Schiefergruben Egon – U-Verlagerung Gangfisch

Die Schiefervorkommen des Nuttlarer Reviers gehören den sogenannten Flinzschichten an, die hier die Grenzschichten des höchsten Mitteldevons (Givet) zum Oberdevon (Adorf) bilden. Sie bestehen aus einer Wechselfolge von Tonschiefern und Kalksteinbänken, die auf der Nordflanke des Ostsauerländer Hauptsattels vielfach gefaltet auftreten. Die einzelnen Schieferlager erreichen Mächtigkeiten von 3 bis etwa 15 Metern und werden durch Kalklagen von Dezimeter- bis einigen Metern Stärke voneinander getrennt. Entsprechend der Faltung fallen die Schichten ganz unterschiedlich ein; z. T. liegen sie auf den Sattelnordflanken auch überkippt. Die Schieferung dagegen zeigt im gesamten Revier ein recht gleichmäßiges Einfallen von 35-45° nach Südosten. Die Qualität der einzelnen Schieferlager war unterschiedlich: Einige Lager zeigten gut spaltbare Schiefer, die zur Dachschieferherstellung geeignet waren, aus anderen Lagern ließen sich nur dickere Platten gewinnen. Derartige stärkere Schieferplatten waren zeitweilig das Hauptprodukt der Schiefergruben im Nuttlarer Revier. Sie wurden als Tischplatten, Treppenstufen, Wandverkleidungen usw. verwandt. Der Abbau und die Bearbeitung derartiger Platten konnten schon relativ früh mechanisiert werden.

Der Schieferbergbau im Nuttlarer Revier lässt sich bis mindestens in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen: Im Jahre 1590 wurden „Schiefersteinkuhlen“ bei Antfeld gegen eine Summe von 400 Reichstalern verpfändet. 1606 fordert der Freiherr von Fürstenberg Schiefer aus Antfelt für den Bau seines neuen Sitzes an. Im Anfang des 18. Jahrhunderts war der Antfelder Schieferbergbau offenbar gut organisiert. Die Brüche waren in fünf Betriebe aufgeteilt, die an jeweils vier „Bergknaben“ verpachtet waren. Im Jahre 1706 wurden beispielsweise aus allen Gruben zusammen 399 Fuder Schiefer gefördert, die auch in die weitere Umgebung bis nach Soest, Beckum oder Paderborn geliefert wurden. Die Verwaltung der Gruben und der Verkauf wurde zentral von der Antfeld´schen Gutsverwaltung vorgenommen. Der Verkaufserlös betrug für das Fuder Dachschiefer 1,70 bis 2 Reichstaler, wovon die „Bergknaben“ 1 Reichstaler erhielten.

Im 19. Jahrhundert betrieben die Pächter dagegen die Gruben auf eigene Rechnung und mußten feste Förderzinsen entrichten. Bis zum Jahre 1850 hatten sich die Schiefergrubenpächter in Antfeld, zeitweilig unter Beteiligung von englischem Kapital, zu zwei Gesellschaften zusammengeschlossen, die vornehmlich die beiden Gruben „Egon“ und „Antfelderbruch“ betrieben. In der Blüte des Schieferbergbaus wurden im Ort bis in die 1940er Jahre sieben Stollen betrieben.

Seit etwa der Jahrhundertwende stagnierte die Entwicklung der Gruben, weil einerseits ein Teil der Märkte durch neue Zollbestimmungen in verschiedenen Nachbarländern verlorenging und andererseits bei meist stagnierenden, teilweise sogar sinkenden Erlösen für die Schieferprodukte die Lohn- und Sozialkosten deutlich stiegen. So führte z. B. die Verkürzung der Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden bei der Nuttlarer Aktiengesellschaft zu einem Produktionsrückgang von 10%. Zu dieser Zeit betrugen die Schichtlöhne der Arbeiter knapp 3 Mark. Ein zusätzliches Einkommen erlangten die Bergleute dadurch, dass sie in der Freizeit Kleinlandwirtschaft betrieben oder anderen Nebenbeschäftigungen nachgingen. Die Arbeiter der Nuttlarer Schieferbau-Aktiengesellschaft waren Mitglieder eines Konsumvereins, der mit Unterstützung der Werksleitung eine preisgünstige Versorgung mit Lebensmitteln sicherte.

Nach dem 2. Weltkrieg verbesserte sich die Lage der Nuttlarer Schiefergruben vorübergehend noch einmal. In Antfeld arbeiteten zuletzt noch die Gruben Königsgrube und Egon II. Als letzte Grube des Nuttlarer Reviers schloß die Grube „Ostwig“ zu Beginn der neunziger Jahre.

Die Egon-Gruben bestanden aus mehreren Einzelgruben. Die Untertageverlagerung Gangfisch in Grube Egon I wurde im Herbst 1945 mit 80 Tonnen Dynamit von amerikanischen Soldaten gesprengt. Die Reste sind, zum Ärger der Fledermausschützer, seit einigen Jahren massiv verwahrt worden.

Unter dem Park

Noch vor wenigen Monaten stand diese recht grosse Stollenanlage unter einer Innenstadt im Südosten des Ruhrgebietes weitestgehend unter Wasser. Mittlerweile ist sie fast völlig trockengefallen und wir können sie mühelos begehen. An einer grossen Parkanlage mitten in der City steigen wir die ausgetretenen Stufen hinab in die Unterwelt und es wird merklich kühler. Uns öffnet sich eine andere Welt

Unter der Wohnsiedlung

In einer Wohnsiedlung einer Ruhrgebietsgroßstadt befindet sich in einer alten Mauer eine unscheinbare Tür … hinter dieser Tür verschwindet der Großstadtlärm und es öffnet sich eine längst vergessene Stollenanlage aus dem Zweiten Weltkrieg. Die wenigsten Anwohner wissen, was sich unter ihren Häusern und Vorgärten befindet.

Wilhelmshöhe

Wer vor über 150 Jahren im Tal der Wupper einen schönen Abend verbringen wollte, für den war das Elberfelder Vergnügungslokal Wilhelmshöhe am Engelnberge die erste Adresse. Hier wurde gegessen, getrunken, gefeiert und getanzt. Hier ging es gesellig zu. Andreas Böttger sen. war nicht nur Gastwirt – er betrieb auch seine eigene, kleine Privatbrauerei. In alten Aufzeichnungen von 1838 findet sich der Satz: "Bierbrauerei u. Sommerwirthschaft zur „Wilhelmshöhe“ woselbst eine naturhistorisch merkwürdige Höhle …".
Unter dem ehemaligen Lokal befand sich also damals eine kleine Höhle. Diese wurde vom Gastwirt und Brauer Böttger ein wenig ausgebaut und bis ca. 1858/59 braute und lagerte er dort seinen frischen Gerstensaft.
Nach Aufgabe seines Geschäftes gerieten die unterirdischen Hohlräume mehr oder minder in Vergessenheit. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie zum Luftschutz erweitert und ausgebaut, drei Lüftungsanlagen installiert und boten so nun mehreren hundert Menschen Zuflucht während des Bombenhagels auf Elberfeld.
Lange Zeit nach dem Krieg stand der Stollen leer, bis ein Weinhändler dort sein Geschäft und Lager eröffnete … doch seit über zwanzig Jahren ist auch er wieder fort und in dem
Stollen herrschen wieder Dunkelheit und Stille.

Luftschutz an der ehemaligen Nordbahntrasse

Hier hat sich mittlerweile so vieles verändert … über der Erde  –  … aber unter der Erde sieht es immer noch so aus, wie in alten Zeiten.

