte sich dann die Firma Schulte hier an, die Kugeln und Rollen herstellte.
Weiter bergauf liegt der Luhnshammer, ein Hammer mit Schmiede aus dem 17. Jahrhundert. Vor wenigen Jahren war hier noch ein Kunstschmied tätig und man konnte die denkmalgeschützte Schmiede besichtigen. Die drei Kellershämmer wurden 1692 erstmals unter dem Namen "Kellnershämmer" urkundlich erwähnt, benannt nach ihrem Begründer, dem damaligen Kellner von Burg. Er führt Buch über die Mühlen, Schleifkotten und Hämmer im Herzogtum.
Die Kellershämmer haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Lange Zeit wurden sie von der Familie Hasenclever betrieben, dann von Steffens, der hier Maschinenmesser herstellte, später übernahm die das Alexanderwerk. Im Zweiten Weltkrieg musste das Alexanderwerk auf behördliche Anordnung die Kellershämmer wieder verkaufen, Rasspe wurde der neue Inhaber.
Nachdem Rasspe "auf Befehl von Oben" das Werk mit eigenem Bahnanschluss übernahm, wurden auch
diese zwei Werkluftschutzstollen in den Berg getrieben. Sie konnten jedoch nicht mehr vor Kriegsende fertiggestellt und miteinander verbunden werden.