Das verwaschene Juwel

Besuch in einer untergegangenen Arbeitswelt.
Verloren in gigantischen Hallen: Wo einst bis zu 700 Mitarbeiter schufteten, herrschen heute Leere und Verfall in dem recht grossen Backsteinkomplex, der nicht allein wegen seines wohl einzigartigen Bahnanschlusses zur Legende wurde. Da es um die zuvor auf „freiem Feld“ gelegene Fabrik langsam eng wurde, fand man die Lösung in die Höhe zu bauen und konnte etwa 1900 das noch heute vorhandene Fabrikgebäude errichten. Der Bau war 85m lang, fünf Stockwerke hoch und besaß dort im fünften Stockwerk einen Eisenbahnanschluss. Heute sind davon nur noch Reste der Gleisbefestigungen zu sehen und die Gebäude beeindrucken vor allem durch die schieren Ausmaße der weitgehend leeren Hallen. Dass nach dem Ende der Produktion der morbide Charme der Fabrikgebäude eine ganz andere Nutzung zugelassen hat, zeigt an der Fassade der verblasste Schriftzug „A. Willis Export“. Er erinnert an Szenen
eines Films, die hier 2008 in den da schon mittlerweile seit sieben Jahren leerstehenden Gebäudeteilen gedreht wurden.

1869 wurde im Schwarzbachtal Deutschlands erste elektrisch betriebene und damit zur damaligen Zeit wohl größte Seifenfabrik Deutschlands gegründet. 1900 wurden die drei größten Siedekessel Deutschlands betrieben, sie hatten ein Fassungsvermögen von 300.000 Kilogramm. Für die Wohngegend war das zunächst kein Segen. Die tierischen Fette (Tran, Talg, Knochenfett), die bei der Produktion verarbeitet wurden, waren in der Umgebung deutlich wahrzunehmen. Auch wenn im Laufe der Jahrzehnte Ersatzstoffe bei der Produktion zum Einsatz kamen, so dass die Ausdünstungen der Firma angenehmer rochen, blieb die Umgebung über lange Jahre kein beliebtes Wohngebiet. Noch in den Jahren 1977 bis 1980 gab es, wie man Protokollen der Bezirksvertretung entnehmen kann, stetigen Ärger durch Geruchsemissionen.