Als auf der Nordbahntrasse die Gleise entfernt wurden um einen Fahrradweg durch ganz Wuppertal zu realisieren, verschwand auch das aus Beton gefertigte Eingangsbauwerk, gelegen in unmittelbarer Nähe zum Schienenstrang. Heute befindet sich auf dem Treppenabgang der Sandkasten eines Spielplatzes und somit ist von dem Eingang in den recht grossen Bunker mit seinem verzweigten Stollensystem nichts mehr zu sehen, das darauf hindeuten könnte, dass in Kriegszeiten nicht nur Bahnbedienstete und Fahrgäste bei Bombenangriffen dort Schutz suchten. Zwei weitere Eingänge sowie ein Notausgang befanden sich in einer nahegelegenen Firma. Somit kann davon ausgegangen werden, dass diese Luftschutzanlage nicht nur ein Bahnbunker war, sondern gleichzeitig als Werkluftschutz diente.

Die Schiefergrube

Die letzte Dachschiefergrube am Mittelrhein schloss ihre Pforten 1985. Durch den Einsatz von Kunstschiefer ging die Nachfrage an Dachschiefer in den 1960/70er-Jahren stark zurück. So kam auch für diese Grube im Rheinischen Schiefergebirge schon 1965 das unausweichliche Aus.

Werkluftschutz Hüttenwerk

Gegründet wurde das Walz- und Puddelwerk im Jahre 1847 und in seiner Blütezeit waren dort bis zu siebentausend Menschen beschäftigt. Heute deutet nur mehr wenig auf die ehemalige Existenz des einst vier Kilometer langen Werkes hin. Der letzte Abstich im Jahre 1972 bedeutete das Aus der Produktion und den Rückbau des gigantischen Betriebes, der bis ins Jahr 2010 dauerte. Übriggeblieben ist dieser Werkluftschutzstollen.

Der Werkluftschutzstollen

 

Während des Zweiten Weltkriegs kam es zwischen 1942 und 1945 zu Bombenabwürfen über der Stadt, welche eigentlich dem nahegelegenen Düsseldorf galten. Deshalb liess die kleine Firma in Erkrath in den Südhang hinter dem Werksgebäude für ihre Belegschaft einen Luftschutzstollen in den vorhandenen Dachschiefer schlagen. Heute ist dieser kleine Stollen kaum noch aufzufinden. Wir begaben uns dennoch auf die Suche und wurden auch fündig.

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Das geplante Kavernenkraftwerk

 

Zum Bau einer bombensicheren Energieversorgung in Form eines Kavernenkraftwerkes wurde dieser Stollen in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, in den Zeiten des "Kalten Krieges", in den Hardtberg getrieben. Das Projekt jedoch wurde abgebrochen und der angefahrene Stollen wurde verschlossen. Seit 2015 wird die Anlage vom Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. offiziell betreut. Da sich in dem Berg ein Großhöhlensystem befindet und auch beim Stollenvortrieb Kleinhöhlenteile angeschnitten wurden, erhoffen wir uns bei der zukünftigen Forschungsarbeit einiges an Neuentdeckungen. Potential wäre vorhanden …

 


 

Tag des Geotops 2015

Der schon traditionell am Wuppertaler Hardtberg stattfindende Tag des Geotops hielt diesmal für die Besucher eine Besonderheit bereit: Zum ersten Mal konnte der Hardtstollen mit seiner großen Kaverne zugänglich gemacht werden. So war es kaum verwunderlich, dass die Anmeldungen die Anzahl der freien Plätze schnell überstieg. Kurzfristig wurden die Gruppen vergrößert und die Anzahl der Führungen von 7 auf 9 erhöht, so dass über 200 Besucher durch den Stollen geführt werden konnten. Mehr dazu: klick hier

Noch mehr Bilder vom Tag des Geotops 2015, klick hier

Bilder vom TdG 2016

https://akkhev.wordpress.com/2016/09/23/tag-des-geotops-2016-in-der-hardtkaverne/

Fotos vom TdG 2018

Die unfertige Anlage

 

Hierhin sollte einst die Produktion kriegswichtiger Güter des gegenüberliegenden Edelstahlwerkes verlagert werden. Zwei, mit Stahlbeton ausgebaute Einfahrten führen in den Schiefer. In der linken Einfahrt kann man noch sehen, dass dort einmal Schienen lagen. Bedingt dadurch, dass mit der Auffahrung der Anlage viel zu spät begonnen wurde, ist aus diesem Vorhaben jedoch nichts mehr geworden, obwohl mit den Arbeiten teilweise bis zu eintausend Zwangsarbeiter beschäftigt wurden. Zum Werkluftschutz selber gab es unter den Produktionshallen der Firma weitreichende Räumlichkeiten, welche teilweise auch heute noch erhalten sind.

Kleiner Brauereistollen

 

Im Laufe der Geschichte gab es in Wuppertal so an die zweihundert Brauereien, die den bekömmlichen Gerstensaft in grossen und auch in kleinen Mengen produzierten. Diese Brauereien sind nun alle Geschichte. Doch hin und wieder findet sich noch ein Relikt aus alter Zeit. Hier haben wir den Kühlstollen einer kleinen Privatbrauerei aus Elberfeld, der im Krieg zum Luftschutz umgebaut wurde.

U-Verlagerung Trusche

 

Eine der damals wohl größten und bekanntesten Brauereien im Bergischen Raum, gegründet 1845 und 1853 sehr grosszügig auf einem Areal nah der City an einem Felshang neu erbaut.

Zu dieser Brauerei gehörten vier in den Berg getriebene Felsenkeller und grosse, mehrmals erweiterte Kelleranlagen zur Gärung. Als 1884 die mechanische Kühlung eingeführt wurde, verloren die Kühlstollen ihre Bedeutung und mit dem 1917 vollendeten Umzug des gesamten Betriebes gerieten sie für einige Jahrzehnte fast in Vergessenheit … bis sie im Zweiten Weltkrieg als wichtige unterirdische Produktionsstätten wiederentdeckt wurden.

Heute schlummern diese ehemaligen Felsenkeller ihren Dornröschenschlaf. Stollen Eins ist vermauert worden und Stollen Zwei wurde mit einer Betonplombe versehen. Somit sind diese beiden Stollen nicht mehr zugänglich.

Wir haben das grosse Glück, Stollen Drei, der auch dem Zivilen Luftschutz diente und Stollen Vier heute fotografisch dokumentieren zu dürfen.

Der Kühlstollen

 

Schon lange bevor die Familie Küpper 1893 in Köln ihre Zweigniederlassung gründete, braute sie unter dem Namen Bergische Brauereigesellschaft seit ca.1828 als eine der größten Wuppertaler Brauereien (bis zu ihrem Zusammenschluss mit der Wicküler-Brauerei zur Wicküler-Küpper Brauerei AG) ihr Bier hier im Tal. 

Zum Kühlen des Bieres wurden diese Stollen in den Hang getrieben …

Werkluftschutzanlage Sch.

Einen schönen und aufgeräumten Werkluftschutz haben wir hier im Volmetal entdeckt. Kein Müll und kein Vandalismus, so gefällt mir das. Die Anlage gehört zu einem Schmiedeunternehmen, welches sich nach der Fahrradteileproduktion in den frühen Anfängen nach und nach auf geschmiedete Auto- und LKW-Teile (wie zB. Achsteile) spezialisierte.

Diese Anlage hat nichts mit der U-Verlagerung Krebs I zu tun, die ungefähr 800 Meter weiter nordwestlich liegt.

Die Reise zum Ende der Nacht

Der Kontakt wurde uns durch den örtlichen Fledermausschutzverein vermittelt und am Wochenende trafen wir dann einen schon etwas älteren Herrn im Cafe Patronaat im Riemst. Ich war von Anfang an sehr skeptisch und wurde immer skeptischer. Was uns der alte Herr in gebrochenem Deutsch alles erzählte, klang erstmal mehr als unglaublich. Als der alte Mann dann jedoch seine Mappe öffnete und uns alte Schwarz/Weiss-Fotos zeigte, wurden seine Geschichten von deutschen Soldaten, von Zwangsarbeitern und von unterirdischer Rüstungsproduktion plötzlich sehr interessant und lebendig. So verbrachten wir doch noch einige Stunden im Patroonat um uns dann mit einer sehr detaillierten Skizze auf den Weg zu machen. Nicht auf Anhieb, aber wir fanden nach intensiver Suche den Eingang in die von den Amerikanern teilgesprengte, 60.000qm grosse Anlage eines Tages doch noch. Tief im Berg breitete sich vor uns ein Areal aus Räumlichkeiten und Gängen aus. Der hintere Teil ist komplett ausbetoniert, Maschinensockel sind noch vorhanden. Mehrere Wasserbecken und sogar ein Tiefbrunnen befinden sich dort. Der vordere Bereich wurde durch die Sprengung stark im Mitleidenschaft gezogen und im Laufe der letzten Jahrzehnte als Ort der Entsorgung missbraucht. Alles in allem eine sehr interessante Anlage mit einer beeindruckenden Geschichte und einer abenteuerlichen Reise dorthin …

U-Verlagerung Ziege

Die verschollene U-Verlagerung Pyrit

 

Ein Fahrstollen eines jetzt nicht mehr existenten Steinbruchs im Volmetal wurde zur Untertageverlagerung ausgebaut. Wer hier einst produzieren oder reparieren sollte, ist genauso ungeklärt wie die Frage, ob diese Verlagerung jemals fertiggestellt wurde und überhaupt zum Einsatz kam.

Der ehemalige Steinbruch ist mittlerweile seit Ende der 70er, bzw. den frühen 80er Jahren überbaut – und somit ist auch der Fahrstollen nicht mehr zugänglich und für immer verschwunden …

Zu den Fotos der Anlage

Die untertägige Flugzeugwerft

 

Gottlob "Espe" Espenlaub war deutscher Pilot und Flugzeugkonstrukteur.
Ab 1923 konstruierte er eigene Segelflugzeuge und so entstanden später die von ihm gegründeten Flugzeugwerke-Espenlaub. Er gilt als Pionier der Raketenflugzeuge. Auf dem Flugplatz Düsseldorf-Lohausen führte er Experimente mit Raketentreibsätzen bestückten Segelflugzeugen durch. Nach einem Absturz, den er schwer verletzt überlebte, wurden die Versuche eingestellt.
1939 verlegte er sein Flugzeugwerk von Düsseldorf auf den Flugplatz Langerfeld in Wuppertal. Während des Zweiten Weltkrieges konstruierte Gottlob Espenlaub Luftabwehrdrachen besonderer Größe, die wie Fesselballons als Sperrgürtel um deutsche Industrieanlagen und Flughäfen eingesetzt wurden.
Über seine Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs hat sich Espenlaub nach Kriegsende nicht näher geäußert, Unterlagen wurden zum Teil bewusst vernichtet.
Ende der 1920er-Jahre gab Espenlaub seine Fliegerkarriere nach mehreren nur mit Glück überlebten Abstürzen auf. Hauptbetätigungsfeld war fortan sein Flugzeugreparaturbetrieb mit anfänglich 80, im Dritten Reich bis zu 2.253 Mitarbeitern (darunter viele Zwangsarbeiter).
1939, mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, errichtete Gottlob Espenlaub am West- und Nordrand des Flugplatzes Langerfeld zwei seiner Espenlaub-Flugzeugwerke (
Werk 1 und Werk 2), in dem Flugzeugteile hergestellt und Reparaturen an Maschinen der Luftwaffe ausgeführt wurden. Eine weitere Werft wurde am südlichen Rand des Flugplatzes an der Schwelmer Straße eröffnet (Werk 3). 1944 verlegte Espenlaub sein Werk aus Kassel auch hierhin. Zuvor hatte Espenlaub die Genehmigung erhalten, in zwei nahegelegenen Eisenbahntunneln sogenannte Untertageverlagerungen einzurichten. So enstand im Linderhauser Tunnel, auf Schwelmer Stadtgebiet, mit dem Tarnnamen „Meise 1“ das Werk 4 und die U-Verlagerung "Falke" im Reichsbahntunnel "Präsident Höft" wurde das Werk 5. Zusätzlich bekam Espenlaub einen Stollenneubau, das Werk 6 – die U-Verlagerung mit dem Tarnnamen "Blutstein", tief im Ehrenberg.

Zu den Fotos der Anlage Blutstein

 

Entgegen aller Unkenrufe: Es gab niemals Räume oder Verbindungsgänge zwischen den beiden Eisenbahntunnelröhren der ehemaligen Untertageverlagerung "Meise 1" … wir haben das überprüft.

 

 

Codename Seehahn

 

In dem naheliegenden kleinen Dörfchen erzählt man dem fremden Wanderer gerne die Geschichte, dass hier einst V1 und V2 Raketen unterirdisch gebaut wurden. Diese Geschichten entsprechen nicht ganz der Wahrheit.

Den bereits vorhandenen unterirdischen 9.200 qm großen Komplex im tiefen Kalkstein ließ das Oberkommando der Luftwaffe unter Leitung der Organisation Todt von der Deutschen Armee mit Zwangsarbeitern aus Belgien und den Niederlanden ab März 1944 zur bombensicheren Reparatur von Flugzeumotoren des Typs BMW 801 zu einer mit Aussenanlagen ausgestatteten Gesamtgröße von 13.000 qm ausbauen. Zu der komplett eingerichteten Werkstatt gehörten auch sechs Motorprüf- und Testanlagen sowie eine unterirdische Tankstelle und ein Dombunker für die Lokomotive der vorhandenen Schmalspurbahn. Als die US-Armee das Gebiet im September 1944 einnahm, lief die Anlage bereits Tag und Nacht mit 10% der veranschlagten Gesamtkapazität von 250 Motorreparaturen täglich.

Heute dient diese fest verschlossene und nicht zugängliche Anlage als Fledermauswinterquartier für mindestens vier Arten.

Zu den Fotos der Anlage "Valerie 15"

Zu den Fotos der Aussenanlagen (Ruinen der Test- und Prüfstände)

 

… und direkt nebenan befindet sich der alte Steinbruch, in dem auf 9000 qm die des Volkswagenwerkes Fallersleben gebauten Fieseler Fi 103 zwischengelagert wurden.

Ein privater Luftschutzstollen

 

Das Privathaus eines Großindustriellen, gebaut in den frühen 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dass solche Unternehmerdomizile über Luftschutzeinrichtungen verfügten, ist keine Neuigkeit. Meistens sind Kellerräume verstärkt oder einzelne Keller als Bunker ausgebaut worden, als der Bombenkrieg über Deutschland begann. Doch unter diesem Haus, in weit mehr als 20 Metern Tiefe, erstreckt sich ein Stollensystem, wie es nicht jeder Privatmann mit seiner Familie bei Luftangriffen aufsuchen konnte. Nach Besichtigung der Anlage können wir davon ausgehen, dass nicht nur die Familie dort Schutz gefunden hat, sondern dass dort auch gearbeitet wurde.

Zu den Fotos

 

Tief im Kalksteingebirge

 

Einst sollten hier untertägig V-Waffenteile hergestellt werden …

Die Anfänge dieses ehemaligen Bergwerks gehen zurück bis in die Römerzeit. Der komplette Berg ist im Laufe der vergangenen Jahrhunderte durch den Abbau des Kalksteins mit unzähligen Tunneln und Stollen durchzogen worden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Tunnelsystem in den Steinbrüchen von der Deutschen Armee genutzt.  1943 besetzte die Organisation Todt das nahegelegene Schloß und die geplante unterirdische Verlagerung der Produktionsanlage zur Flugzeugmotorenfertigung der Firma Fokker begann. Innerhalb von drei Monaten wurde der Boden des Tunnelsystems betoniert, die Stollenanlage mit elektrischer Beleuchtung versehen und sämtliche benötigten Maschinen aufgestellt. Zur Produktion von V-Waffen oder Flugzeugmotoren ist es hier jedoch nie gekommen. Innerhalb von nur drei Tagen wurden sämtliche Maschinen wieder abgebaut und der Spuk verschwand …

Nicht zuletzt durch diesen Vorausbau erweckte die weitläufige Stollenanlage mit ihren insgesamt rund fünfundzwanzig Kilometern Tunnelstrecke zu Beginn des Kalten Krieges die Aufmerksamkeit der NATO. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Zeiten des Kalten Krieges, wurde das markante Tunnelsystem von den Alliierten übernommen und man begann, die Anlage zu einem Top-Secret-NATO-Hauptquartier zu erweitern. So entstand zwischen 1954 und 1960 eine der geheimsten Geheimanlagen der NATO in Europa.

Zu den Fotos der Anlage

 

Unter dem Westpark

 

Das ehemalige Stahl- und Hüttenwerk Rheinhausen
 

Nach der Stilllegung der Produktion wurden fast alle Gebäude abgerissen, zurück blieb eine dicht mit Spontanvegetation überzogene Industriebrache. Oberirdisch deuten heute nur noch das Colosseum, die Jahrhunderthalle, zwei Kühltürme und der Wasserturm darauf hin, dass im heutigen Westpark einmal das Stahl- und Hüttenwerk Rheinhausen stand. Hier wurden 160 Jahre lang Stahlprodukte von der Kirchenglocke über Kanonen bis hin zum ICE-Radreifen hergestellt. 1968 wurden die Hochöfen stillgelegt und 1985 ebenso das Stahlwerk.

Der entscheidende Schritt in die Rüstungsproduktion erfolgte schon 1863 durch die Genehmigung der Generalversammlung, das Hammerwerk 2 und die Kanonenwerkstatt zu bauen. 1866 begann die Produktion mit 100 Gußstahlgeschützen für die Königliche Bayrische Regierung.

Eine erwähnenswerte Besonderheit war die Schlackenbeseitigung im Gußstahlwerk. Diese wurde unterirdisch angelegt und konnte mit Zügen befahren werden. Man kann noch die Gleise teilweise erkennen, auf welchen die Wagen zum Abtransport der Schlacken unter den Siemens Martin Öfen fuhren. Die Entsorgung noch heißer Schlacken ist besonders wichtig, damit der Produktionsablauf nicht gestört wird. Durch die Verlagerung in den Untergrund ersparte man sich den zusätzlichen Platzbedarf vergleichbarer Werke. Die komplett unterirdische Schlackenabfuhr wurde um 1934 im Rahmen der großen Umbaumaßnahmen geschaffen. Gleichzeitig wurden in diesem Bereich bombensichere Luftschutzräume hergerichtet. Normale Hochbunker sucht man hier vergeblich. Fast der gesamte bauliche Luftschutz wurde in oder unter die Erde gelegt. Ein einziger Bunker (Luftschutz-Befehlsstelle mit Warnzentrale) war zumindest teilweise oberirdisch und hatte ein Erdgeschoß. Alle anderen LS-Anlagen bestanden aus stark verstärkten LSR in den Kellern, aus Deckungsgräben, aus Stollenanlagen und Tiefbunkern.

Ein weit verzweigtes System von Gängen und Tunneln, die während der Bombenangriffe auf Bochum auch als Bunker genutzt wurden, führte zur eigentlichen, so genannten Schlackenbahn. Unterirdisch gelegen, grenzt an die ehemalige Schlackenbahn auch der ein oder andere Bunkerraum. Heute deutet oberirdisch nichts mehr auf die noch erhaltenen Anlagen hin.

Durch die Stillegung und den Abriss vieler Bauwerke wurden manche verbliebenen unterirdischen Bereiche (meist Kelleranlagen) erst einmal dem Auge entzogen und vergessen …

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Luftschutz im Braukeller

 

Im östlichen Teil der Stadt befindet sich diese relativ große, ehemalige Zivilschutzanlage. Tief in den Berg gehauen und somit gut geschützt, bot dieser ehemalige, zum Luftschutz umgebaute Bierkeller der Bevölkerung den nötigen Schutz vor Fliegerangriffen. Ehemals vier Zugänge hatte die Anlage, von denen heute einer noch vorhanden ist. Dadurch bedingt, dass der Brauereikeller sehr verwinkelt angelegt war, wurden in diesem Luftschutzstollen drei Lüftungsanlagen benötigt und auch betrieben.

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Der alte Bergwerkstollen

 

Laut meiner Recherche handelt es sich bei diesem Objekt um einen in einem Steinbruch in die Wand getriebenen Stollen, der im letzten Weltkrieg zum Dombunker ausgebaut und auch als solcher benutzt wurde. In diesem Dombunker wurde ein Eisenbahngeschütz mit einer 24-cm-Kanone untergestellt. Der Steinbruch existiert heute nicht mehr und ist als solcher auch kaum noch zu erkennen. Das Gelände wird komplett anderweitig genutzt, nur die nebenan verlaufende Bahnlinie ist auch heute noch in Betrieb.

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Im Basalt

 

Unser Re-Visit des erst kürzlich besuchten Basaltlava-Bergwerkes diente unter anderem der Beantwortung der Frage, ob die unter dem Thema "U-Verlagerung Igel" auf einigen Internetseiten gezeigten Bilder auch wirklich dieser ehemaligen Untertageverlagerung zuzuordnen sind. Wir hatten von Anfang an Zweifel an dieser These … und bekamen diese Zweifel jetzt auch bestätigt!

Die überall zu findenden Bilder der angeblichen Anlage zeigen einen von ehemals achtundzwanzig vorhanden gewesenen Gär- und Lagerkellern der ehemaligen ortsansässigen Brauereien, die diese unterirdischen Steinbrüche für sich ausbauten und nutzten. – Ein schön anzuschauender Bierkeller, mehr nicht. Keine U-Verlagerung.

Fast alle dieser ehemaligen Braukeller sind inzwischen dem weiterhin aktiven Tagebau zum Opfer gefallen. Die Frage, ob die Verlagerung mit dem Decknamen Igel nun auch darunter war, läßt sich noch nicht zweifelsfrei beantworten. Wir werden der Sache aber auf den Grund gehen und falls die Bagger uns nicht zuvor kommen, die Anlage auch finden. Da die U-Verlagerung laut alten Aufzeichnungen ungefähr zwei Kilometer weiter weg vom Standpunkt dieses Bierkellers liegt, werden wir beim nächsten Besuch tiefer in den Berg vordringen müssen …

Zu den Fotos des Brauereikellers

Der Operationsstollen

 

Von vielen gesucht, von den meisten nicht gefunden worden und somit in das Reich der Mythen verbannt, verbirgt sich unter einem Landschaftspark der sogenannte OP-Bunker.

Da diese Anlage seit 1948 fast unberührt und gut gesichert vor sich hin schlummert, sieht sie in einigen Bereichen durch das extreme Wachstum der zahllosen Stalaktiten wie verzaubert aus.

Zu den Fotos der Stollenanlage

Die Bunkerhöhle

 

Ein uraltes Höhlensystem.

Im Zweiten Weltkrieg begannen die Bewohner von Rittershausen, einen Teil dieses ehemals natürlichen Hohlraumes zum Luftschutz auszubauen. Bedingt durch diese bergmännischen Arbeiten ist heute leider nicht mehr genau nachvollziehbar, welche Ausmaße diese kleine Höhle einst hatte.

Die Höhle, oder besser der Luftschutzstollen wird betreut und zur Zeit auch vermessen vom AKKH. Der Bunker mit diversen Einbauten bleibt erhalten und wird nicht wieder zurückgebaut.

Desweiteren lassen noch lehmverfüllte Gänge auf interessante Fortsetzungen und Neuentdeckungen hoffen. Es bleibt spannend …

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Deep below Ground …

 

Malerisch und ruhig schlängelt sich der Fluß zwischen den beiden Bergen hindurch weiter Richtung Norden, zum Meer hin. Wir nutzen die früh einsetzende Dunkelheit des Herbstes um die östliche der beiden Erhebungen ungestört zu erklimmen. Trotz der einsetzenden Abendkühle sind wir, gepäckbeladen, froh, endlich auf Zielhöhe angekommen zu sein und haben dennoch keine Zeit, die romantische Aussicht auf die Lichter der Stadt und den gegenüberliegenden Berg mit dem beleuchteten Denkmal zu geniessen. Unser extrem bewährtes Team, reichlich beladen mit sämtlichem Equipment, hat schnell den geheimsten der geheimen Zugänge in das Bergesinnere gefunden und enttarnt. Jetzt erst beginnt die wirkliche Arbeit. Der Einstieg in den Berg ist ein Abenteuer für sich und nichts für jedermann. Doch wenn man diese Strapaze erst einmal hinter sich gebracht hat, wenn man endlich mit komplettem Gepäck durch diese Passage hindurch ist, empfängt einen eine Welt, von der draussen nichts bekannt ist.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges, mit großer Wahrscheinlichkeit im März 1944, wurde die Röhrenproduktion der Firma Philips aus den Niederlanden in den Jakobsberg verbracht. Hierzu wurden aufgegebene Bergwerksstollen des vormaligen Eisenerzabbaus erweitert. Solche Stollen durchziehen beträchtliche Teile des Wiehen- und Wesergebirges, die Eingänge sind heute vermauert und unkenntlich gemacht. In Hausberge und Barkhausen befanden sich Außenlager des KZ Neuengamme mit über tausend Häftlingen, von denen ein beträchtlicher Teil im Jakobsberg arbeitete. Unter deutlich besseren Bedingungen waren aber auch Frauen aus der Umgebung im Berg tätig. Nach Kriegsende nutzte die örtliche Bevölkerung ihre überlegene Kenntnis des das Gebirge durchziehenden Stollensystems, um Material der Produktionsanlagen aus dem Berg zu schaffen und auf dem Schwarzmarkt zu tauschen. Die britische Besatzungsmacht setzte dem Treiben durch eine Sprengung ein Ende, die auch in 15 Kilometern Entfernung noch Bilder von den Wänden fallen ließ und einen Teil der heutigen flussseitigen Front des Jakobsbergs formte.
 
Obgleich umfangreiche Fakten über die Zeit des Zweiten Weltkrieges bekannt sind, stellen die U-Verlagerungen jedoch einen Bereich dar, der bis heute vielen Menschen unbekannt ist. Oftmals hören die Menschen den Begriff U-Verlagerungen zum ersten Mal und fragen sich, was es damit auf sich hat. Das eigentlich besondere an der Region Porta Westfalica ist, dass hier Baumaßnahmen in größerem Umfang durchgeführt wurden als anderswo in Deutschland. Nur wenige Anlagen übertreffen das Ausmaß der Bauvorhaben an der Porta. Doch was verbirgt sich hinter den so genannten U-Verlagerungen eigentlich? Es handelt sich um industrielle und militärische Einrichtungen, welche zum Schutz gegen feindliche Angriffe in unterirdische Standorte verlagert wurden bzw. werden sollten. Auch wenn dies auf den ersten Blick nichts besonderes zu sein scheint, so ranken sich um diese Anlagen die unterschiedlichsten Geschichten und Vermutungen. Man fragt sich, warum lange Zeit ein derartiges Geheimnis um die Anwesenheit dieser Anlagen gemacht wurde.
 
 
Mit dem Ende des Krieges kam auch das Ende der Anlagen. In den folgenden Jahren wurden die Anlagen zunächst demontiert, wobei die Maschinen unter anderem als Reparationszahlungen angerechnet wurden. Nach der Demontage sollte dann dafür gesorgt werden, daß die Anlagen nicht erneut aufgebaut werden konnten. Dazu wurden sie entweder versiegelt, durch Sprengungen zerstört, oder wieder in den aktiven Bergbau übernommen.

Auf welche Art die Anlagen unbrauchbar gemacht wurden, hing stark von den Gegebenheiten ab. Wurden beispielsweise bei der Sprengung des Denkmalstollens noch folgenreiche Fehler begangen, wurden derartige Risiken bei anderen Anlagen vermieden. Für die Anlagen im Jakobsberg wurde beispielsweise ein geologisches Gutachten erstellt, um kalkulieren zu können, welche Methoden welche Folgen haben könnten.

Als Folge dieses Gutachtens wurden einige Anlagen nicht gesprengt, sondern stattdessen nur versiegelt.

http://www.u-verlagerungen.portaforum.de/dem_st1.html
http://www.u-verlagerungen.portaforum.de/dem_dachs.html

 

Zu meinen Fotos der Anlagen Dachs 1 und Stör 1

 

Luftschutz im Osten der Stadt

 

Wieder einmal hatten wir das Glück, eine ausserordentliche Stollenanlage inmitten einer Großstadt des Ruhrgebietes entdecken zu können. Dieser relativ große Tiefbunker wurde nicht nur für den zivilen Luftschutz gebaut – in einem separaten Teil war auch industrielle Fertigung untergebracht und es wurde hier Tag und Nacht für die Rüstung gearbeitet. Diverse Einbauten, eine sehr intensive Lüftungsanlage, ein einen ganzen Raum einnehmender, riesiger Wassertank sowie andere Hinterlassenschaften bezeugen noch heute die damals rege Tätigkeit der Arbeiter in diesem bombensicheren Bauwerk tief unter der Erde. Eine der nach so vielen Jahrzehnten leider kaum noch lesbaren Wandbeschriftungen deutet auch auf die Unterbringung eines Selbstschutztrupps in einem der Räume. Desweiteren wurde, neben der anwohnenden Bevölkerung, auch eine komplette Grundschule bei Fliegeralarm hierhin evakuiert. Ursprünglich war dieser Großbunker nach dessen mehrjähriger Bauzeit für eine Belegung von dreitausend schutzsuchenden Personen geplant.

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Der Felsenkeller


Auf dem Sandsteinsturz über dem Eingang ist der Name Joh. Klein eingemeißelt. Johannes Klein (1808-1878) war Wirt und Hufschmied. 1830 gründete Klein eine Brauerei. Er besaß einige Grundstücke und auf einem davon ließ er ca. 1835 einen Felsenkeller in den Berg treiben, den er als Kühlkeller für die Lagerung seiner Bierfässer nutzte. 1867 verkaufte Johannes Klein seine Brauerei, die später als Brauerei Schwelm weltbekannt wurde. Die Schwelmer Brauerei existiert seit 2011 nicht mehr, wohl aber der Felsenkeller, der auch im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller für die nahe gelegene Schule diente und nach dem Krieg verschlossen wurde.

Heute hatten wir das große Glück, den passenden Schlüssel für diesen uralten und sehr gut erhaltenen Felsenkeller in der Tasche zu haben. Dieser ehemalige Bierkeller ist sehr gut erhalten – weder vermüllt, noch beschmiert … und damit das auch in Zukunft so bleibt, haben wir ihn beim Verlassen natürlich wieder ordentlich verschlossen. Besondere Beachtung beim Betrachten der Fotos verdient der schöne, gemauerte Ofen.

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Beschussanlage und Munitionsdepot

Durch einen engen Schluf gleiten wir in ein großes Stollensystem mit mehreren Bereichen.

Dunkelheit umgibt uns … es wird feucht.

Wir ziehen uns unsere Wathosen über und weiter geht's.

 

Angelegt wurde dieser weiträumige Stollen ursprünglich für den öffentlichen Luftschutz.

Zusätzlich wurde ein unterirdisches Krankenhaus geplant.

Bis zu dessen Fertigstellung improvisierte man in einem OP-Bereich, der in Seitenstollen eingerichtet wurde.

Bevor der als Krankenhaus gedachte unterirdische Neubau fertiggestellt wurde, ging den Bauarbeitern der Krieg aus …

Viele Stollengänge befinden sich deshalb im Rohbaustadium und entwickeln ungestört ihre nett anzusehenden Tropfsteingalerien.

 

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, in Zeiten des Kalten Krieges, wurde der vordere Luftschutzbereich zu einer unterirdischen Prüf- und Beschussanlage für Panzerstahlplatten umgebaut. Hier wurden diese dicken Platten auf ihre Qualität geprüft und dazu mit großkalibrigen Projektilen beschossen. Die Beschussanlage weist eine Länge von 100 Metern auf.

 

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Die Mergelgrotten

 

Die im belgisch-niederländischen Grenzgebiet befindlichen Hochplateaus beinhalten einige uralte, teils sehr grosse Bergwerke. Zusammengerechnet ergibt dieses unterirdische Labyrinth eine Gesamtganglänge von ungefähr eintausend Kilometern. Das waldreiche Gebiet steht unter Naturschutz und das Einfahren in den Berg bleibt erfahrenen und befugten Höhlenkundlichen vorbehalten. Das hat seinen guten Grund, denn ohne Erfahrung und entsprechende Ausrüstung und Vorbereitung hat man sich schnell in dem Gewirr der Gänge verloren. Ein ortskundiger Führer wäre dann vonnöten, ansonsten riskiert man sein Leben. Die letzten unvorsichtigen Besucher hat man nach rund drei Wochen tot aus der Grube geborgen!
 
Der Mergel ist entstanden, als sich die Skelette und Schalen von Tieren sowie Pflanzenreste auf dem Boden des Meeres aufgehäuft haben, das sich hier vor Dutzenden von Millionen Jahren befand. Die fossilen Überreste dieser Tiere sind bis zum heutigen Tage in den gelben Mergelsteinen von Gebäuden und auf den Wänden und Gängen zu erkennen. Die schönsten Funde waren in den Jahren 1770 und 1998 zu verzeichnen, als man auf die aussergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien eines Mosasaurus (Maaseidechse), einem direkten Verwandten der Dinosaurier, stiess.
 
Immer wieder tauchen an den Grottenwänden entlang Namen und Zeichnungen, Denkmäler und Skulpturen von Menschen auf, die hier vor hunderten von Jahren tagein tagaus ihrer mühsamen Arbeit nachgingen. Diese so genannten Blockbrecher sägten die Mergelblöcke aus den Wänden, mit denen man dann Häuser, Kirchen, Burgen, Klöster und auch Schlösser baute.
 
Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzungszeit dienten die, teilweise im 12. Jahrhundert und über acht Jahrhunderte entstandenen Kalksteingruben, der Bevölkerung als Luftschutzbunker, Lazarett und Versteck wertvoller Gegenstände und Kunstschätze. Während der Zeit des Kalten Krieges befand sich in einem der Berge, neben anderen militärischen Dienststellen, das Kriegshauptquartier (WarHQ) der Northern Army Group (NORTHAG).
 

Das Basaltlava-Bergwerk

 

Das ehemals größte Basaltlava-Bergwerk der Welt wurde in einen erkalteten Lavastrom des vor 200.000 Jahren ausgebrochenen Wingertsbergvulkan bis in eine Tiefe von 32 m gegraben, um Basalt für Mühlsteine abzubauen. Die Lava ist von etwa 30 m Löss und Bimstuffen vom Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor etwa 13.000 Jahren überlagert und wurde seit dem 18. Jahrhundert unterirdisch abgebaut. Da bereits viele Stollen eingestürzt sind, mussten viele Zugänge gesperrt werden. Ab und zu passiert es, dass Übertage Straßen oder Grundstücke durch die Unterhöhlung absacken.
 
 
Beim letzten Re-Visit schauten wir uns in Ruhe einige der alten Bierkeller an …

Unbekannte Anlage

 

Hier haben wir eine kleine, völlig unbekannte Anlage mitten in der City. Die Eingänge dieses Objektes wurden Ende der '60er, Anfang der '70er Jahre massiv verschlossen und danach wurde der Stollen auch nicht mehr begangen. Obwohl dieser ehemalige Felsenkeller direkt an einer Hauptstraße Wuppertals liegt, ist er kaum aufzufinden, da er nur noch über den ehemaligen, gut versteckten Notausgang zu erreichen ist.

Im Krieg wurde dieser, wie auch so viele andere Stollen, als Luftschutz verwendet und es wurde hier definitiv auch untertägig gearbeitet. Leider konnte bis jetzt noch nicht herausgefunden werden, welche Firma sich hier eingerichtet hatte und was hier produziert wurde.

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Der Bunker, der mal Notfallstudio war

 

Hinter einer Tankstelle liegt tief im Berg eine alte Stollenanlage. Sie diente nach dem Krieg Obdachlosen als Unterkunft – und später dem WDR.

Die meisten Autofahrer, die an der Tankstelle tanken, ahnen wahrscheinlich nicht einmal, was ein paar Meter neben ihnen im Gestein schlummert. Eine Wand am Berg ist zu sehen, eine kleine Tür. Auf den ersten Blick nichts Spannendes. Oder doch? Hinter der Tür verbirgt sich der Eingang zu einer mächtigen, zivilen Bunkeranlage.

Drei Stollen á 54 Meter wurden, vermutlich Anfang der 1940er Jahre, in den Berg getrieben, verbunden durch zwei Querstollen. Die Wuppertaler Bürger sollten in ihnen Schutz vor den alliierten Bombern finden. Für 600 Menschen war die Anlage ausgelegt.

Vom Autolärm  ist schon nach ein paar Schritten in den Berg nichts mehr zu hören. Relativ trocken ist es, hier und da ein bisschen Schimmel an der Wand. Je tiefer es reingeht, desto feuchter wird es.

Wofür der Bunker mal genutzt wurde? Spuren haben der oder diejenigen jedenfalls nicht groß hinterlassen.

Ein wenig Aufklärung kommt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – dem Eigentümer des Bunkers. „Die Anlage wurde im Jahr 1948 zwischenzeitlich als Unterkunft für Obdachlose und später zeitweise zu Zivilschutzzwecken genutzt“. „Es gibt das Gerücht, dass der WDR dort in Zeiten des Kalten Krieges ein Notfallstudio betrieben hat.“

Offenbar weit mehr als ein Gerücht, wie das Archiv des Westdeutschen Rundfunks in Köln bestätigt. Ende der 1980er Jahre suchte der Sender einen neuen Standort für seinen „Radio-Bunker“, da der bisherige in der Kölner Innenstadt nicht mehr den Ansprüchen genügte. Diese Notfallstudios sollten im Katastrophen- oder Kriegsfall der Bevölkerung „lebenswichtige Informationen“ geben.

Auch heute noch ein heikles Thema: Die Unterlagen von damals sind zum großen Teil Verschlusssache. Damit das Archiv überhaupt Auszüge weitergeben durfte, musste WDR-Intendant Tom Buhrow erst einmal grünes Licht geben. Vertrauliche Akten – mit dem Vermerk „Nur für den Dienstgebrauch“ – zeigen, dass damals die Stollenanlage in Wuppertal ins Spiel gebracht wurde. 1988 gab es eine Besichtigung des Bunkers – der allerdings nur als bedingt tauglich angesehen wurde. „Ein Schutz … gegen Angriffe auf die Versorgungseinrichtungen ist schwierig, wenn nicht gänzlich unmöglich“, heißt es in den Akten. Trotz dieser kritischen Einschätzung sei er aber „einige Zeit als Notstudio betrieben“ worden, so Buhrow.

Wann genau und wie lange, darüber gibt es keine Infos – zumindest werden sie nicht weitergegeben. Und Hinweise im Bunker gibt es auch nicht. Am ehesten noch die vielen, relativ neu aussehenden und gepflegten Versorgungsleitungen. Doch auch sie verschwinden im Dunkeln … irgendwo soll es auch eine Wendeltreppe nach oben auf den Berg geben, die haben wir aber auch nicht entdecken können.

Fotogalerie I

Fotogalerie II

 

Die Ofenkaulen

 

Die Ofenkaulen sind ein Stollensystem im Siebengebirge, östlich von Königswinter. Die Stollen entstanden ab dem späten Mittelalter durch den Abbau von Trachyttuff, der als Backofenstein für den Bau von Backöfen verwendet wurde; daher resultiert der Name Ofenkaule bzw. Ofenkuhle. Der dort abgebaute Trachyttuff verfügte über eine ausgesprochen hohe Qualität, so dass Ofenplatten von bis zu 2 m² gewonnen werden konnten. Der Höhepunkt des Abbaus wurde im 19. Jahrhundert erreicht. Vor allem die ab 1871 bestehende Eisenbahnverbindung führte zu einer großen Verbreitung der Königswinterer Öfen. Ende des 19. Jahrhunderts existierten rund dreißig, meist familiär strukturierte Kleinbetriebe mit ca. 100 bis 150 Arbeitern. Im Zuge des intensiven untertägigen Abbaus wurden die Ofenkaulen auf insgesamt sieben unterschiedlichen Sohlen ausgebeutet, die teils über tiefe Schächte miteinander verbunden sind. Insgesamt lassen sich heute rund 5 ha Abbaufläche nachweisen.

 

 

Am Ende des Zweiten Weltkrieges mussten in einigen Teilen der Ofenkaulen Zwangsarbeiter unter schlimmsten Umständen Einspritzpumpen für den Flugzeugmotor BMW 801 herstellen. Es handelte sich hier um die unterirdische Verlagerung der Firma Aero-Stahl Fluggerätebau GmbH aus Köln, die unter dem Decknamen „Schlammpeitzger“ in den Stollen untergebracht war.

In den letzten Kriegstagen suchten einige hundert (berichtet wird auch von ca. 2000) Bürger von Königswinter hier einen bombensicheren Zufluchtsort.

Heute sind die Ofenkaulen eingetragenes Bodendenkmal.  Das Betreten wäre lebensgefährlich und ist verboten. Die Eingänge sind massiv verschlossen (zubetoniert oder verbrochen), und nur für Fledermäuse wurden Einflugschlitze gelassen. Die Ofenkaulen gehören zu den wichtigsten Fledermauswinterquartieren im südlichen NRW und nördlichen Rheinland-Pfalz.

(Wikipedia)

Galerie I

Galerie II

Re-Visit der Ofenkaulen

Vom Stiefeleisen zum Systemknoter

Das 2009 aufgegebene Fabrikgelände am Solinger Stöcken bildet mit einer Größe von rund 60.000 Quadratmetern heute die größte brachliegende Gewerbefläche der Stadt.

1827 gründete der Landwirt und Kleineisenschmied Peter Daniel Rasspe in Schulkohlfurt (Cronenberg, heute Wuppertal) eine Firma, die sich mit der Fabrikation von Stiefeleisen befasste. Unter Stiefeleisen sind Einfassungseisen für die Absätze von Stiefeln und Landarbeiterschuhen zu verstehen. Auch gewöhnliche Straßenschuhe wurden mit solchen Eisen versehen. Mehrere Schmiedebetriebe der Umgebung waren mit der Herstellung solcher Eisen befasst.

Sowohl die günstige Absatzsituation in den Jahren 1840 bis 1860 als auch verbesserte technische Verfahren (Gesenkschmieden), erforderten einen stetigen Ausbau der Fabrikationsräume und eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten. Anfang der 1860er Jahre reichten die Flächen des alten Standortes nicht mehr aus und man plante einen Fabrikneubau in städtischer, verkehrsgünstigerer Lage. Schließlich konnte man aber in Stöcken bei Solingen ein in Konkurs gefallenes Gut aus der engen Verwandtschaft günstig übernehmen, obwohl dieser Standort verkehrstechnisch keine Verbesserung darstellte. Aber hier waren genügend Reserveflächen zur Betriebserweiterung vorhanden.  Die Söhne Johann Abraham und Peter Isaak führten das Unternehmen zu einem der größten Industriekomplexe in Solingen – mit dem auf der ganzen Welt berühmten Markenzeichen, die „Pfeife“, das 1868 in das Mustergericht eingetragen wurde.

In den 1860er und 1870er Jahren wurde die Produktpalette auf Tafel- und Schlachtmesser, Sägen sowie Häcksel- und Rübenmesser ausgedehnt. Als die Industrialisierung fortschritt und Rasspe die Fertigung modernisierte und fabrikmäßig organisierte, mussten die Produktpalette und die Absatzmärkte erneut ausgedehnt werden, um die hohen, erforderlichen Investitionen tätigen zu können. So kamen planpolierte Kupfer- und Zinkplatten zum Angebot hinzu. Der Durchbruch kam jedoch erst, als Rasspe noch zusätzlich auf die Herstellung von Zubehör- und Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen umstellte. Das Sortiment stieg in den 1920er Jahren auf über 40 000 Produkte an, die bis 1958 über ein Werksgleis zum damaligen Solinger Nordbahnhof und von dort in die ganze Welt versandt wurden.

In den 1930er Jahren profitierte Rasspe von den Bemühungen des NS-Regimes, die landwirtschaftlichen Erträge durch Maschineneinsatz zu steigern. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bot die fortgesetzte Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft bis Anfang der 1960er Jahre der Firma Rasspe ein wachsendes Auskommen. So kamen 1962 noch Knoter für Hochdruckpressen zur Produktpalette hinzu.

Die Rationalisierungen der folgenden Jahre, ermöglicht durch den Einsatz von großen, leistungsfähigen Landmaschinen, ließ es bei Rasspe kriseln. In ernsthafte Schwierigkeiten geriet das Unternehmen, als immer mehr Konkurrenten dazu übergingen, für ihre Maschinen eigene Ersatzteile anzubieten. Die Zahl der Mitarbeiter fiel zwischen 1960 und 1998 von 1.000 auf 261, denn auch der Vertrieb neuer Produkte brachte keinen dauerhaften Erfolg. 1999 musste der Betrieb schließlich Insolvenz anmelden.

Der Baubestand der Fa. Rasspe spiegelt im beschriebenen Umfang mehrere Epochen Industriearchitektur wider.
Von der Reformarchitektur der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über die für die Epoche des Industriebaus des Dritten Reiches wichtigen Anlagenteile bis zu dem eher konservativen Bau der Verwaltung der Mitt-Zwanziger und zum Funktionsbau des Lagers sprechen die Bauwerke eine jeweils zeittypische, qualitätvolle Sprache. Die Industriebauepoche von 1900 bis zur Nachkriegszeit nach 1945 ist hier repräsentiert. Der Werkshof mit seiner vereinheitlichten Architektursprache kann als besonders qualitätvolles Beispiel einer Werksinnenbebauung gelten.

Revisit

 

 

Eine der ersten Gussstahlfabriken stand im Bergischen.

Der Neuenhammer im Eschbachtal wurde bereits Ende des 16. Jahrhunderts als Hammerwerk in Betrieb genommen. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Hasenclever mit seinem niederländischen Partner Burlage hier eine der ersten Gussstahlfabriken. Später siedelte sich dann die Firma Schulte hier an, die Kugeln und Rollen herstellte.
Weiter bergauf liegt der Luhnshammer, ein Hammer mit Schmiede aus dem 17. Jahrhundert. Vor wenigen Jahren war hier noch ein Kunstschmied tätig und man konnte die denkmalgeschützte Schmiede besichtigen. Die drei Kellershämmer wurden 1692 erstmals unter dem Namen "Kellnershämmer" urkundlich erwähnt, benannt nach ihrem Begründer, dem damaligen Kellner von Burg. Er führt Buch über die Mühlen, Schleifkotten und Hämmer im Herzogtum.
Die Kellershämmer haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Lange Zeit wurden sie von der Familie Hasenclever betrieben, dann von Steffens, der hier Maschinenmesser herstellte, später übernahm die das Alexanderwerk. Im Zweiten Weltkrieg musste das Alexanderwerk auf behördliche Anordnung die Kellershämmer wieder verkaufen, Rasspe wurde der neue Inhaber.
Nachdem Rasspe "auf Befehl von Oben" das Werk mit eigenem Bahnanschluss übernahm, wurden auch
diese zwei Werkluftschutzstollen in den Berg getrieben. Sie konnten jedoch nicht mehr vor Kriegsende fertiggestellt und miteinander verbunden werden.

Schwalbe I

 

Das Projekt Schwalbe I war eines der größten geheimen Bauprojekte der U-Verlagerung des Dritten Reiches. Der Bau mit dem ursprünglichen Decknamen „Eisenkies“ (der Mineralname ist hier die Kennung für eine neue, eigens eingerichtete Stollenanlage) ist eine der größten Stollenanlagen im Sauerland. Im Rahmen des Geilenberg-Programms zur Sicherung der kriegsrelevanten Mineralölindustrie vor der totalen Zerstörung durch alliierte Luftangriffe begann man Ende August 1944 im versteckt liegenden Hönnetal des Sauerlands im Steinbruch Emil 1 der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke mit dem Ausbau dieser gigantischen Stollenanlage.
 
Im Vorfeld wurde der Standort sorgfältig von Geologen und Sachverständigen der Organisation Todt, die auch im Verlauf des Ausbaus die Oberbauleitung und Aufsicht über das Vorantreiben des Stollensystems behielt, ausgewählt. Bauherr war die Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG in Wesseling, die in der Stollenanlage ein Hydrierwerk zur Treibstoffherstellung und ein Dehydrierwerk zur Herstellung von Kerosin errichten ließ. Es sollten monatlich 30.000 Tonnen Treibstoff für Düsenjäger produziert werden.

Die Rohstoffe, besonders verflüssigte Kohle bzw. Stein- und Braunkohlenteer, Wasser und Energie, sollten bei der für Sommer 1945 geplanten Produktionsaufnahme über Rohrleitungen aus dem Ruhrtal bzw. Ruhrgebiet herangeführt werden.

Die Bauleitung lag bei der Organisation Todt. Insgesamt waren 25 Firmen an den Arbeiten beteiligt. Die technische Leitung hatte Der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion – Arbeitsstab Geilenberg – Einsatzbeauftragter Schwalbe 1.

Der zehnmonatige Stollenvortrieb und Ausbau erfolgte durch umfangreichen Einsatz von 10.000 Zwangsarbeitern und Häftlingen im Schichtbetrieb. Die Gestapo Dortmund gab im Spätsommer 1944 die Kontrolle über das Arbeitserziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid auf, um im Hönnetal ein neues Häftlingslager einzurichten. Zwischen Balve und Fröndenberg wurden ca. 20 Lager für Zwangsarbeiter, Kriegs- und Strafgefangene errichtet. Anfangs wurden hauptsächlich Wehrmachtsstrafgefangene eingesetzt. Die Menschen kamen aus dem ganzen Herrschaftsgebiet des Deutschen Reiches. Dazu kamen deutsche Fachleute, darunter Bergleute aus dem Ruhrgebiet und von der Saar.

Trotz der Baudimension und damit verbundener Logistik blieb das Projekt lange Zeit unbemerkt. Zur Verteidigung der Großbaustelle lagen mehrere strategische Abwehrmaßnahmen vor. Unter anderem wurde das Projekt ringsherum von Flakbatterien verteidigt. Zu größeren Luftangriffen scheint es nicht gekommen zu sein.

Es wurden ca. 600.000 Tonnen Gestein aus dem Fels geholt. Bis zum Kriegsende war eine Wasserleitung mit dem Stahlrohrdurchmesser von einem Meter vom Westicker Wehr an der Ruhr zur Anlage in Abschnitten fertiggestellt, zumeist verlegt aber noch nicht verschweißt. Auch ein Tunnel durch den Mendener Rodenberg war dazu gebaut worden. Das Wasser sollte hauptsächlich zur Kühlung des Hydrierwerks dienen. Es wurde von der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG eine zusätzliche 100 kV Hochspannungsleitung von Menden-Ohl nach Lendringsen gebaut und eine weitere Leitung sollte später von Hemer über Deilinghofen ins Hönnetal führen. Die Leistungsfähigkeit der Hönnetalbahn von Fröndenberg ins Hönnetal war für den Transport der Steinkohle verstärkt worden, da das geplante Hydrierwerk für die Gewinnung einer Tonne Treibstoff fünf Tonnen Kohle brauchte. Nur die Eisenbahnbrücke über die Ruhr blieb als einspuriger Engpass erhalten. Die Aushöhlungsarbeiten an den 20 Stollen und deren Verbindungsstollen waren zu Kriegsende nahezu abgeschlossen. Es gab ferner Planungen, eine Rohrleitung aus dem Raum Hamm-Unna ins Hönnetal zu bauen, um durch diese Leitung verflüssigte Kohle in das Hydrierwerk zu leiten.

Die Tunnel wurden, anders als anfangs geplant, nicht gesprengt. Heute befindet sich in dem Steinbruch ein Übungsgelände der Polizei für Sondereinsatzkommandos (SEK).

(Wikipedia)

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